Papst Franziskus entschuldigt sich in historischem Interview bei der LGBT-Community

fanziskusDass mich diese tolle Nachricht an meinem Geburtstag erreicht, finde ich irgendwie schon sehr emotional. Ein besseres Geschenk hätte es nicht geben können. Auch ist es definitiv die beste Neuigkeit, die ich dieses gesamte Jahr gelesen habe. Ein historischer Moment, denn so klar wurde das von einem katholischen Kirchenoberhaupt noch nie ausgedrückt.

Heute morgen schreibt Spiegel Online:

„Auf dem Rückflug von seiner Reise nach Armenien hat sich das Kirchenoberhaupt den Fragen von Journalisten gestellt. Dabei sagte Franziskus, dass Schwule und Lesben eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die katholische Kirche verdient hätten.
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Präsident Uchtdorf kommentiert Kontroverse um die Entstehung des Buches Mormon mit „Seherstein-Handy-Vergleich“

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Quelle: Facebook

Am 21. Juni 2016 veröffentlichte Präsident Dieter F. Uchtdorf auf seiner Facebook-Seite eine Aussage über Sehersteine und geht damit auf Kontroversen bzgl. der Buch Mormon Übersetzung ein. In allen HLT-bezogenen Online-Foren die mir bekannt sind und natürlich auf seiner Seite selbst wurde sein „Seherstein-Smartphone-Vergleich“ sehr intensiv kommentiert. Um eines vorweg zu sagen: Ich befürworte, dass Uchtdorf sich als Kirchenführer dieses sehr problematischen Themas annimmt. Viele Beobachter und Betroffene finden dies längst überfällig. Lange Zeit wurde die Behauptung, dass Joseph Smith im Entstehungsprozess des Buches Mormon einen „Seherstein“ in einem Hut und gar nicht direkt die Goldenen Platten oder wie manche sagen den Urim und Thummim genutzt habe, von Kirchenmitgliedern wie Kirchenführern als „antimormonische“ Lüge abgetan. Einige Individuen und ihre Beziehungen und Freundschaften mit kirchentreuen Mitgliedern sind über Auseinandersetzungen u.a. wegen dieser Thematik beschädigt worden. Das Thema ist also für HLTs wichtiger und aktueller denn je und daher hilft es wenn sich möglichst viele eine informierte Meinung darüber bilden. Um dazu beizutragen habe ich mir die Mühe gemacht, Uchtdorfs Aussage in die deutsche Sprache zu übersetzen und weiter unten werden meine Fragen und Anmerkungen zur Diskussion beigetragen. Außerdem hat jeder Leser die Möglichkeit per Kommentar eigene Fragen und Gedanken zu äußern.

Was Uchtdorf schrieb

„Vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte die Kirche Fotos und Hintergrundinformationen über Sehersteine. Verschiedene Leute haben mich seither gefragt: ‚Glauben Sie wirklich, dass Joseph Smith mit Sehersteinen übersetzt hat? Wie ist so etwas überhaupt möglich?‘ Und ich antworte: ‚Ja! Das ist genau das, was ich denke.‘ Dies geschah, wie Joseph sagte: durch die Gabe und Macht Gottes.

Eigentlich benutzen die meisten von uns jeden Tag eine Art ‚Seherstein‘. Mein Mobiltelefon ist wie ein ‚Seherstein.‘ Ich erhalte das gesammelte Wissen der Welt durch ein paar kleine Eingaben. Ich kann ein Foto oder ein Video damit aufnehmen und es mit meiner Familie auf der anderen Seite das Planeten teilen. Ich kann sogar viele verschiedene Sprachen damit übersetzen. Präsident Uchtdorf kommentiert Kontroverse um die Entstehung des Buches Mormon mit „Seherstein-Handy-Vergleich“ weiterlesen

Julienna Viegas-Haws: Was sich progressive HLT-Mitglieder wünschen

13087381_10153690213661028_6264097720459789818_nJulienna Viegas-Haws wurde bekannt durch Beiträge im „Salt Lake Tribune“ und ihr daraus entstandenes Interview bei „Mormon Stories“. In ihrem Interview erklärte sie damals, was unter einer progressiver Glaubensausrichtung für HLTs zu verstehen ist. Ihre Mutter kommt aus dem belgischen Kongo, zog dann aber nach Belgien, wo auch Julienna ihre Kindheit erlebte. Als sie noch klein war wurde ihre Mutter HLT-Mitglied und schreibt der Kirche seither zu, ihr Leben gerettet zu haben. (Die ganze Geschichte erfährt man in ihrem Interview.) Schwester Viegas-Haws wurde sehr glaubenstreu erzogen und erfüllte eine Vollzeit-Mission am Tempelplatz in Salt Lake City, Utah. Nach einem Leben voller Hingabe an die Kirche wurde sie mit ersten eigenen Zweifeln konfrontiert als ihr Ehemann anfing grundlegende HLT-Wahrheitsbehauptungen zu hinterfragen. In der Folgezeit schrieb sie diverse Kommentar-Beiträge über HLT-Themen, in denen sie die Gedanken und Wünsche progressiver Mitglieder sehr ausführlich beschreibt, in einem dieser Beiträge sogar auf Basis einer selbst durchgeführten Umfrage. Ihre Erkenntnisse und Ergebnisse werden hier übersetzt aus relevanten Teilen ihrer englischsprachigen Artikel dargestellt. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in Texas. Ein persönlicher Austausch mit ihr im Vorfeld dieser Veröffentlichung ergab, dass sie seit kurzem nicht mehr aktiv ist, aber ihre Mitgliedschaft aufrecht erhält, weil sie auf Veränderungen hofft und ihre Stimme noch geltend machen möchte.

Obwohl es keine allgemein gültige Definition gibt, könnte man sagen dass progressive HLT-Mitglieder weniger als traditionell-gläubige Mitglieder dazu neigen an Folgendes zu glauben:

Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt

Dieser Artikel ist eine adaptierteimages Version des englischsprachigen Originals What to say to a friend who is leaving the Church von Jeff Swift.

Fast jedes Mitglied heutzutage scheint jemanden zu kennen, der darüber nachdenkt die Kirche zu verlassen oder es bereits getan hat: Vielleicht ein Freund oder Bekannter, ein Cousin, der eigene Ehepartner oder jemand anderes aus Deiner Familie (der Einfachheit halber nenne ich diese Person von nun an schlicht „Freund“). Obwohl jede Situation individuell ist, hier einige allgemeine Grundsätze die beim Gespräch helfen können.

Was man lieber NICHT sagen sollte

„Liest du denn regelmäßig in den Heiligen Schriften?“

Vermutlich denkst Du dir gar nichts Böses dabei, aber im Grunde behauptest Du damit, Dein Gegenüber sei an seinen Problemen selbst schuld. Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt weiterlesen

Apostel Dallin H. Oaks: „In der Regierung des Gottesreiches hat loyale Opposition keine Berechtigung“

Eine Aussage von Elder Dallin H. Oaks voBildschirmfoto 2016-05-30 um 19.17.04m Kollegium der Zwölf Apostel in der April-Generalkonferenz hat im Nachhinein einige Reaktionen und Diskussionen ausgelöst:

„In der heutigen Zeit scheinen die Kirche in ihrer göttlichen Mission und wir in unserem Privatleben auf immer größere Widerstände zu stoßen. Da die Kirche immer stärker wird und wir Mitglieder an Glauben und Gehorsam zunehmen, verstärkt vielleicht auch der Satan seinen Widerstand, damit es für uns auch weiterhin ‚in allen Dingen einen Gegensatz gibt‘. Mancher Widerstand kommt sogar von Mitgliedern der Kirche. Einige widersetzen sich mit eigenen Gedanken oder ihrer eigenen Weisheit prophetischem Rat und beanspruchen dafür ein Etikett, das aus der Politik stammt, nämlich das der ‚loyalen Opposition‘. Ein solches Konzept mag in einer Demokratie angebracht sein, in der Regierung des Gottesreiches aber, wo man zwar Fragen schätzt, aber keinen Widerstand, hat es keine Berechtigung (siehe Matthäus 26:24).“ Quelle: lds.org

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Sexualität und Single-Dasein – mit Integrität und Klarheit den eigenen Weg finden

Mit ihrem Beitrag auf einer Midsingle-Tagung in New York City begeisterte Dr. Jennifer Finlayson-Fife die Anwesenden. Ihre Gedanken zum Thema Sexualität für Mid-Singles sind jedoch nicht nur interessant für unverheiratete Kirchenmitglieder über 25, sondern auch für Verheiratete und Kirchenführer auf lokaler und globaler Ebene; sie vermitteln wertvolle Einblicke, wie sich Midsingles in der Kirche fühlen und welchen Herausforderungen sie sich gegenüber sehen. Jennifer Finlayson-Fife ist aktives HLT-Mitglied und Psychotherapeutin mit einem Ph.D in „Counseling Psychology“ vom Boston College, wo sie eine Dissertation über „HLT-Frauen and Sexualität“ schrieb. Sie lehrt Universitätsklassen zum Thema Sexualität und betreibt eine Privatpraxis in Chicago, wo sie mit ihrem Ehemann und drei Kindern lebt. Mit ihrer freundlichen Genehmigung wird der Artikel hier in einer von Guido beigetragenen deutschen Übersetzung veröffentlicht.

 

Als ich kürzlich einer Freundin erzählte, dass ich in NYC eine Präsentation zum Thema Singles und Sexualität abhalten würde, lächelte sie und fragte mich: „Gibt es Überschneidungen zwischen diesen beiden Themen? Worüber, um alles in der Welt, wirst du eigentlich reden?” Was an ihrer Frage gewiss skurril ist: sie enthüllt ein tief sitzendes Verlangen unter uns – besonders unter denen von uns, die verheiratet sind – so zu tun, als existiere die Sexualität von als Single lebenden Mormonen nicht oder solle nicht existieren, wenn man „richtig” lebt.

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„Book of Mormon Difficulties: A Study“ von Elder B. H. Roberts

Hintergrund

Siebziger und Kirchenhistoriker Elder B. H. Roberts war ein Pionier im offenen und mutigen Umgang mit unserer Kirchengeschichte. Er hatte heutige Probleme sehr früh vorhergesehen, welchen sich die Kirche in Bezug auf die widersprüchliche Entstehungsgeschichte des Buches Mormon gegenüber sieht: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts warnte er die Kirchenführung, dass gravierende Widersprüche in der Entstehungsgeschichte des Buches Mormon die Kirche „verfolgen“ würden und dass dadurch „der Glaube der jungen Mitglieder der Kirche unterminiert“ würde. Seine Antwort auf diese vorhergesehene Krise war eine offene Untersuchung der Themen.
1921 stellte ein gewisser Mr. Couch aus Washington, D.C. fünf kritische Fragen zum Buch Mormon betreffend der Linguistik, Historizität und der Anachronismen, die zuBrigham_Henry_Roberts2nächst an Apostel James E. Talmage gesendet wurden.[1] Dieser leitete die Fragen an Siebziger und Kirchenhistoriker B. H. Roberts weiter, der sich vornahm, sorgfältig auf die „Couch Book of Mormon questions“[2] einzugehen und zufriedenstellende Antworten zu finden.[3] Da sich die Problematik für ihn schwieriger als ursprünglich erwartet erwies, widmete er diesem Projekt eine eigene Studie. Der daraus entstandene Essay sowie weitere Essays von Roberts wurden an die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel übergeben. Erst viele Jahre nach seinem Tod wurden seine Studien nun als Studies of the Book of Mormon veröffentlicht:

„Die Probleme stellten sich für mich als schwerwiegender als ursprünglich angenommen heraus. Je mehr ich mich mit ihnen beschäftigte, desto schwieriger fiel es mir, Antworten auf die Fragen von Mr. Couch zu formulieren. Daher beschloss ich, … diesen Fragen eine eigene Studie zu widmen.“ [4]

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Reaktion eines homosexuellen Kirchenmitgliedes auf Elder Bednar

Heute postete ein homosexuelles Kirchenmitglied, Bruder Tyler Glenn eine Reaktion auf die Aussage von Elder David A. Bednar: „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“. Die Reaktion kam offensichtlich kurz nachdem er das Video von Elder Bednar gesehen hatte.
Tyler ist Lead-Sänger der Band Neon Trees. Er hat verschiedene Lieder unter Anderem auch auf Veranstaltungen für Kirchenmitglieder gesungen. Eine Frage zum Nachdenken: Wie viel Schmerz verursachen wir mit solchen Aussagen bei unseren Schwestern und Brüdern?
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Elder David A. Bednar: „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“

Das Statement von Elder Bednar „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“, das er in einem Frage-und-Antwort Forum am 23. Februar in Lateinamerika äußerte, hat seit dem 1. März 2016 im Internet und den soziale Netzen ein Erdbeben ausgelöst – man höre und staune: sogar in der deutschsprachigen Mormonen-Welt!

Beim Anschauen des Videos war ich – sicherlich zusammen mit einigen Anderen – zunächst perplex.

Ich lernte von Elder Bednar, dass es keine „homosexuellen Mitglieder“ gibt, da Homosexualität nicht die Identität eines Menschen bestimmt, sondern, dass sie eine Art „Herausforderung“ im Fleische darstellt, eine Schwäche, die wie so viele andere Schwächen überwunden bzw. ertragen werden kann. Er fügt hinzu, dass man sich eben nicht über eine Schwäche definiert, sondern dass alle Menschen einfach nur „Kinder Gottes“ sind, und nicht „Homosexuelle“.

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Audio: „The Challenges of Modern Mormonism“

John Dehlin sprach auf der Sunstone Konferenz über die aktuellen Herausforderungen der Kirche und erörtert dabei auch die Lage der Kirche in Europa.

Er geht zunächst auf seine europäische Herkunft und sein Aufwachsen in der Kirche ein. Nachdem er sehr viele positive Erinnerungen auflistet, leitet er über zu den Herausforderungen und erklärt, warum er glaubt, dass Entwicklungen der Kirche in Europa signifikant für den Rest der Welt sind. Am Ende beantwortet er einige Fragen der Zuhörer. (Hinweis: Leider ist insbesondere bei den Fragen und Kommentaren der Zuhörer die Audio-Qualität nicht optimal.)

Diese Aufnahme wurde zur Veröffentlichung freigegeben von Lindsay Hansen Park von der Sunstone Education Foundation. Ich empfehle das Magazin von Sunstone und freue mich, dass Sunstone nach Europa gekommen ist und vielleicht, wie John Dehlin in seinem Vortrag erwähnt, auch im nächsten Jahr nach Deutschland kommt.