Zweckerklärung

openfaith ist für Menschen, die mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Spitzname: Mormonen) selbst oder über Verwandte/Freunde in Berührung stehen und die eine tiefergehende Beschäftigung damit nicht scheuen. Die von Joseph Smith im Jahr 1830 gegründete Glaubensbewegung birgt nach wie vor eine riesige Faszination. Sie bietet über 50.000 Menschen im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) ein religiöses Zuhause.
Obwohl einigen Mitgliedern oberflächlich gesehen „alles wohl in Zion“ zu sein scheint, gibt es in Bezug auf den Glauben zahlreiche ungeklärte Fragen, Schwierigkeiten, Konflikte und Krisen, die sowohl individuell als auch kollektiv Kirchenmitglieder oder ihre Verwandten und Freunde betreffen.
Weil Schweigen bzw. Schönreden keine Konflikte löst, keine Wunden heilt und keine Fragen beantwortet, wird hier auch über schwierige Themen und  Erfahrungen gesprochen. openfaith vertritt eine progressive Ausrichtung: Offene Gespräche werden nicht als Risiko, sondern als Chance für Heilung und Weiterentwicklung gesehen. Folgende sieben Grundprinzipien gelten als Basis:

  1. Offenheit wagen
    Offenheit ist wertvoll – sie kann Heilung und Wachstum bewirken. Ehrlich mit uns selbst zu sein ist eine Voraussetzung für die erfolgreiche Navigation unseres individuellen Glaubens- und Lebensweges. Das betrifft aber nicht nur positive Wahrnehmungen, denn ALLE unsere Wahrnehmungen haben Bedeutung. Wenn wir in Bezug auf die Kirche ungelöste Schwierigkeiten, Fragen und Zweifel mit uns herumtragen, kann es hilfreich sein wenn wir im geeigneten Kontext offen darüber sprechen lernen. Für all das will openfaith eine Plattform bieten.
  2. Unvoreingenommen prüfen
    Wahrheit sollte akzeptiert werden, egal woher sie kommt. Unvoreingenommenes individuelles Denken sollte gefördert werden.
  3. Transparenz fördern
    Solange eine Kirche der Welt offiziell nicht nur religiöse „Glaubenssätze“ und eine Lebensweise lehrt, sondern auf historisch-wissenschaftlich relevanten Aussagen eine exklusive Wahrheit begründet, muss man damit rechnen dass diese Aussagen überprüft werden. Durch die breite Verfügbarkeit neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Informationen im Internet gibt es mittlerweile viele Mormonen welche die traditionell gelehrte Kirchengeschichte anzweifeln.
    Solange wegen Differenzen bzgl. dieser Themen Familien und wertvolle zwischenmenschliche Beziehungen beeinflusst und potenziell beschädigt werden, ergibt sich daraus eine immense Relevanz, denn es geht nun plötzlich nicht mehr um Wissenschaft oder Kirchengeschichte, sondern die eigenen Beziehungen zu Familie und Freunden. Daher sollten wahrheitsgetreue neue Informationen proaktiv vermittelt und Widersprüche offen behandelt werden, auch wenn die traditionelle Kirchenkultur dabei möglicherweise weniger gut wegkommt. Das Wohlergehen des Individuums und von Familien muss Vorrang vor den Bedürfnissen einer „LDS Corporation“ haben.
  4. Gemeinschaft pflegen
    Mitglieder die in Bezug auf ihr Kirchenleben Schwierigkeiten erfahren, haben ein starkes Bedürfnis nach vertrauensvollen Gesprächen und Gemeinschaft mit Glaubensverwandten. In einigen Fällen erleben sie jedoch das genaue Gegenteil von liebevollem Umgang: Manche „treugläubige“ Gemeindemitglieder, Verwandte und Freunde halten sie für „gefährlich“ und brechen möglicherweise den Kontakt ab. Wer Zweifel und Kritik verbalisiert muss leider häufig mit Benachteiligung, Ausgrenzung oder sogar kirchendisziplinarischen Maßnahmen rechnen. Es wäre sowohl gesünder als auch „christlicher“, sich mit den Menschen liebevoll und vorurteilsfrei auseinanderzusetzen und alle gleich zu behandeln. So lange es in der Kirche keinen „sicheren Raum“ für solche Offenheit gibt, will openfaith ihn schaffen.
  5. Vielfalt wertschätzen
    Jeder Mensch ist völlig einzigartig – unser Glaube wird durch eine Vielzahl völlig individueller Faktoren beeinflusst und geformt. Desweiteren befinden sich Mitglieder in unterschiedlichen Glaubensentwicklungsphasen. Die resultierende Vielfalt ist wertvoll und wir sollten von ihr profitieren, anstatt sie zu bekämpfen. Die von manchen wohlmeinenden Führern angestrebte Gleichschaltung von Meinungen und Glaubensinterpretationen kann aus Sicht von openfaith nicht nur schädlich für das Individuum, sondern auch für die Organisation als Ganzes sein.
  6. Respekt wahren
    Ohne Respekt sind Glaubensgespräche destruktiv und können zu Frustration und Spaltung führen. Respekt ist jedoch nicht gleichzusetzen mit unreflektierter Zustimmung. openfaith möchte eine Diskussionskultur schaffen, in der jegliche authentische Gedanken und Gefühle (auch Zweifel) als gesunde Bestandteile des individuellen Strebens nach Fortschritt respektiert werden.
  7. Impulse geben
    Eine Glaubensgemeinschaft darf und sollte ihre Theologie und ihre Kultur kontinuierlich weiterentwickeln. Die Inklusion schwarzer Mitglieder zeigt, dass dies möglich und hilfreich ist, denn kaum einer von uns würde die Kirche in Betracht ziehen, wenn sie sich heute nicht offiziell von rassistischen Lehren der Vergangenheit distanziert hätte. Auch in anderen Bereichen sind Weiterentwicklung und zusätzliche Erkenntnis möglich. Kritische Fragen können ein Beschleuniger für Fortschritt sein.

Alle sind eingeladen, Feedback zu geben, ihre eigenen Kommentare zu hinterlassen und Teil unserer Facebook-Gruppe zu werden. Diese schafft auf verschiedene Art einen Ausgangspunkt für offene Gespräche über Glaubensthemen. Nicht nur Betroffene, sondern auch HLT-Führungskräfte sind eingeladen, denn wir wünschen uns offene, aber möglichst respektvollen Diskurs. Wir freuen uns auf Deine Beitrittsanfrage.