Offener Brief zur Gottesdienstgestaltung

gemeindehausLiebe Hohe Räte, Pfahlpräsidenten und Gemeindeleiter,

zunächst möchte ich betonen dass ich mit meinen Worten eine gute Absicht verfolge und niemanden vor den Kopf stoßen möchte. Ich bin jedoch auch davon überzeugt, dass Organisationen von konstruktiver Kritik profitieren können.

Heute, am Sonntagmorgen, wo ja viele HLTs die Kirchenversammlungen besuchen, möchte ich mir ganz bewusst mal die Zeit nehmen, um von zu Hause aus einen Brief an Euch zu verfassen.

Die erste Nachricht des Tages die mich heute früh morgens erreichte, war von einer Facebook-Freundin, die von ihrem Besuch der Abendmahlsversammlung in Neuseeland erzählte. Das Thema der Hohe-Rats-Botschaft dort lautete: „Der angemessene Gebrauch der sozialen Medien“. Sie empfand die dann folgende Ansprache als einen Versuch, Informationen von Mitgliedern fernzuhalten und von einer bestimmten Nutzung des Internet abzuhalten und drückte ihre Gefühle darüber folgendermaßen aus:

„Ich bin der Versuche, meine Gedanken zu kontrollieren, sehr müde geworden.“

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Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben

Patrick Mason, Author des neuen autorDeseret Book Titels Planted: Belief and Belonging in an Age of Doubt, sprach vor kurzem bei einer FairMormon-Konferenz erstaunlich authentisch über die aktuelle „Kulturkrise“ der HLT-Kirche im Umgang mit Zweifel. Er ging dabei auch auf den Brief an einen CES-Direktor, die Verantwortung der Kirche(-nkultur) für die Reaktionen zweifelnder Mitglieder und Prognosen für die Zukunft der Kirche ein. Hier die Übersetzung einiger Höhepunkte des Vortrags inkl. Zeitangaben der jeweiligen Stelle im Video: (Die Aufzeichnung selbst ist nur auf englisch vorhanden, aber ich empfehle, es komplett zu hören, denn vieles darin ist erfrischend authentisch und exzellent. Das bin ich von FairMormon-Konferenzen in letzter Zeit nicht gewohnt.)

12 Min. 6 Sek.
Der CES-Brief ist beispielhaft für diese „Alles oder Nichts“-Herangehensweise an das Thema Religion. Der Brief ist in gewisser Weise ein perfektes Spiegelbild der Version des Mormonismus auf die er reagiert. Jeremy Runnels mag den Brief geschrieben haben, aber es war eigentlich unvermeidbar, dass dies geschieht. Irgendjemand, irgendwann, irgendwo hätte diesen Brief geschrieben weil er eine offensichtliche Antwort auf einen gewissen Stil, Ton und Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben weiterlesen

Präsident Uchtdorf kommentiert Kontroverse um die Entstehung des Buches Mormon mit „Seherstein-Handy-Vergleich“

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Quelle: Facebook

Am 21. Juni 2016 veröffentlichte Präsident Dieter F. Uchtdorf auf seiner Facebook-Seite eine Aussage über Sehersteine und geht damit auf Kontroversen bzgl. der Buch Mormon Übersetzung ein. In allen HLT-bezogenen Online-Foren die mir bekannt sind und natürlich auf seiner Seite selbst wurde sein „Seherstein-Smartphone-Vergleich“ sehr intensiv kommentiert. Um eines vorweg zu sagen: Ich befürworte, dass Uchtdorf sich als Kirchenführer dieses sehr problematischen Themas annimmt. Viele Beobachter und Betroffene finden dies längst überfällig. Lange Zeit wurde die Behauptung, dass Joseph Smith im Entstehungsprozess des Buches Mormon einen „Seherstein“ in einem Hut und gar nicht direkt die Goldenen Platten oder wie manche sagen den Urim und Thummim genutzt habe, von Kirchenmitgliedern wie Kirchenführern als „antimormonische“ Lüge abgetan. Einige Individuen und ihre Beziehungen und Freundschaften mit kirchentreuen Mitgliedern sind über Auseinandersetzungen u.a. wegen dieser Thematik beschädigt worden. Das Thema ist also für HLTs wichtiger und aktueller denn je und daher hilft es wenn sich möglichst viele eine informierte Meinung darüber bilden. Um dazu beizutragen habe ich mir die Mühe gemacht, Uchtdorfs Aussage in die deutsche Sprache zu übersetzen und weiter unten werden meine Fragen und Anmerkungen zur Diskussion beigetragen. Außerdem hat jeder Leser die Möglichkeit per Kommentar eigene Fragen und Gedanken zu äußern.

Was Uchtdorf schrieb

„Vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte die Kirche Fotos und Hintergrundinformationen über Sehersteine. Verschiedene Leute haben mich seither gefragt: ‚Glauben Sie wirklich, dass Joseph Smith mit Sehersteinen übersetzt hat? Wie ist so etwas überhaupt möglich?‘ Und ich antworte: ‚Ja! Das ist genau das, was ich denke.‘ Dies geschah, wie Joseph sagte: durch die Gabe und Macht Gottes.

Eigentlich benutzen die meisten von uns jeden Tag eine Art ‚Seherstein‘. Mein Mobiltelefon ist wie ein ‚Seherstein.‘ Ich erhalte das gesammelte Wissen der Welt durch ein paar kleine Eingaben. Ich kann ein Foto oder ein Video damit aufnehmen und es mit meiner Familie auf der anderen Seite das Planeten teilen. Ich kann sogar viele verschiedene Sprachen damit übersetzen. Präsident Uchtdorf kommentiert Kontroverse um die Entstehung des Buches Mormon mit „Seherstein-Handy-Vergleich“ weiterlesen

Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt

Dieser Artikel ist eine adaptierteimages Version des englischsprachigen Originals What to say to a friend who is leaving the Church von Jeff Swift.

Fast jedes Mitglied heutzutage scheint jemanden zu kennen, der darüber nachdenkt die Kirche zu verlassen oder es bereits getan hat: Vielleicht ein Freund oder Bekannter, ein Cousin, der eigene Ehepartner oder jemand anderes aus Deiner Familie (der Einfachheit halber nenne ich diese Person von nun an schlicht „Freund“). Obwohl jede Situation individuell ist, hier einige allgemeine Grundsätze die beim Gespräch helfen können.

Was man lieber NICHT sagen sollte

„Liest du denn regelmäßig in den Heiligen Schriften?“

Vermutlich denkst Du dir gar nichts Böses dabei, aber im Grunde behauptest Du damit, Dein Gegenüber sei an seinen Problemen selbst schuld. Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt weiterlesen

Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“

9075_10201312675601480_1525601198_nIch heisse Iris, wohne in der Schweiz und bin als fünftes Kind in eine Mitgliederfamilie der
HLT-Kirche hineingeboren. Ich bin alleinerziehend und mit meinen zwei Söhnen aktiv in der Kirche. Durch diverse Erfahrungen habe ich die Kirche lieben gelernt, aber sehe durch andere Eindrücke und Erlebnisse heute einige Dinge etwas anders als früher. Ich wurde vor einiger Zeit als „HLT“ („Hippie der Letzten Tage“) bezeichnet und ich denke das passt ganz gut zu mir… 😉

Kindheit und Jugend

Ich durfte eine unbeschwerte Kindheit erleben und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister das Evangelium gelehrt und wir sind stets jeden Sonntag zur Kirche gegangen. In meinen Jugendjahren begann ich vieles was die Lehren der HLT-Kirche betrifft zu hinterfragen, drei meiner Geschwister waren damals inaktiv und kamen nicht mehr zur Kirche. Ich war ein weltoffenes junges Mädchen und war gerne etwas anders als alle andern. Ich lief mit Schlaghosen herum und hörte mir die Beatles an, obwohl dies längst nicht mehr Mode war. Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“ weiterlesen

„Book of Mormon Difficulties: A Study“ von Elder B. H. Roberts

Hintergrund

Siebziger und Kirchenhistoriker Elder B. H. Roberts war ein Pionier im offenen und mutigen Umgang mit unserer Kirchengeschichte. Er hatte heutige Probleme sehr früh vorhergesehen, welchen sich die Kirche in Bezug auf die widersprüchliche Entstehungsgeschichte des Buches Mormon gegenüber sieht: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts warnte er die Kirchenführung, dass gravierende Widersprüche in der Entstehungsgeschichte des Buches Mormon die Kirche „verfolgen“ würden und dass dadurch „der Glaube der jungen Mitglieder der Kirche unterminiert“ würde. Seine Antwort auf diese vorhergesehene Krise war eine offene Untersuchung der Themen.
1921 stellte ein gewisser Mr. Couch aus Washington, D.C. fünf kritische Fragen zum Buch Mormon betreffend der Linguistik, Historizität und der Anachronismen, die zuBrigham_Henry_Roberts2nächst an Apostel James E. Talmage gesendet wurden.[1] Dieser leitete die Fragen an Siebziger und Kirchenhistoriker B. H. Roberts weiter, der sich vornahm, sorgfältig auf die „Couch Book of Mormon questions“[2] einzugehen und zufriedenstellende Antworten zu finden.[3] Da sich die Problematik für ihn schwieriger als ursprünglich erwartet erwies, widmete er diesem Projekt eine eigene Studie. Der daraus entstandene Essay sowie weitere Essays von Roberts wurden an die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel übergeben. Erst viele Jahre nach seinem Tod wurden seine Studien nun als Studies of the Book of Mormon veröffentlicht:

„Die Probleme stellten sich für mich als schwerwiegender als ursprünglich angenommen heraus. Je mehr ich mich mit ihnen beschäftigte, desto schwieriger fiel es mir, Antworten auf die Fragen von Mr. Couch zu formulieren. Daher beschloss ich, … diesen Fragen eine eigene Studie zu widmen.“ [4]

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HLT-Anonymus: „Ich hoffe, dass jeder einen Platz hat, ungeachtet seiner Umstände, Ansichten oder Zweifel“

Ich bin Mitglied der Kirche. Mit 8 Jahren ließ ich mich taufen, 11 Jahre später ging ich auf Mission. Ich habe am Seminar- und Institutsprogramm der Kirche teilgenommen und ein starkes Zeugnis vom Evangelium und von der Kirche entwickelt. Viele meiner Freunde gehören ebenfalls der Kirche an, auch meine Frau habe ich durch die Kirche kennengelernt.

Meine Einstellung

Ich hatte noch nie Angst, Fragen über die Kirche stellen. Im Gegenteil, ich hatte keinen Zweifel daran, dass es auf jede Frage eine Antwort gab und dass man jegliche „Weisheit … von Gott erbitten“ (Jakobus 1:5) kann. Manchmal dauerte es etwas länger, aber wie bei einem Rätsel gab es eigentlich immer eine Auflösung. HLT-Anonymus: „Ich hoffe, dass jeder einen Platz hat, ungeachtet seiner Umstände, Ansichten oder Zweifel“ weiterlesen

Guido: „Obwohl ich vieles in der Kirche schätze, stehen Exklusivismus, Informationskontrolle und Verschleierung mit meinen wichtigsten Werten im Widerspruch“

GuidoKlimpelIch heiße Guido und bin in eine Mormonen-Familie im Zweig Leer (Pfahl Hamburg) als jüngstes von acht Kindern zur Welt gekommen. Von 1998-2000 war ich in der Österreich Wien Mission Vollzeit-Missionar. Danach habe ich mehrere Jahre an der BYU in Provo studiert, wo ich u.a. im Missionary Training Center gelehrt habe.
Meine persönlichen Erfahrungen mit der Kirche waren zunächst sehr positiv und dann in einer späteren Lebensphase gemischt bis negativ. Einige Mitglieder waren und sind wie Familie für mich. Ich habe bereits früh unsere Gesangbuch-Lieder schätzen gelernt und war in vielen verschiedenen Chören auf Pfahl- und Gemeindeebene aktiv, schließlich auch im überregionalen Kammerchor „Vocalis“. Ich liebe außer der Kirchenmusik viele weitere Aspekte, z.B. die gesundheitsbewusste Lebensweise, den Grundgedanken der fortdauernden Offenbarung, die ehrenamtliche Hingabe und Hilfsbereitschaft vieler Mitglieder sowie soziale Aktivitäten wie Tagungen und Tanzveranstaltungen.
Aktuell bin ich in einer Lebensphase in der mir Authentizität ungemein wichtig ist. Ich habe jedoch das Gefühl, dass in der Kirche größtenteils das Gegenteil davon vermittelt wird. Auch wurden mir durch verschiedene Erfahrungen die Augen dafür geöffnet, wie viele Menschen durch Entscheidungen der Kirchenführung unnötig leiden und für mich spricht Einiges dagegen, die Kirchenorganisation aktuell weiter zu unterstützen. Da ich mich manchen Glaubensaspekten noch verbunden fühle und bedeutungsvolle soziale Verbindungen innerhalb der Kirche habe, bleibe ich mit dem Mormonismus auf diese Weise in Berührung. Ich identifiziere mich aktuell als „progressiven Christen“ und hoffe auch, dass die Kirche sich in ihrer Glaubensinterpretation und Kultur weiterentwickeln wird. Ob Platz für Menschen wie mich darin ist und auch ob ich noch den Wunsch haben werde, Mitglied zu bleiben, muss sich für mich noch zeigen. Guido: „Obwohl ich vieles in der Kirche schätze, stehen Exklusivismus, Informationskontrolle und Verschleierung mit meinen wichtigsten Werten im Widerspruch“ weiterlesen