Was passiert mit Zehnten- & Spendengeldern bei den Mormonen (HLT)?

Von Guido Müller

Die letzten Jahre meiner aktiven Kirchenmitgliedschaft habe ich immer explizit nur für „Humanitäre Hilfe“ gespendet, im Vertrauen, dass das dann wenns dort so steht auch genau so eingesetzt wird. Nun kommt in dem neuen Fusstext des Zehnten & Spendenscheins der Kirche allerdings die Denkweise der Organisation zutage, die ich bereits vermutet hatte. Vor kurzem las ich ja, dass aus dem geschätzten 100 Milliarden Dollar schweren Ensign Peak „Rainy Day Fund“ der Kirche nun schon 130 Milliarden geworden sein sollen. Berichtet wurde sowohl im Wall Street Journal, bei NTV, und in der Zeit.

Auch vor diesem Hintergrund finde ich den neuen Zehnten & Spendenschein richtig frech…

Was hat sich im neuen Schein verändert

Dort heisst es: „Obwohl weltweit angemessene Anstrengungen unternommen werden, um die Spenden wie vorgesehen zu verwenden, gehen alle Spenden in das Eigentum der Kirche über und werden nach alleinigem Ermessen der Kirche zur Förderung des allgemeinen Auftrags der Kirche verwendet.“(ENGL ORIGINAL:
„Though reasonable efforts will be made globally to use donations as designated, all donations become the church’s property and will be used at the church’s sole discretion to further the church’s overall mission.“)

Man sichert sich hier rechtlich ab…vielleicht haben Leute geklagt die ihr Geld zurück haben wollten? (Nachdem sie vermuten mussten dass ihr Geld nicht in Humanitärer Hilfe, sondern in „Billion-Dollar-Investment-Funds“, Einkaufszentren und Business Zentren gelandet war?)

Sie könnten auch gleich sagen

„Das was wir hier angeben sind nur Ideen, wie das Geld ausgegeben werden könnte. WIR entscheiden was damit passiert. Auf finanzielle Transparenz habt Ihr als Spender nur Anspruch, wenn wir gesetzlich dazu gezwungen werden…und das ist auch OK und gut so. (wie man in England sieht tut es unserer PR nicht so gut) Zunächst mal werden wir den Großteil Deiner Spende auf unbestimmte Zeit vermehren…

Ein „Business Zentrum“ in London für 103 Millionen Pfund kaufen, aber als „Charitable Spending“ deklarieren? Macht man das als „wahre Kirche“ so? Die Antwort lautet leider: Ja, und anscheinend ohne jegliche Reue.

Weitere Auffälligkeiten in der Finanzübersicht

Ich habe die letzten Wochen mit Peter Bleakley aus Großbritannien geschrieben, dessen Exkommunikation gerade im Netz die Runde macht. Peter hat seit einiger Zeit einen Podcast und ist durch seine dort geäußerte Kritik international in die Aufmerksamkeit gerückt. Bei den Mormonen diente er unter Anderem als „Finance Clerk“ in der Kirche in England, wo ihm Unregelmäßigkeiten auffielen. Einer seiner Hauptkritikpunkte ist die fehlende finanzielle Transparenz und offensichtliche Auffälligkeiten, die die Vermutung bestätigen, dass die Kirche in ihrem „Non-Profit“-Status Gelder zweckentfremdet ausgibt und höchst zweifelhaft deklariert.

Was ist passiert?

Obwohl die Kirche ihre Finanzen wo es gesetzlich möglich ist geheim hält, müssen Non-Profit-Organisationen in England von Gesetzes wegen bestimmte Zahlen herausgeben. Diese habe ich mit ihm gemeinsam untersucht (siehe Grafik unten).

Während die Finanzen in den Jahren zuvor immer recht konstant waren, stieg 2019 das „Charitable Spending“ plötzlich um ca. 100 Millionen Pfund an. Offensichtlich aber nicht weil so viele Suppenküchen oder Obdachlosenunterkünfte gebaut wurden, sondern weil die Kirche in London dieses Jahr ein kommerzielles Zentrum mit dem Namen „Alder Castle“ gekauft hat.

Die Erklärung

Wie Peter erläutert ist das, was wie eine Steigerung bei den Ausgaben für wohltätige Zwecke aussieht, in Wirklichkeit ironischerweise die Ausgabe von 103 Millionen Pfund für den Kauf von Gewerbeimmobilien als kommerzielle Investition für das Alder Castle Business Centre in London. Aufgrund des steuerfreien Wohltätigkeitsstatus der Kirche wird alles, was sie ausgibt, als wohltätiger Zweck gezählt, einschließlich der Investitionen in Gewerbeimmobilien, weil sie behaupten, dass dies alles Teil der Arbeit der Kirche, einer eingetragenen Wohltätigkeitsorganisation, ist. Wenn Du Dir den oberen Teil dieser Tabelle ansiehst, wirst Du feststellen, dass die „Gesamteinnahmen“ und „Gesamtausgaben“ genau mit der Zeile „Ausgaben für wohltätige Zwecke“ am unteren Rand übereinstimmen.

Quelle: https://register-of-charities.charitycommission.gov.uk/charity-search/-/charity-details/242451/financial-history



Fragen

– Wie soll man diese Auffassung von „Arbeit der Kirche“ der armen Witwe erklären, die hofft, ihr Geld wirklich den Armen und Notleidenden zuzuführen, wenn sie ihre Spenden an die Kirche zahlt?

– In wieviel hundert Jahren schätzt die Kirche die Not in dieser Welt hoch genug ein, diese wundersame und höchst erfolgreiche Geldvermehrung dann doch mal den eigentlichen Zwecken zugute kommen zu lassen?

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G.M.
G.M.
10 Tage her

Frage mich bei dem ganzen, ob Ausgaben dieser Art auch bei den 40 Millionen Wohlfahrtsausgaben jährlich mit eingerechnet sind, mit denen sich die Kirche schmückt. Dann wär’s ja noch weniger echte Wohlfahrt und Hilfe…

Anonym
Anonym
10 Tage her

Ich überlege mir seit geraumer Zeit, was wohl passieren würde wenn sich ein paar Mitglieder zusammen tun und eine Unterschriftensammlung organisieren um Stimmen für eine Offenlegung der Finanzen der HlT Kirche zu fordern. Schliesslich haben wir das Recht zu erfahren ob alles mit rechten Dingen zugeht. Ich bin mich sowas als Schweizer gewohnt, um ein neues Gesetz oder eine Änderung im Staat zu erzielen kann mann das mit einer bestimmten Anzahl von gesammelten Unterschrifften zu einer Voksabstimmung führen.
Und wenn Die Kirche nichts zu verstecken hätte, gäbe es keinen Grund das nicht zuzulassen.

Community-Member
Community-Member
9 Tage her

mich erinnert diese einstellung an so manche schwerreiche nachkriegs baby boomer die ich kenne….ihnen quillt das geld aus den ohren sie wissen gar nicht mehr wohin damit….aber sie haben trotz monatlich steigender passiver einnahmen panische angst dass es ihnen irgendwann doch ausgeht….die bezeichnung „rainy day fund“ ist ja wohl ein witz…oder? (130 Milliarden, das sind 130.000 Millionen Dollar!!)

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[…] KEIN GEISTLICHER sollte nach Geld streben (Zwar gibt es heute keine breiten Anzeichen, dass die Geistlichen der Kirche sich selbst mit Spenden der Mitglieder bereichern, aber die Kirche zweckentfremdet Spendengelder und betreibt steuerbefreites „Money Hoarding“. Die Assets …) […]