„Ich habe mich geschämt“: Kommentar zur Utah-Jugendfireside von Brad Wilcox (Ratgeber in der JM-Präsidentschaft der Kirche)

Von Gwen Eggers

Nunja. Das war ein reines Cringe Fest was der Bruder Wilcox da geboten hat. Aber ich denke, er hat dieses Lehrstück der Indoktrination leider vollkommen ernst gemeint. Man erlebt mich selten sprachlos, es braucht einiges um mich aus der Fassung zu bringen und mich zu erschüttern. Aber selbst mir passiert es. Und hier war es soweit. Vor zwei Wochen dachte ich noch, das Europa Devotional von den Nelsons wäre schon ein Maßstab für ‚cringe‘, aber Brad Wilcox hat die Messlatte hier richtig hoch gezogen und ist aufrecht und mit stolz erhobenen Haupt unter der von den Nelson’s durchmarschiert. Hat dabei gelacht und fröhlich gewunken.

Um den Cringe-, Indoktrinations- und Fremdschamfaktor zu bestärken hat er die Jugendlichen jedesmal die einzelne Punkte rezitieren lassen und war auch sonst nicht geizig mit despektierlichen Gesten, Mimiken und Intonationen, wenn es um anders gläubige oder anders denkende Menschen ging.

Ich habe die Fireside mit einem Freund, Seb, geschaut und wie gesagt, ich bin hart im Nehmen, mir ist nicht vieles peinlich, aber ich habe mich tatsächlich geschämt. Seb ist gläubiger Christ und Mitglied einer Pfingstgemeinde. Ich habe mich so sehr für diese Aussagen geschämt, dass ich gesagt habe, Sebastian es tut mir so leid, dass dieser Mensch deinen Glauben im und unter dem Deckmantel seiner Religion so sehr ins lächerliche zieht und deine Gefühle verletzt.

Ich bin an einem Punkt, wo ich nichts dagegen hätte, wenn es den Herren so richtig auf die Füße fallen würde

Beim Buchstaben P (P is for Priesthood) seiner Ansprache, die dadurch wie ein Ranking der Fremdscham wirkte, war für mich ein absoluter Tiefpunkt erreicht, der seines Gleichen sucht. Und nein, das ist nichts, absolut nichts, was ich noch schön reden kann oder will. Das ist unentschuldbar und ich bin gerade echt an einem Punkt, wo ich nichts dagegen hätte, wenn es den Herren so richtig auf die Füße fallen würde.

Nicht nur, dass er sich dazu herabgelassen hat, jeden anderen Glauben als Unsinn und Spielerei zu diffamieren, nein er hat auch den Rassismusjoker auf ekelhafte Weise gespielt. Letzteres ist eine Sache, die dazu führen muss, dass die Angestellten im Headoffice in ihrem Schweiß schwimmen, um das wieder zu glätten. Und ich bin froh, dass es Menschen gibt, die diese Fireside konserviert haben und es auf den Plattformen und sozialen Medien bereits seine Runde macht.

Aber der Reihe nach. Zuerst sagte er (zusammengefasst):
Meine Kinder haben Kirche gespielt, so wie andere Kinder Schule spielen. Ich wurde ein wenig nervös als meine Tochter anfing das Abendmahl zu segnen. Die Menschen [in anderen Kirchen] spielen Kirche. Sie haben nicht die Autorität. Sie wirken ernsthaft, und würden gerne Bedeutung haben aber sie haben die Autorität nicht. Sie haben nicht Gottes Erlaubnis. Zählen ihre Bemühungen auf der Erde oder in der Ewigkeit? Ich will etwas tun, was zählt. Und um das zu können brauchen wir das Priestertum. Wir spielen nicht Kirche…wir haben die Autorität.“

Er bringt eine Story in der eine Frau kirchlich heiraten wollte, und es missfiel ihr das „Bis dass der Tod euch scheidet“ und er erzählt ihr von der Siegelung.

Ich kenne genug Christen verschiedenster Denominationen und ihren Glauben mit einem Kinderspiel gleichzusetzen ist einfach respektlos.

Gegen eine extra Gebühr (selbstverständlich, weil du kannst ja bekanntlich alles für Geld kaufen, gerade bei den falschen Priestern, das haben wir ja schließlich so gelernt…) konnte sie dann beim protestantischen Pastor ihre eigenen Worte einbringen und wählte „gesiegelt für Zeit und alle Ewigkeit“ und das empfand Wilcox als so falsch, denn dazu fehle ihnen ja schließlich die Autorität. Nur wir sind die einzig wahre Kirche, die von Gott anerkannt wird. Alle anderen spielen nur Kirche. Amen. Wow. Einfach nur wow.

Ich kenne genug Christen verschiedenster Denominationen und ihren Glauben mit einem Kinderspiel gleichzusetzen ist einfach respektlos. Ein Schlag ins Gesicht vieler und ein ganz klares Zeichen dafür, wie Dialog nicht funktionieren kann.

Geht es schlimmer? Natürlich – es fehlt ja noch die Rassisten Karte. Er merkt an, dass es heutzutage viele gäbe, die Probleme mit dem Priestertum hätten. Sie fragen: Warum wurde den Schwarzen das Priestertum bis 1978 verweigert? Aber vielleicht stellen sie einfach die falsche Frage. Vielleicht sollten sie lieber Fragen warum wurde es der weißen Rasse bis 1829 vorenthalten? Und warum mussten die Heiden bis nach den Juden warten? Anstatt Gottes Timeline zu hinterfragen, sollten wir doch dankbar sein, dass sie Schwarzen es 1978 haben konnten. Wenn du jetzt denkst: Das hat er nicht gesagt … Doch das hat er. Die Tatsache, dass Joseph Smith keine Problem damit hatte, people of color zu ordinieren und erst Brigham Young diesen Bann und Sklaverei hochgehalten hat, erwähnt er selbstverständlich nicht.Ich weiß auch gar nicht mehr, was ich dazu sagen sollte, denn alles was ich dazu sagen möchte, wäre nichts nettes und Respektlos denen gegenüber, die Wilcox noch hochhalten und schätzen. Aber ich bitte people of color um Entschuldigung, dass ein Mann, der im Namen seiner Religion Rassismus betreibt, sich so verhalten hat. Ich stehe nicht dahinter und es ist nicht meine Sichtweise.

Warum Frauen das Priestertum nicht haben

Und nicht die Sichtweisen des Gottes an den ich glaube. Es tut mir leid. Und zu guter Letzt erklärt er uns noch warum Frauen das Priestertum nicht haben – aber nichts kann das zuvor gesagte noch schlimmer machen. Auch hier sind wir natürlich falsch davor. Wir Frauen haben natürlich die Autorität im Priestertum zu dienen. Wir werden ja durch das Priestertum berufen und im Tempel ja sogar in Roben des Priestertums gekleidet. Unser Leben ist umgeben von Priestertum, wir haben halt nur zwei Dinge nicht. Die Schlüssel des Priestertums, die haben ja eh nur wenige wie der Bischof oder der Ältestenkollegiumspräsident, und die Ordination und wieder stellen wir die falsche Frage, warum brauchen wir das nicht? Wir sind schließlich bevorzugt und können ohne Ordination in den Tempel Männer können das nicht. Also was bringen wir natürlicher Weise als Frauen mit, was Männer durch die Ordination lernen müssen? Das wäre die richtige Frage. Eine Antwort bleibt er dennoch schuldig.

Ist das ein Mindset, mit dem ich anderen Menschen begegnen möchte?

Ich will hier niemandem sagen, dass und das sind deine Rückschlüsse, die du daraus ziehen musst. Das sind ganz persönliche Dinge und Antworten, die jeder für sich selbst finden muss. Aber ich möchte dir raten, es nicht einfach auf dein Regal der Dinge, die dich ins Grübeln bringen zu stellen, irgendwo in die Ecke, damit du es nicht siehst und es von Staub bedeckt werden kann.

Ich möchte dir raten, es ganz genau anzuschauen und es auf dich wirken zu lassen – sind das Worte, die ich in meinem Herzen spüre, sind das Werte, die ich mit meinem Verständnis von Christus und seinem Leben vereinbaren kann? Sind das die Fundamente, auf die ich bauen kann? Ist das ein Mindset, mit dem ich anderen Menschen begegnen möchte? Denn auch das sollte klar sein, aller guten PR zum und auch aller Hochglanzreden zum Trotz – das ist orthodoxes Mormonentum und das ist auch, was die Kirche lehrt. Man darf Dinge kritisch sehen und hinterfragen und kann dennoch ein Mitglied ‚im guten Stand‘ sein.

Ich habe einen eingebauten Kompass, sozusagen meinen eigenen Liahona, wenn etwas nicht stimmt, wenn ich mit einem schlechten vibe, oder wie man so nett sagt schlechten Geistern konfrontiert bin, dann brennt es unangenehm im Bereich meines Solar Plexus. Das hab ich schon von Kindheit an und kann und konnte deswegen auch immer gut unterscheiden ob es jemand gut mit mir meint. oder nicht. Das soll jetzt nicht pathetisch klingen, aber gestern hat es richtig heftig weh getan.

Und ich möchte mit den Worten meines Freundes Seb schließen:
„Wenn du dich fragst, warum wir (in dem Fall der Bund der Pfingstgemeinden und die Evangelische Allianz) ein Problem damit haben, die Mormonenkirche als christliche Kirche anzuerkennen, dann weil dieser Mann gerade bewiesen hat, dass sie keine christliche Kirche ist, sondern unter dem Namen Jesus spaltet und Elitarismus betreibt. Das ist nicht christlich. Und es ist nicht wahr, dass junge Menschen sich von Gott abwenden, das dem nicht so ist, sehen wir Woche für Woche, wo Menschen im Gottesdienst Jesus ihr Leben geben. Aber es ist wohl wahr, dass junge Menschen sich von Dingen abwenden, die ihnen schaden können. Sei es nun physisch, psychisch oder spirituell. Wenn das, also diese Predigt, ein verzweifelter Versuch war, sie daran zu hindern, dann ist der kläglich gescheitert. Und es tut mir nicht einmal leid.“

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Gwen
Gwen
3 Monate her

Die Äußerungen von Brad Wilcox waren kein einmaliges Versehen und kein Ausrutscher, wie wir nun wissen geht er mit dieser Ansprache schon seit Jahren auf Tour durch die Firesides. Vielen Jugendlichen hat er also bereits seinen Rassismus und Intoleranz als Vertreter der Kirche dargeboten. Seine Entschuldigung ist für mich daher nur eine Entschuldigung dafür, dass er dieses Mal nicht damit davon gekommen ist und dass die „Verteidigung“ seiner Frau darin bestand Kritiker als unchristlich zu bezeichnen lässt da ein tiefsitzendes Muster erkennen. Ich begrüße ausdrücklich den Tweet der BYU, die sich distanziert und hoffe einfach mal, dass dem Lippenbekenntnis eindeutige Konsequenzen folgen werden. Aber so lang diese Universität noch den Namen eines bekennenden Rassisten trägt (was nicht das schlimmste an der Person Brigham Young ist) bin und bleibe ich skeptisch. Brad sagte ja, wir stellen die falschen Fragen. Ich versuche mal, die richtigen zu stellen. Anstatt zu fragen, warum wir nun alle auf ihn ‚einschlagen‘, sollten wir uns fragen, warum wir es in den vergangenen Jahren nicht getan haben. Es war bei Weitem ja nicht das erste Mal, dass er sich rassistisch, misogynistisch, sexistisch, intolerant und arrogant geäußert hat. Anstatt zu fragen, warum gerade die Jugend, die „Generation Z“ der Kirche den Rücken kehrt, sollten wir fragen warum sollten sie bleiben? In einem System, dass ihnen außer Angst und Repressionen nichts bieten kann, was sie nicht auch anderswo in wesentlich christlicher bekommen können. Anstatt zu fragen, warum Brad Wilcox nicht dafür gecancelt wird, sollten wir fragen warum wir hinnehmen, dass… Weiterlesen »

Markus B
Markus B
3 Monate her
Reply to  Gwen

Liebe Gwen, Ich gestehe, ich habe nicht die Ansprache von Brd Wilcox gesehen, und kann sie deshalb auch nicht kommentieren. Aber als Beteiligter der Hilfsinitiativen der Kirche Jesu Christi in der Eifel kann ich etwas mehr über die Aktionen der Kirche im letzten Sommer sagen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu haben oder Authorität, im Namen der Kirche zu sprechen. Die „Kirche“, also neben mehreren Dutzend Mitgliedern in den betroffenen Gemeinden, sowie aus weiter entfernten Gemeinden (von Hamburg bis nach Süddeutschland), die wochenlang geholfen haben, Schlamm zu entfernen und private wie öffentliche Gebäude wieder herzurichten, die zusätzlich zu den ca. 130 Missionaren geholfen haben, wurden wochenlang von der Kirche unterstützt, finanziell sowie durch einen offiziellen Krisenstab, der Mittel koordiniert hat. Die Kirche hat allein in den ersten Wochen der Krise Mittel aus Spendengeldern im Sechsstelligen Bereich bereit gestellt. Diese Hilfen kamen zeitgleich zu einer anderen Krise globaler Ursache, die aber auch lokale Auswirkungen hatte, nämlich die Vertreibung/Flucht von Zehntausenden Afghanen aus ihrer Heimat durch die Übernahme Kabuls durch die Taliban. Die Kirche hat die lokale Aufnahme dieser Menschen im Bereich Rammstein durch Mittel und Menschen tatkräftig unterstützt, neben der Krise in der Eifel sowie einer anderen Flut in Norditalien. Vielleicht kann die Kirche Jesu Christi es ihren Kritikern sowieso nicht recht machen, denn redet sie über ihre Hilfe, wird sie Pharisäerhaft bezeichnet, tut sie es nicht, weiß niemand, was Gutes getan wird. Sei‘s drum. Ich stimme Brd Wilcox Vergleich nicht zu, der die Bemühungen anderer Gläubiger Christen in Frage stellt, und… Weiterlesen »

Gwen
Gwen
3 Monate her
Reply to  Markus B

Markus, es geht hierbei explizit nicht um das Engagement einzelner Menschen innerhalb der Kirche, sondern um eine mMn durchaus berechtigte Kritik an der Corporation Church of Jesus Christ of latter-day Saints. Ja, sicher es gab Hilfen – aber es mangelt an Transparenz. Wieviel wann wohin für wen gegeben wurde schwebt wie so oft im Nebel. Und diese Kritik ist ja auch nicht neu. Und es tut mir auch im Herzen leid, aber eine Kirche die Milliarden von Dollar im Rainy Day Fond hortet – einem Fond der über 100 Milliarden $ umfasst und pro Minute mehr gain macht, als nahezu jeder von uns im Monat (~18k), der pro Sekunde mehr gain macht, als die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt im Monat zum Leben haben ($310). https://www.washingtonpost.com/investigations/mormon-church-has-misled-members-on-100-billion-tax-exempt-investment-fund-whistleblower-alleges/2019/12/16/e3619bd2-2004-11ea-86f3-3b5019d451db_story.html Was ist der Ziel dieses Fonds? Goldene Eierlöffel für alle fürs Osterfrühstück beim Zweiten Kommen kaufen? Und das ist nur der Rainy Day Fond. Sorry, da fehlt mir dann doch ein wenig das Verständnis. Da sind „sechstellig“ eben dann doch nur noch Peanuts, auch wenn „sechstellig“ ein paar Mal rausgehauen werden. Und ja, da stelle ich dann auch lokale Kirchen daneben, die ich gerne auch benennen kann, das Centrum Lebendiges Wort (CLW) Bonn oder die Evangelische Allianz Bonn, die sich nachhaltig bis heute und in die Zukunft gerichtet engagieren, die jede Spende und Ausgabe offen legen. Nicht nur was die Flut Hilfen angeht, BTW. Da geht es mir nicht um das CLW tut aber mehr und keinen infantilen Schwanzvergleich – aber für mich… Weiterlesen »

Last edited 3 Monate her by gweneggers
Seb
Seb
3 Monate her
Reply to  Markus B

Hallo Markus Ich sehe da auch keine Kritik an den einzelnen Mitgliedern deiner Kirche, sondern diese sind explizit nicht eingeschlossen. Aber wenn ich Dinge wie diese Rainy day Fond Sache lese, dann hat das für mich als außenstehende Person schon einen Beigeschmack, den ich nicht so mag und wo alle red flags in die Höhe schnellen. Ich kann jederzeit zu meinem Pastor gehen und sagen: „Zeig mir, was die Kollekte eingebracht hat, was du mit dem Geld gemacht hast, wo und wie und warum du es investieren möchtest und was du davon für dich beanspruchst.“ Kannst du das auch? Wir kennen die Antwort. Ich weiß, ihr habt keine bezahlten Pastoren, die Tatsache, dass sich ab einer gewissen Ranghöhe eine mitunter beachtliche „Aufwandsentschädigung“ gegönnt wird, kann man unter den Tisch fallen lassen oder auch nicht. Mein Pastor arbeitet im Zweifelsfall auch 24/7 für seine Gemeinde und bekommt dafür ein Gehalt, um seine Familie zu ernähren. Und üppig ist da auch anders, wenn wir von 2-5k brutto reden (je nach Gemeindegröße, und was so an Spenden zusammenkommt). Immerhin hat mein Pastor ein abgeschlossenes Theologiestudium. Aber wir zahlen auch diejenigen, die dafür Sorge tragen, dass unser Gemeindehaus sauber ist und alles funktioniert. Du sagtest: „Vielleicht kann die Kirche Jesu Christi es ihren Kritikern sowieso nicht recht machen, denn redet sie über ihre Hilfe, wird sie Pharisäerhaft bezeichnet, tut sie es nicht, weiß niemand, was Gutes getan wird.“ Nein, das täte niemand, wenn es eine Transparenz gibt, wenn offen kommuniziert wird und klar wird… Weiterlesen »

Guido
Guido
3 Monate her

Die wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass mein Sohn in Utah diese fireside gesehen hat…der druck auf denen, die noch dabei sind…steigt wie im dampfkessel…wenn du aussteigst, ist dein leben „unwichtig“, so die (nicht mal mehr unterschwellige) botschaft…
würde beim halten einer solchen ansprache rot werden

Gwen
Gwen
3 Monate her

Brad Wilcox ist nur ein Symptom, und dass es nun ausgerechnet ihn getroffen hat, jemanden der für viele glaubenstreue Mitglieder einer der „Guten“ ist, der mit Firesides wie „His Grace is sufficient“ (https://youtu.be/yLXr9it_pbY) oder seinen Büchern „The Continuous Atonement“ oder „Changed trough his Grace“ sowie einigen guten Ansprachen in GC wirklich viele gute und gesunde Ansätze hatte, ist schon eine Tragik für sich. Das hat viele glaubenstreue Mitglieder schon getroffen, denn die kritischen Stimmen kommen nicht nur von außen, sondern auch von aktiven Mitgliedern und vielleicht hat es auch ein Bewusstsein getriggert, was so als Doktrin hingenommen, aber nie wirklich hinterfragt wurde und eigentlich so gar nicht mit dem eigenen Überzeugungen zusammenpasst. Letzteres wäre zumindest meine Hoffnung, dass es mehr als einen kurzen, erschrockenen Moment hinterlassen hat.
Aber im Zuge dieser Sache kommen da leider immer mehr Begebenheiten zum Vorschein, wo er sich eindeutig rassistisch und despektierlich geäußert hat. Sei es in Klassen an der BYU oder hinter „nicht so öffentlichen“ Veranstaltungen, wie eben Firesides, Missionskonferenzen oder Jugendtagungen.
Das sind dann eben auch von der Person keine Ausrutscher mehr, sondern sein Charakter. Es ist eine Sache orthodoxen Mormonismus zu vertreten, das darf jeder gerne machen, wenn er sich dazu berufen fühlt. Aber respektlose, sexistische, rassistische Äußerungen sollten nicht zum Reportoire eines offiziellen Repräsentanten von Christus (denn letzten Endes ist es ja das, was die Herren in SLC beanspruchen zu sein) gehören.
Eine Kritik an seiner Person ist also mMn durchaus auch berechtigt.

Guido
Guido
3 Monate her

Ich musste beim Hören der Ansprache an den häufigen Vorwurf traditioneller Mitglieder denken, dass man durch Betrachtung von ungünstigen Aussagen einzelner Führer die Kirche kritisieren und in einem schlechten Licht dastehen lässt…und ich will respektvoll darauf eingehen.
Finde es in dem Kontext wichtig, mal die Auswirkungen dieses Kanons an Aussagen auf die bestehenden Mitglieder zu prüfen. Die Führungskräfte die wir hier zitieren sind ganz oben in den obersten Führungsgremien verortet, und geben den Ton für viele an. Der Druck, mit dem hier gearbeitet wird… Es gibt so viele Menschen, die wirklich denken die Bedeutung ihres Lebens wäre futsch sobald sie aus der Organisation rausgehen…vielleicht ist es da auch hilfreich mal die Brille „Kirchenangriff“ wegzulegen und die „Wie fühlen die Menschen sich dabei“-Brille herzunehmen…oder wie siehst du das?

Jonas
Jonas
3 Monate her

Ich bin der Meinung, dass dies eine der toxischsten Ansprachen einer Führungsperson in der modernen LDS Kirche ist. Ich konnte es kaum glauben, als ich mir die komplette Ansprache angehört habe. Einfach unglaublich..

Viktor
Viktor
3 Monate her

Sein Gedankengang zeigt nicht, dass wir dankbar sein sollen. Sondern es zeigt, dass Menschen entschieden haben, wer das Priestertum bekommt, nicht Gott!
Denn zur Zeit der Israeliten war es üblich, dass nach Abstammung man König wurde. Also konnte man auch nur nach Abstammung Priester werden!
Im 19. Jahrhundert in den USA war es üblich, dass nun jeder President werden konnte. Außer eben die AfroAmerikaner!
Und jetzt hatten wir Obama und natürlich auch schwarze Priester!
Die Kirche spiegelt immer nur den Zeitgeist und die Kultur wieder!
Und ist anscheinend nicht durch Meinen Gott inspiriert, den ich liebe!

M.K.
M.K.
3 Monate her

Mal die offensichtlichen Abscheulichkeiten der Ansprache beiseite: was für ein zynisches und menschenverachtendes Gottesbild vermittelt er da?
Das System steht unter Druck, Mitglieder treten aus und sprechen sich offen gegen die Ungerechtigkeiten aus. Es zeigt sich von seiner dunkelsten Seite und es fällt ihm immer schwerer, ein nettes, unschuldiges und liebendes Gesicht aufzusetzen.
Positive Grundwerte werden geopfert, um es zu stützen.
Wilcox ist da nicht besonders, sondern reiht sich ein mit Nelson, Holland, Oaks…
Angst, Hass, Zwietracht erweisen sich immer noch als effektive Mittel.

T.S.
T.S.
3 Monate her

puuuh. Also hmmm. Wie jemand schon sagte harter Tobak….sehr harter Tobak. Ich muss sagen, die ganze Ansprache von Wilcox fasst für mich ziemlich genau alles zusammen was mich am *Moron*ismus bezüglich Weltanschauung, Dogmen, Kultur, Erwartungshaltung, Rassismus, elitäres Gebaren und so vieles mehr stört und so auf die Palme bringt. Und diesem toxischen Gedankengut, dass als einig wahr verkauft wird, soll ich meinen Sohn aussetzen? Ich rede jetzt nicht allein von dieser Ansprache, hab ja hier schon oft genug meinen Senf und Unmut zu vielen Themen geäußert. Meinen Sohn, soll ich also lehren, dass ich an sowas glaube? Nix da! Die Zeiten für Mentale und geistige Akrobatik sind bei mir schon länger vorbei! Wenn man sich den ,,eigenen“ Glauben immer und immer wieder schön reden muss, dann kann doch etwas nicht stimmen! Früher hab ich immer gedacht, dass etwas mit mir nicht stimmt, aber wenn ich Aussagen wie: Nicht in unserer Kirche geschlossene Ehen sind nichts wert, oder dein ganzes Leben ist Sinnlos, wenn du dich entscheidest auszutreten einfach abnicke, dann stimmt mit mir etwas nicht. Tu‘ ich zum glück nicht. Diese zum Glück aussterbende Sichtweise(auch wenns in der Hlt-Kirche noch laaange dauern wird), dass es kaukasischer Abstammung betreffende besser geht als andere ,,Rassen“, weil wir in der Präexistenz ja sooo viel besser waren als die ,,anderen“ ist doch nur ne ganz billige Rechtfertigung für rassistische Denkweisen. Ich möchte uns priviligierte, reinere Wesen mal in den ärmsten Teilen der Welt sehen, wie wir zurecht kommen würden. Hat der Altherren Club in… Weiterlesen »

Anonymus
Anonymus
3 Monate her
Reply to  T.S.

Mach Dir keine Sorgen. Du reagierst völlig verständlich. Wie so viele, hast du zu lange und zu geduldig gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Die ständigen Gotteslästerungen und das denkfaule Geschwafel der Kirche hat in dir das Fass zum Überlaufen gebracht.

Seb
Seb
3 Monate her
Reply to  T.S.

Mit dir stimmt alles. Deine Reaktion is deine Schlussfolgerungen sind sehr gesund und richtig. Bitte bewahre deinen Sohn vor diesen Einflüssen. Dein Leben ist nicht sinnlos ohne diese Kirche. Ich bekomme immer rmehr das Gefühl, dann ist Platz für ECHTEN Sinn und wenn man möchte echten Glauben. Ich bin kein Mitglied eurer Kirche, nur ein Beobachter, sozusagen. Meine Meinung ist deswegen vielleicht nicht so gewichtig, aber wohlwollend.

T.S.
T.S.
3 Monate her
Reply to  Seb

Danke dir. Seit ich mir vor einiger Zeit eingestanden habe, dass ich einfach nicht mehr dran glauben kann, fühle ich mich das erste Mal seit Jahren glücklicher mich selbst betreffend.

Und da ich ein Leben vor meiner aktiven Kirchenzeit hatte, weiss ich, dass es noch viel mehr gibt für das es sich zu Leben lohnt und glücklich macht. Solche Aussagen, dass das eigene Leben ohne die Kirche sinnlos/nutzlos ist, da lache ich drüber.