Danke, Elder Uchtdorf!

Lieber Elder Uchtdorf,

vielen Dank für Ihren Einsatz für mehr Transparenz, Offenheit, Inklusivität und Menschlichkeit in der mormonischen Kirchenkultur. Auch ich werde Sie – wie viele andere Glaubensgeschwister – schmerzlich in der obersten Führungsriege vermissen.

Wenn ich mir Ihre Ansprachen anhörte, freute ich mich, weil sie Menschen zusammenführten statt zu spalten – weil sie eine vorbehaltlose Liebe repräsentierten. Eine solche Liebe empfinde ich als göttlich und sie ist das heiligste und schönste, das Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft demonstrieren und in die Tat umsetzen können.

Ich bewundere, mit welcher Geduld und Ausdauer Sie in einer Organisation wirken, deren restliche Führung Ihre Impulse nicht so zu schätzen scheint wie viele Mitglieder. Es ist ebenfalls interessant, dass zum zweiten Mal in der Kirchengeschichte ein internationaler Ratgeber des Präsidenten den Stuhl räumen muss.

Wie Ihr kanadischer Amtskollege Hugh B. Brown, der sich für die längst überfällige Inklusion der Schwarzen einsetzte, müssen auch Sie nun ungewöhnlicherweise Ihren Stuhl in der Ersten Präsidentschaft räumen. Warum eigentlich?

In meinen Augen haben Sie das getan, was Christus getan hätte: Mit versöhnlichen Tönen Frieden stiften zwischen Kindern Gottes, die unterschiedlliche Hintergründe, kulturelle Ursprünge, kirchenpolitische Ansichten, sexuelle Neigungen und Lebenssituationen haben. Damit haben Sie auch Familienmitglieder mit divergierenden Hintergründen vereint und näher zusammen gebracht. Und nicht nur das: Sie haben mit diesem Fokus wie Christus auf das Schicksal der „Geringsten unter uns“ aufmerksam gemacht – nämlich die Menschen, die am Rande stehen in der Kirchenwelt.

Ich ende mit einem Zitat aus der englischen Wikipedia zur Absetzung von Hugh B. Brown. Für mich stehen Sie diesem Helden der mormonischen Kirchengeschichte in nichts nach. Er war wie Sie, seiner Zeit und seinen Kollegen in gewissen Fragen etwas voraus. Das wurde ihm zum Verhängnis: (so lese ich die Geschichte)

„As an apostle and a member of the First Presidency, Brown favored rescinding the LDS Church’s restriction on people of black African descent holding the priesthood. He expected this change to take place in 1969, but the move was reportedly blocked by apostle Harold B. Lee.[8] The change ultimately occurred in 1978, three years after Brown’s death.

After McKay died on January 18, 1970, Brown was not retained as a counselor in the First Presidency by new church president Joseph Fielding Smith. Never before in the twentieth century had a new president of the church not called a surviving member of the previous First Presidency as a counselor. This unusual move was possibly due to Brown’s support for allowing blacks to have the right to the priesthood and the fact that Brown had questioned if Smith should be appointed president due to his advanced age and poor health.[9] Brown returned as a member of the Quorum of the Twelve Apostles, where he remained until his death.“

Einen brüderlichen Gruß aus dem Pfahl Heidelberg,

Guido Müller

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Irma Franz, Gemeinde Saarbrücken
Gast
Irma Franz, Gemeinde Saarbrücken
4 Monate 24 Tage her

Darüber bin ich auch sehr traurig. Ein Ratgeber der ersten Präsidentschaft mit den Eigenschaften von Jesus Christus, Liebe, Toleranz und großem Glauben und Wissen nicht mehr als wichtigen Menschen in der ersten Präsidentschaft zu haben, schmerzt!!!
Uns erwartet jetzt wohl eine recht konservative Einstellung der Präsidentschaft. Schade.

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