„Wenn ich der Kirche zustimmen würde, dass ich meinen Kompass verloren habe, wäre mein geistiges Leben tot“

Sitzt Ihr manchmal vor Eurem Computer und Euch stehen urplötzlich Tränen in den Augen?

Mir heute morgen um ca. 5:30 Uhr passiert, als ich diese Aussage las:

+++Übersetzter Text+++
Wenn ich der Kirche zustimmen würde, dass ich meinen Kompass verloren habe, wäre mein geistiges Leben tot. Wenn ich jetzt anfange zu glauben, dass mein geistiger Prozess mich falsch führt, wie könnte ich dann jemals wieder dem Wirken des Geistes vertrauen? Und wie könnte ich all dem vertrauen, was der Geist mich bisher gelehrt hat? Wenn ich zustimmen würde, dass ich der spirituellen Führung unwürdig bin, weil ich mit einem Mann ausgehe, warum sollte ich mich jemals wieder bemühen, zu beten und Klarheit über die Probleme meines Lebens zu suchen?Die einfachen Fakten sind, dass ich schwul bin, dass ich mit einem Mann zusammen bin, dass ich ein sehr reiches spirituelles Leben habe und dass ich Gottes Führung und Anerkennung spüre. Gott, so sehe ich jetzt, ist größer, liebevoller und weniger ein „Anseher der Person“ als das, was mir in der Kirche gelehrt wurde.Meine Botschaft an LGBTQ-Indidivuen ist zweigeteilt. Erstens, erlaube keiner religiösen Körperschaft oder Autorität, die Parameter Deiner Beziehung zu Gott zu definieren. Möge Gott das direkt mit dir definieren. Und zweitens, Gott ist wirklich da. Du bist nicht vom Himmel verlassen worden, auch wenn du dich von deiner Gemeinschaft verlassen fühlst. Gott wartet auf dich und sehnt sich danach, dass du alle Segnungen erhältst, die für dich bestimmt sind.+++Übersetzung Ende+++

+++Englisches Original+++
Were I to agree with the Church that I have lost my way, my spiritual life would be dead. If I choose to believe now that my spiritual process is leading me wrongly, how could I ever again trust the workings of the Spirit? And how could I trust all that the Spirit has heretofore taught me? Furthermore, if I were to agree that because I am dating a man I am unworthy of spiritual guidance, why would I ever again bother to pray and seek clarity regarding the dilemmas of my life?The simple facts are that I am gay, I’m dating a man, I have a very rich spiritual life, and I feel God’s guidance and approbation. God, I now see, is bigger, more loving, and less of a “respecter of persons” than what I was taught at church.My message to LGBTQ people is two-fold. First, don’t allow any religious body or authority to define the parameters of your relationship to God. Let God define that with you. And second, God truly is there. You have not been abandoned by heaven even if you feel abandoned by your church. God waits for you, longing for you to receive all the blessings designed for you.
+++Englisches Original Ende+++

Quelle: https://affirmation.org/spiritual-life-gay-man-personal-revelation/

Warum mich das so bewegt hat, obwohl ich selbst gar nicht gay bin, ist glaube folgendes:
In unserer Kirchenkultur wird nicht nur homosexuellen Paaren eine effektive Verbindung zu Gott abgesprochen, sondern VIELEN ANDEREN INDIVIDUEN, die nicht der WÜRDIGKEITSNORM entsprechen….im Sein, im Aussehen, im Reden, im Denken…das ist spirituelle Nötigung par excellence im Sinne von LuB 121.

Habe in abgewandelter Form genau das Gleiche erlebt und ich möchte jeden der das durchgemacht hat und eine Beziehung zu Gott haben will, ermutigen, stark zu sein und Euch nicht einreden zu lassen, dass Gott die „Verbindungsqualität“ runterschrauben würde, nur weil Ihr aus Sicht einer Organisation zu anders seid.

Ich habe eine Bitte an alle HLT die das hier lesen:

Bevor Ihr die kirchenkulturelle Auffassung weitertragt, dass jemand nicht des Heiligen Geistes und seiner Führung „würdig“ ist, denkt an die drei Siebe des Sokrates.

Dieses Gleichnis habe ich als Kind und Jugendlicher häufig in der Abendmahlsversammlung gehört…Ihr auch? Vielleicht passt es auch in diesem Kontext hier:

++++
Einst wandelte Sokrates durch die Strassen von Athen. Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu. „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der…“ „Warte einmal, „unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“ fragte der Mann überrascht. „Lass es uns ausprobieren,“ schlug Sokrates vor. „Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“ „Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil….“ „Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“
+++

Stangl, W. (2019). Die drei Siebe des Sokrates – Wahrheit – Güte – Notwendigkeit. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/die-drei-siebe-des-sokrates-wahrheit-gute-notwendigkeit/ (2019-10-04).

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„Wenn ich der Kirche zustimmen würde, dass ich meinen Kompass verloren habe, wäre mein geistiges Leben tot. Wenn ich jetzt anfange zu glauben, dass mein geistiger Prozess mich falsch führt, wie könnte ich dann jemals wieder dem Wirken des Geistes vertrauen? Und wie könnte ich all dem vertrauen, was der Geist mich bisher gelehrt hat? Wenn ich zustimmen würde, dass ich der spirituellen Führung unwürdig bin, weil ich mit einem Mann ausgehe, warum sollte ich mich jemals wieder bemühen, zu beten und Klarheit über die Probleme meines Lebens zu suchen?“
Dieses Zitat begleitet mich seitdem ständig, weil es das ausdrückt, was ich mich seit langem ständig frage und mit einigen vertrauten Mitgliedern teile diskutiere. Was ist tatsächlich, wenn ich die die Aussagen der Kirche in Bezug auf Eigenständigkeit und Verantwortung für mich selbst ernst nehme, aber die Antworten, die ich erhalte, nicht der jetzigen Lehrmeinungen der Kirche entsprechen. Was dann?
Dieser junge Mann hat es sehr treffend formuliert, besser als ich es je könnte.