Diskussion: HLT-Mütter, die dem Vater den Kontakt zu den gemeinsamen Kindern erschweren?

Die folgende Diskussion nahm ihren Anfang in unserer Facebook-Gruppe, mit folgender Aussage von Guido Müller:

Hallo liebe Freunde, ich bin sehr dankbar Menschen in meinem Leben zu haben, mit denen ich hin und wieder mal „Outside-the-box“ denken darf….aber auch mal etwas loswerden kann, das mich belastet!

Mein Herz ist SEHR schwer, wenn ich Euch über diese Erfahrung schreibe:

Ich habe in den letzten Monaten und Jahren von SO VIELEN meiner engsten Freunde und Bekannten in der Kirche gehört, dass die Frau/Ex-Frau ihnen den Zugang zu den gemeinsamen Kindern erschwert. In manchen Fällen wird der Zugang sogar komplett verwehrt.

Bin der Meinung dass wenn man einen Menschen nach den Gründen fragt, warum das so ist, man selten die ganze Wahrheit zu hören bekommt – selbst wenn es sich um enge Freunde handelt – insbesondere weil manche Themen schambehaftet sind.

Was ich allerdings ziemlich genau weiß, ist, dass diese erwähnten Freunde und Bekannten weder gewalttätig waren noch dass sie Pädophile oder Kinderschänder sind.

Das einzige was ich rausgefunden habe ist, dass vielleicht mal Pornographie im Spiel war, in einem Fall stellte sich dann während der Ehe raus, dass der Mann LGBT ist und dies wirklich ein Problem für die Beziehung wird, in einem anderen Fall dass Zweifel an der Kirche aufkamen oder die Kirche verlassen wurde.

Einer meiner Bekannten erzählte mir, dass seine Frau aus der FHV dabei unterstützt wurde, ihn zu verlassen und ihm die Kinder vorzuenthalten. Bei Mormon Stories gab es einen zweifelnden Pfahlpräsidenten / Gebietssiebziger, bei dem die Einmischung eines Apostels derart wirkte, dass sich seine Frau und Kinder komplett von ihm distanzierten.

Ja, ich weiß, dass es total schwierig ist, solche Situationen von außen zu betrachten geschweige denn adäquat zu beurteilen.

Vielleicht treffen mich solche Sachen auch besonders hart, weil ich selbst ständig Angst habe, meine Ex-Frau aus Utah könnte mir den Zugang zu meinem Sohn (der bei ihr und ihrem neuen Mann in Orem aufwächst) erschweren, wenn sie rausfindet wie weit ich mich von meiner früheren „standardisierten“ HLT-Denkweise distanziert habe.

ABER FOLGENDES KANN ICH MIT SICHERHEIT SAGEN:

Einige Dinge, die Du bei Deinem Partner entdeckst, sind ABSOLUT KEIN GRUND, ihm den Zugang zu den Kindern zu erschweren:

… wenn er nicht mehr an die Kirche glaubt

…wenn er homosexuell ist, aber sich das erst während Eurer Ehe als Problem für Eure Beziehung herausgestellt hat

..wenn er transsexuell oder sonst irgendwie LGBTQ ist, aber sich das erst während Eurer Ehe als Problem materialisiert hat

…wenn er sich Pornographie anschaut

…wenn er nicht Familiengebet, Familienschriftstudium oder Familienheimabend machen möchte

…etc.

JEMANDEN DAS KIND VORZUENTHALTEN, ist mit das SCHLIMMSTE, das man einem Menschen antun kann. Und wenn man dies tut, darf es NUR UND EINZIG um die SICHERHEIT des Kindes gehen. Um das Kind vor REALER Gewalt oder Missbrauch zu schützen.

Sollten Deine religiösen Ängste und Vorstellungen Einfluss auf Deine Entscheidung nehmen, das Kind vorzuenthalten, dann sollte man das sehr kritisch betrachten, denn Religionen schüren viele viele Ängste.

NACHWEISLICH SCHÄDIGEND ist es aber, wenn ein Kind seinen Vater entrissen bekommt oder für den Vater, der sein Kind nicht sehen kann. Ich sehe den Schaden ständig, den dies verursacht. Träume, Hoffnungen und manchmal ein ganzes Leben wird dauerhaft zerstört.

Ich könnte SCHREIEN wenn mir wieder ein Fall berichtet wird, wo ein streng-orthodoxer Hardliner Bischof, eine wohlmeinende FHV-Leiterin oder (ganz schlimm) ein Gemeinderat!!!, solche Aktionen unterstützt.

JA, ich bin mir sicher dass dies nicht die Regel in den Gemeinden ist. JA, ich weiss dass es viele HLT-Schwestern gibt, die vorbildlich, offen und bedacht agieren und den Kontakt zum Vater fördern.

Aber jeder Fall wo dies vorkommt, ist einer zu viel.

Wir sprechen so viel über WÜRDIGKEIT in der Kirche. Würdigkeit, das Abendmahl zu nehmen. Würdigkeit, in den Tempel zu gehen. etc. etc. Ihr wisst glaube ich, wie ich zu diesem WÜRDIGKEITSKULT stehe.

Vielleicht sollte man aber mal darüber nachdenken, für wie WÜRDIG man sich selbst halten darf, wenn man ohne triftigen Grund Kindern den Zugang zu ihrem Vater verwehrt. Und dem Vater das Leben zerstört, indem man den Kindern Angst vor ihm macht oder dem Kontakt Steine in den Weg legt.

Ihr merkt, dieses Thema bewegt mich sehr tief. Und ich bin überzeugt, dass man bei 90 % aller, die leichtfertig als „Anti-Mormonen“ betitelt werden, folgendes feststellen wird: ungesunde HLT-Dogmatik führt dazu, dass dieser Person Familie verlorengegangen ist oder dass das Familienverhältnis dauerhaft dadurch gestört wird. So ist zumindest meine Erfahrung. Und glaubt mir: In meiner Funktion als Moderator so einer Gesprächsgruppe höre ich SEHR VIELE Geschichten.

Bevor Ihr HLTs in dieser Gruppe das nächste Mal jemanden als Anti-Mormonen bezeichnet, fragt ihn mal wie sich die Kirche auf dessen Familienbeziehungen ausgewirkt hat…

Vielleicht führt es sogar zu mehr Nähe, Nächstenliebe und Verständnis, wenn man versucht, diesen Menschen als jemanden zu sehen, der FÜR DIE EIGENE FAMILIE kämpft, als jemand der GEGEN DIE KIRCHE kämpft?

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Mirjam
Mirjam

Lieber Guido, zunächst tut es mir leid, dass dich das Thema so aufgewühlt. Es ist ein schwieriges und super sensibles Thema. Ich hoffe, ich kann einen gerechten und guten Beitrag dazu geben… Ein Kind braucht und liebt beide Elternteile (egal was sie ihnen antun). Ich finde es wichtig, dass bei Trennung der Kontakt zu beiden bleibt und das Kind erfährt, dass die Eltern an ihm interessiert sind und ihre Verantwortung behalten – auch wenn die sie sich nicht mehr lieben. Wir hatten in unserer Familie so einen Fall. Das Jugendamt (mein Arbeitgeber) ist immer daran interessiert, dass das Kind Kontakt zu Beiden hat. Gibt es Probleme, die dem Kindeswohl gefährden könnten, dann gibt es die Möglichkeit für einen sogenannten „betreuten Umgang“. Zunächst ist bei der Begegnung zwischen Elternteil und Kind eine weitere Person (kann auch Familienmitglied sein) dabei. Könnte ja auch ein Treffen in Gemeindehaus mit einer Person des Vertrauens sein… Ich finde, dass die Kirche allzu oft ihre eigenen Regeln aufstellt und danach handelt. Stattdessen sollten sie sich mehr mit anderen Institutionen (wie z.b Jugendamt, Lebenshilfe, Ärzte) verbinden. Wenn es nicht nur um Trennung geht: Seien wir ehrlich… Es gibt auch wirklich (und nicht nur in der HLT Kirche) viele furchtbare Übergriffe. Sexueller Missbrauch, körperlicher und seelischer Missbrauch…. Alles da! Wir wollen uns das oft nicht ausmalen und schon gar nicht wahrhaben. In so einem Fall will und muss man den Täter erstmal ganz weit weg schicken und sich um das Opfer kümmern. All diese Geschichten haben aber zwei… Weiterlesen »

Sven
Sven

Das Problem gibt es auch außerhalb der Kirche – ziemlich schlimm. Das Konstrukt Kirche wird dann zusätzlich noch zur Rechtfertigung missbraucht. Die Angst vor schädlichem Einfluss ist enorm. Da wünschte ich mir auch mehr Training und Aufklärung für Bischöfe usw.

Guido
Guido

Klar gibt es das auch ausserhalb…und man muss sagen: es geht ja sicher auch andersrum: Frau schränkt Kontakt des Mannes zu den Kindern ein, weil dieser sich für eine Religion entschieden hat, die sie als Sekte sieht…solche Fälle gibt es auch….und in jedem dieser Fälle wurde etwas grundlegendes falsch verstanden aus meiner sicht..