Anne 2/2: Vorzeitiges Ende der Mission, Selbstfindung und Ausblick

In dieser zweiteiligen Interview-Serie erzählt Anne (Name geändert) von ihrer bewegenden Lebens- und Glaubensreise als HLT-Kirchenmitglied. Das Interview führte Guido.
Teil eins handelte von ihrer insgesamt positiv empfundenen Kindheit in der Kirche und ihrem Kampf mit dem Thema Sexualität als Jugendliche. Im Vorfeld ihrer Mission erleidet sie einen Missbrauch. Sie erzählt von ihrem ersten Tempelbesuch in Vorbereitung auf ihre Mission und was sie dabei empfunden hat.
Im vorliegenden Teil zwei, geht es um ihre zunächst aufbauende Erfahrung im Vollzeit-Missionsdienst in den USA, welcher dann eine dramatische Wendung vollzog und darin mündete, dass sie nach Hause geschickt wurde. Anne arbeitet ihre traumatischen Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Ereignis auf. Dann erzählt sie, was sie für ihr heutiges Leben aus diesen ganzen Erfahrungen gelernt hat und wie sich ihre Sicht auf die Kirche und den Glauben dadurch verändert hat.

Anne, im letzten Teil hatten wir davon berichtet, mit welchen Schwierigkeiten Du im Vorfeld auf Deine Mission zu kämpfen hattest. Diese wurden aber schließlich überwunden und Du bist tatsächlich auf Mission gegangen. Wie hast Du Deine Mission erlebt?

Ich war total gerne auf Mission! Das MTC habe ich jedoch als „Goldenen Käfig für Kleinkinder“ empfunden. Ich selbst war zu dem Zeitpunkt schon älter als die meisten anderen Missionare, die 18 oder 19 sind, und dementsprechend kamen mir viele dieser Regeln etwas albern vor. Manche haben sich aber noch sehr unreif verhalten, aber ich habe auch Menschen mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung getroffen. Auf sie wirkten die Regeln auch teilweise übertrieben.

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Anne 1/2: Kindheit und Jugend, Kirche als „Schutzraum“, Sexualität und Schuldgefühle, Missionsvorbereitung, Endowment

In dieser zweiteiligen Interview-Serie erzählt Anne (Name geändert) von ihrer bewegenden Lebens- und Glaubensreise als HLT-Kirchenmitglied. Das Interview führt Guido.
Teil eins handelt von ihrer insgesamt positiv empfundenen Kindheit in der Kirche und ihrem Kampf mit dem Thema Sexualität als Jugendliche. Im Vorfeld ihrer Mission erleidet sie einen Missbrauch. Sie erzählt von ihrem ersten Tempelbesuch in Vorbereitung auf ihre Mission und was sie dabei empfunden hat.
In Teil zwei, geht es um ihre zunächst aufbauende Erfahrung im Vollzeit-Missionsdienst in den USA, welcher dann eine dramatische Wendung vollzog und darin mündete, dass sie nach Hause geschickt wurde. Anne arbeitet ihre traumatischen Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Ereignis auf. Dann erzählt sie, was sie für ihr heutiges Leben aus diesen ganzen Erfahrungen gelernt hat und wie sich ihre Sicht auf die Kirche und den Glauben dadurch verändert hat.

Liebe Anne (Name geändert), danke dass Du uns über Deine Erfahrungen in der Kirche erzählen wirst. Zunächst einmal: Was sind Deine Beweggründe, dieses Interview zu geben?

Nach allem, was ich erlebt habe, sehe ich Offenheit und Direktheit in Bezug auf meinen Weg als wirksamstes Mittel für einen ganzheitlichen Diskurs im HLT-Universum. Ich bin mit meinen Erfahrungen und Ansichten nicht allein und gebe deshalb einer Gruppe eine Stimme. Anne 1/2: Kindheit und Jugend, Kirche als „Schutzraum“, Sexualität und Schuldgefühle, Missionsvorbereitung, Endowment weiterlesen

Freie Diskussion: „Wohin wollen Sie gehen?“ – Elder Ballard’s Äußerung ggü. zweifelnden Mitgliedern

Elder Ballard machte in der bildschirmfoto-2016-11-06-um-11-04-33vergangenen Herbst-Generalkonferenz einen mittlerweile „berühmten“ und vielzitierten Kommentar:

„Sollte jemand von Ihnen im Glauben wanken, stelle ich Ihnen die gleiche Frage, die Petrus stellte: „Zu wem sollen [Sie] gehen?“ Wenn Sie beschließen, inaktiv zu werden oder die wiederhergestellte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu verlassen, wohin wollen Sie gehen? Was gedenken Sie zu tun?“
(Quelle: lds.org)

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Freie Diskussion: HLT-Mitglied, dann Agnostiker oder Atheist – warum verbleiben vergleichsweise wenig Ex-Mormonen in einem christlichen Weltbild?

rausgehenBei diesem Beitrag handelt es sich um eine offene Diskussion, bei der jeder Leser zur aktiven Teilnahme per Kommentarfunktion (siehe unten) eingeladen ist. Es wurden verschiedene deutschsprachige Mormonen und Ex-Mormonen Facebook Communities eingeladen. Im Folgenden wird zunächst das Thema / die Fragestellung und meine eigene Antwort präsentiert.

Fragestellung/Thema

Ein Phänomen das ich durch einige Gespräche und Beobachtungen erfahren habe ist, dass wenn HLT-Mitglieder dem Glauben ihrer Kindheit den Rücken kehren, die Mehrheit Agnostiker oder Atheisten werden. Vergleichsweise wenige verbleiben aktiv in einem christlichen Weltbild oder schließen sich einer anderen christlichen Glaubensgemeinschaft an. Freie Diskussion: HLT-Mitglied, dann Agnostiker oder Atheist – warum verbleiben vergleichsweise wenig Ex-Mormonen in einem christlichen Weltbild? weiterlesen

Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben

Patrick Mason, Author des neuen autorDeseret Book Titels Planted: Belief and Belonging in an Age of Doubt, sprach vor kurzem bei einer FairMormon-Konferenz erstaunlich authentisch über die aktuelle „Kulturkrise“ der HLT-Kirche im Umgang mit Zweifel. Er ging dabei auch auf den Brief an einen CES-Direktor, die Verantwortung der Kirche(-nkultur) für die Reaktionen zweifelnder Mitglieder und Prognosen für die Zukunft der Kirche ein. Hier die Übersetzung einiger Höhepunkte des Vortrags inkl. Zeitangaben der jeweiligen Stelle im Video: (Die Aufzeichnung selbst ist nur auf englisch vorhanden, aber ich empfehle, es komplett zu hören, denn vieles darin ist erfrischend authentisch und exzellent. Das bin ich von FairMormon-Konferenzen in letzter Zeit nicht gewohnt.)

12 Min. 6 Sek.
Der CES-Brief ist beispielhaft für diese „Alles oder Nichts“-Herangehensweise an das Thema Religion. Der Brief ist in gewisser Weise ein perfektes Spiegelbild der Version des Mormonismus auf die er reagiert. Jeremy Runnels mag den Brief geschrieben haben, aber es war eigentlich unvermeidbar, dass dies geschieht. Irgendjemand, irgendwann, irgendwo hätte diesen Brief geschrieben weil er eine offensichtliche Antwort auf einen gewissen Stil, Ton und Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben weiterlesen

Mormon Stories Interview-Runde: Als „unorthodoxes“ Mitglied aktiv in der HLT-Kirche bleiben

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Übersetzung einer englischsprachigen Interview Runde, moderiert von Dr. John Dehlin (Gründer der Open Stories Foundation und Mormon Stories), die ich mit seiner freundlichen Genehmigung ins Deutsche übersetzt habe.

Teilnehmer

  • Ph.D. Dan Wotherspoon13413029_961154687369_1018238158481698619_n (im Bild links): Aktives HLT-Mitglied, wohnhaft in Utah, Moderator / Interviewer „Mormon Matters – Podcast“
  • Ph.D. Gina Colvin: Aktives
    HLT-Mitglied aus Neuseeland, Moderatorin / Interviewerin „A Thoughtful Faith – Podcast“
  • Thomas McConkie: Wieder aktives HLT-Mitglied nach über 20 Jahren Buddhismus, Großneffe von Bruce R. McConkie, Autor des Buches „Navigating Mormon Faith Crisis: A Simple Developmental Map“

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Bestimmung von Wahrheit anhand von geistigen Gefühlen

Die wohl vorhersehbarsten Fragen, mit denen ich bisher in meiner Glaubensveränderungsphase von glaubenstreuen Mitgliedern und lokalen Kirchenführern konfrontiert wurde, lauten in etwa: „Hattest du nicht bereits ein Zeugnis bzw. eine geistige Bestätigung, dass die Kirche wahr ist?“ oder „Hast du nicht damals die Wahrheit der Kirche selbst gefühlt?“
Die Frage ob und wie man die Wahrheit oder Unwahrheit einer Kirche messen bzw. bestimmen kann ist für viele Betroffene aktueller denn je. In diesem Beitrag nun drei Rückfragen von mir an die oben erwähnten Kirchenmitglieder, die sich wundern warum Menschen wie ich auf die Methode der gefühlsbasierten Wahrheitsmessung nicht mehr vertrauen.

 

Drei Rückfragen an Kirchenmitglieder, die sich wundern warum andere nicht mehr auf die Wahrheitsmessung anhand von geistigen Gefühlen vertrauen

FRAGE NR. 1
Wenn viele Gläubige anderer Kirchen behaupten, durch geistige Gefühle die alleinige Wahrheit ihres Glaubens erfahren zu haben….wie kannst Du so genau wissen, dass Deine eigene Eingebung bezüglich Deiner Religion die richtige ist? Wie kann ich sicher gehen, dass andersgläubige Anwender der Methode mit ihrer Schlussfolgerung falsch liegen aber Du als HLT richtig?

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Julienna Viegas-Haws: Was sich progressive HLT-Mitglieder wünschen

13087381_10153690213661028_6264097720459789818_nJulienna Viegas-Haws wurde bekannt durch Beiträge im „Salt Lake Tribune“ und ihr daraus entstandenes Interview bei „Mormon Stories“. In ihrem Interview erklärte sie damals, was unter einer progressiver Glaubensausrichtung für HLTs zu verstehen ist. Ihre Mutter kommt aus dem belgischen Kongo, zog dann aber nach Belgien, wo auch Julienna ihre Kindheit erlebte. Als sie noch klein war wurde ihre Mutter HLT-Mitglied und schreibt der Kirche seither zu, ihr Leben gerettet zu haben. (Die ganze Geschichte erfährt man in ihrem Interview.) Schwester Viegas-Haws wurde sehr glaubenstreu erzogen und erfüllte eine Vollzeit-Mission am Tempelplatz in Salt Lake City, Utah. Nach einem Leben voller Hingabe an die Kirche wurde sie mit ersten eigenen Zweifeln konfrontiert als ihr Ehemann anfing grundlegende HLT-Wahrheitsbehauptungen zu hinterfragen. In der Folgezeit schrieb sie diverse Kommentar-Beiträge über HLT-Themen, in denen sie die Gedanken und Wünsche progressiver Mitglieder sehr ausführlich beschreibt, in einem dieser Beiträge sogar auf Basis einer selbst durchgeführten Umfrage. Ihre Erkenntnisse und Ergebnisse werden hier übersetzt aus relevanten Teilen ihrer englischsprachigen Artikel dargestellt. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in Texas. Ein persönlicher Austausch mit ihr im Vorfeld dieser Veröffentlichung ergab, dass sie seit kurzem nicht mehr aktiv ist, aber ihre Mitgliedschaft aufrecht erhält, weil sie auf Veränderungen hofft und ihre Stimme noch geltend machen möchte.

Obwohl es keine allgemein gültige Definition gibt, könnte man sagen dass progressive HLT-Mitglieder weniger als traditionell-gläubige Mitglieder dazu neigen an Folgendes zu glauben:

Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt

Dieser Artikel ist eine adaptierteimages Version des englischsprachigen Originals What to say to a friend who is leaving the Church von Jeff Swift.

Fast jedes Mitglied heutzutage scheint jemanden zu kennen, der darüber nachdenkt die Kirche zu verlassen oder es bereits getan hat: Vielleicht ein Freund oder Bekannter, ein Cousin, der eigene Ehepartner oder jemand anderes aus Deiner Familie (der Einfachheit halber nenne ich diese Person von nun an schlicht „Freund“). Obwohl jede Situation individuell ist, hier einige allgemeine Grundsätze die beim Gespräch helfen können.

Was man lieber NICHT sagen sollte

„Liest du denn regelmäßig in den Heiligen Schriften?“

Vermutlich denkst Du dir gar nichts Böses dabei, aber im Grunde behauptest Du damit, Dein Gegenüber sei an seinen Problemen selbst schuld. Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt weiterlesen

Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“

9075_10201312675601480_1525601198_nIch heisse Iris, wohne in der Schweiz und bin als fünftes Kind in eine Mitgliederfamilie der
HLT-Kirche hineingeboren. Ich bin alleinerziehend und mit meinen zwei Söhnen aktiv in der Kirche. Durch diverse Erfahrungen habe ich die Kirche lieben gelernt, aber sehe durch andere Eindrücke und Erlebnisse heute einige Dinge etwas anders als früher. Ich wurde vor einiger Zeit als „HLT“ („Hippie der Letzten Tage“) bezeichnet und ich denke das passt ganz gut zu mir… 😉

Kindheit und Jugend

Ich durfte eine unbeschwerte Kindheit erleben und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister das Evangelium gelehrt und wir sind stets jeden Sonntag zur Kirche gegangen. In meinen Jugendjahren begann ich vieles was die Lehren der HLT-Kirche betrifft zu hinterfragen, drei meiner Geschwister waren damals inaktiv und kamen nicht mehr zur Kirche. Ich war ein weltoffenes junges Mädchen und war gerne etwas anders als alle andern. Ich lief mit Schlaghosen herum und hörte mir die Beatles an, obwohl dies längst nicht mehr Mode war. Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“ weiterlesen