Dr. Julie Hanks: „HLT-Bischöfe sind keine Therapeuten“

Die Bischöfe der Heiligen der Letzten Tage sind keine Therapeuten. Meiner Erfahrung nach müssen Bischöfe, gerade wenn es um Missbrauch geht, weniger beraten und mehr auf die Experten zurückgreifen. Sie sind der geistliche Leiter einer Gemeinde, aber sie sind normalerweise kein Experte auf bestimmten Gebieten. Missbrauch ist kein geistiges Problem – es ist ein Verbrechen.

In meiner Arbeit mit Frauen in privater Praxis habe ich Geschichten von HLT-Frauen gehört, die beraten werden, bei ihrem Ehepartner zu bleiben, auch wenn Missbrauch vorliegt. Was Frauen hören müssen, ist, dass man ihnen glaubt, stattdessen wird der Missbrauch oft bagatellisiert, und es ist eine Frage, wessen Erzählung ein Bischof mehr Gewicht beimisst.
Insbesondere Frauen befinden sich diesbezüglich in einer Geschlechterdynamik, die gegen sie arbeitet. Bischöfe sind Männer, also ist es wahrscheinlich, dass sie mit dem Ehemann vertraut sind, möglicherweise enge Freunde. Es ist auch wahrscheinlich, dass der Ehemann die Anschuldigung abstreitet.

– Dr. Julie Hanks, HLT-Mitglied, Mutter, Therapeutin

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Claudia
Claudia

Ich kann jedem nur abraten mit so einer Sache zum Bischof zu gehen. Und die Kirche ist in der Pflicht das auch zu untersagen. So gut gemeint mancher Rat von den Führern auch gemeint ist, sie sind dafür nicht ausgebildet und verkennen die Auswirkungen ihrer oft unbedachten Worte. Dadurch laden sie oftmals eine Schuld auf sich, derer sie sich nicht einmal bewusst sind. Ich warte auf den Tag an dem Opfer vor Gericht gehen und die Kirche gleich mitanklagen, da ich befürchte nur dann wird sich was ändern.

Naomi
Naomi

Wenn ich Missbrauch erfahren würde, wäre meine letzte Adresse, wo ich hingehen würde zum Bischof oder einem anderen Kirchenführer. So etwas gehört zur Polizei und in die Gerichtsmedizin um Beweise zu sichern. Ich habe nie verstanden, wie Bischöfe jemandem raten können, beim Partner zu bleiben, wenn eindeutig Missbrauch vorliegt. Missbrauch ist ein Verbrechen!!!

Martin
Martin

Ja Missbrauch ist eine Seite, allerdings hatte ich auch eine sehr unfeine Erfahrung wenn es um das Thema Homosexualität geht. Zu meinem Gespräch mit dem Pfahlpres. damals hat er nur 2 Schriftstellen aus dem NT gehabt und als ich ihn dann verwirrt anschaute und fragte ob er glaube das meine Homosexualität vom Ungehorsam gegen meine Eltern kommt und ob das sein „lösungsvorschlag“ sein soll.?? Das Disziplinarverfahren war eine klischeeschlacht und jedes Stereotye und teils Aberwitzige Vorstellung krönten das ganze… echt peinlich.

Ich stimme den Stimmen zu, die dazu raten, solche Angelegenheiten überhaupt nicht erst mit dem Bishop zu besprechen. A) Die haben so oder so viel zu viel zu tun als ehrenamtliche. B) Sind sie für so was nicht ausgebildet und können auch wenig Hilfe geben.
Einfach einen Therapeuten bzw Polizei aufsuchen und beim Bishop allgemeinen Rat für eine Lebenskrise holen (Ohne Details oder irgendeine INfo raus zu hauen)

Mel.
Mel.

Ich habe beide Erfahrungen gemacht: Ich hatte ein Problem, dass jahrelang immer wieder auftauchte und mich sehr belastete, ohne zu wissen was eigentlich der Auslöser war. Ich habe mit meinem Bischof darüber gesprochen und der Rat den er mir gab war leider kontraproduktiv. Nach meinem Umzug probierte ich es bei meinem neuen Bischof noch mal und siehe da: Er hat ernsthaft zugehört, mir gesagt, dass er nicht weiß was da los ist, er aber nachvollziehen kann was ich ihm da erzähle und mir einen Therapeuten vermittelt (in der Kirche, darauf kam es nicht an, aber den kannte er nun mal, so kam es zum schnellen Termin und es hat das Gespräch sehr vereinfacht). Schon nach der ersten Sitzung hatte das Kind einen Namen, bald darauf war auch der Auslöser gefunden und später auch ein Weg, damit so umzugehen dass es keinen allzu großen „Problemplatz“ mehr in meinem Leben hat, alleine schon weil es „entlarvt“ ist. Da hat Bischof Nr. 2 alles richtig gemacht. Hat übrigens auch nachgefragt etc. war also wirklich an mir als Mensch interessiert. Solche Geschichten gehören meiner Meinung nach mehr in den Liahona, die Zeugnisversammlung etc. damit sich beide Seiten trauen, sich auf Hilfe von außen und neue Sichtweisen einzulassen, statt selbst mit dem begrenzten Set das die Kirche bietet alle Probleme lösen zu wollen.

Guido
Guido

Ich finde es gut, auch den Faktor Überlastung bei den Bischöfen einzubeziehen. Es ist total kontraproduktiv für JEDEN Beteiligten, dass wir Bischöfen aufgrund ihres Amtes eine Art „Universalkompetenz“ zumuten. (Man denke auch an die Familie…die Ehefrau, die Kinder, etc.) Leider war es bei meinem Bischof halt so, dass er sich diese aktiv selbst zuschrieb.
wenn jemand psychisch krank ist, (rede jetzt von einer echten Pathologie) kann das eine tatsache sein, die extrem schwierig zu akzeptieren ist und sogar berufliche Konsequenzen hat, wenn eine handfeste Diagnose durchgeführt wird inkl psychologischem Befund. und dass dann ein bischof sagt du kannst das problem leicht mit mehr schriftstudium lösen oder mehr gebet, ist natürlich total verlockend. Man muss sich dem echten Problem mit allen Konsequenzen nicht mehr stellen und bekommt dies noch quasi von Gott bestätigt, dass das so auch richtig sei.
kann ein unheimlich riesengroßes Problem darstellen. Es kann u.U. dazu führen, dass ein Mensch für den Rest seines Lebens in einem begrenzenden Denken festhängt, das ihn hindern wird, seine Probleme anzugehen und dass psychisch Kranke niemals heilen können bzw. ihr Zustand sich nie bessert. Ihre Beziehungen zerbrechen immer wieder…sie kommen nicht weiter.
Totale Tragödie….wofür eigentlich…damit WIR HLTs unser Denken nicht ändern müssen und weiter einen Führungskräfte-KULT betreiben können? Eigentlich ist das komplett krank, aber da kaum einer wagt es anzusprechen fällt es auch kaum auf.

Naomi
Naomi

Eine psychische Krankheit gehört genauso von einem „Profi“ behandelt wie ein Beinbruch oder Blinddarmentzündung. Ich käme gar nicht auf die Idee, mit so was beim Bischof aufzutauchen, wenn ich etwas bei mir oder in meiner Familie vermute. Ein Krankensegen und/oder Schriftstudium kann sicher unterstützen, aber nicht die eigentliche Therapie sein. Und Missbrauch ist ein Verbrechen! Da muss es egal sein, ob der/die TäterIn ein Freund des Bischofs ist.