Warum nahm der Herr Abels Opfer an, aber Kains nicht?

Community-Beitrag von Frank

Bildquelle: scheublein.com

Warum nahm der Herr Abels Opfer an, aber Kains nicht? Diese Frage ist viel diskutiert und innerhalb unserer Kirche „dank“ der köstlichen Perle auch leicht zu beantworten. Kain ist von Beginn an auf der schiefen Bahn. Er liebte den Satan mehr als Gott. Anders wie Abel, hörte er nicht auf die Worte des Herrn und so erklärt sich die Ablehnung des Opfers. Abel dagegen leuchtet als Musterbeispiel des Gehorsams.

Andere christliche und jüdische Glaubensgemeinschaften sind der Meinung, dass Kain nicht mit der nötigen Liebe und Hingabe geopfert hat. Das Geschenk wäre also nicht von Herzen gekommen. Das scheint in der Köstlichen Perle zumindest kein Argument zu sein, denn schon Adam opfert nur aus Gehorsam ohne überhaupt genau zu wissen warum.

Eines ist zumindest gleich, Kain ist von vornherein der Böse und Abel der vorbildliche Gute. Dieser Darstellung widersprechen aber immer mehr Theologen, die sich mit dem Text in Genesis 4 auseinander gesetzt haben. Sie geben auf die o. g. Frage folgende Antwort:

„Wir wissen es nicht.“

Der Text in Genesis ist sehr knapp und ein Halbsatz hätte im Text genügt um die Frage zu beantworten, wenn das wirklich das Thema der Geschichte wäre. Er wird aber nach der Nichtberücksichtigung von Kain und seiner Gabe deutlich ausführlicher. Jetzt erfahren wir vom Innenleben Kains und Gott spricht sogar zu Kain. Kain ist also die klare Hauptfigur, mit seinem Schicksal müssen wir uns identifizieren. Von Abel erfahren wir nichts über seine Gefühle, Gott spricht auch nicht mit ihm, er ist nur eine Randfigur.

Um zu erkennen, in welcher Situation Kain ist, müssten wir uns auch fragen: 

Wie konnte Kain überhaupt wissen, dass Gott nicht auf ihn und seine Gabe schaut?

Man sollte jetzt nicht an Filme oder Kinderbücher denken, wo weißer Rauch bei Abels Opfer kerzengrade nach oben steigt und Kain schwarzer Rauch ins Gesicht bläst. Naheliegender ist da schon folgende Möglichkeit: Wie in allen Kulturen, beschenkt man die Götter nicht ganz ohne Hintergedanke und erhofft sich ein gewisses Maß an Wohlwollen. Offensichtlich hat sich Kain deutlich mehr versprochen, erst Recht mit Blick auf Kain. Wir wissen nicht welches Schicksal Kain erlitt, eine misslungene Ernte oder Krankheit? Eines ist sicher, er wird nicht der letzte Mensch sein, der sich von Gott unberücksichtigt fühlt und der sein Schicksal als ungerecht betrachtet. Milliarden von Menschen werden sich bis in die heutige Zeit ähnlich wie Kain fühlen. Es gibt viele Schicksale, auch unter den treuesten Mitgliedern, wo ich mich Frage, warum gerade der oder die so geprüft wird.

Der Versuch Kain die alleinige Schuld an seiner Situation zu geben ist aus dem Text nicht erklärbar. Noch gibt es keine Opfervorschriften und Gott hat kein Opfer gefordert. Es handelt sich um ein Geschenk von Kain und Abel. Der Text sagt auch nicht, dass Gott diese Gabe wertet. Er berücksichtigt Kain und sein Geschenk einfach nicht.

Worum geht es dann in der Geschichte?

Kain ist von Gott bitter enttäuscht, es brennt in ihm, er verschließt sich und senkt seinen Blick. Gott gibt auch jetzt keine Erklärung für die Nichtberücksichtigung Kains, es bleibt Gottes unerklärlicher Wille. Er fragt Kain sogar, warum er in so einer Stimmung ist und wird zum Mentalcoach. Er versucht Kain klar zumachen, dass er sich in einer gefährlichen Verfassung befindet. Wenn er Gutes im Sinn hat, kann er seinen Blick frei aufrichten, wenn nicht lauert die Sünde vor der Tür, die er beherrschen muss.

Aus negativen Stimmungen können sehr schnell negative Taten werden. Das ist die Kernlehre dieser Geschichte. Es spielt deshalb überhaupt keine Rolle, ob Kain zu recht oder zu unrecht stinksauer ist. Wichtig ist, wie er damit fertig wird und wie wir mit unseren Schicksalsschlägen fertig werden.

In späteren jüdischen Geschichten wurde dann Kain nur noch von vornherein als durch und durch böse dargestellt, während Abel die Idealfigur wurde. In der Urgeschichte in Genesis ist das aber nicht der Fall.

Kain und Abel waren sicherlich keine historischen Personen, denn so schnell wurden Jäger und Sammler doch nicht zu Ackerbauer und Viehzüchter und später Städtebauer. Für die Kernbotschaft hat das aber keine Auswirkung.

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Anonym
Anonym
3 Monate her

Aus meiner Erinnerung habe ich folgendes Bild im Kopf. Kains opfer wurde nicht angenommen, da es kein tierisches Opfer war. Es waren Früchte des Feldes. Abel opferte ein tierisches Opfer, was in der hebräischen Denke was mit dem Körper zu tun hat, also etwas, was wir am Tierischen ( Weltlichen ) opfern sollten, also überwinden. So hatte ich das bis jetzt verstanden, aber was ihr geschrieben habt klingt sehr interessant. Werde darüber auch nachdenken.

Frank
Frank
3 Monate her
Reply to  Anonym

Das ist die Auffassung der Kirche aufgrund der Darstellung in der köstlichen Perle. Aber ich gehe bei meiner persönlichen Auffassung natürlich out-of-the box.

Prof. Konrad Schmid (Prof. für alttestamentliche Wissenschaft und frühjüdische Religionsgeschichte) sagt in einer Rede dazu: „Man kann bei manchen Auslegern lesen, dass Abels Opfer offenbar mehr wert ist als dasjenige Kains, denn es ist ein Tieropfer, während Kain nur ein vegetabiles Opfer darbringt. Doch dieser Erklärungsversuch ist wenig überzeugend. Denn zum einen wissen wir aus den Opfergesetzen im Leviticusbuch, dem dritten Buch Mose, dass vegetabile Opfer genau dieselbe Funktion ausüben können wie tierische Opfer, und zum anderen, das ist noch wichtiger, muss man berücksichtigen, dass unsere Geschichte ganz klar schweigt zu diesem Punkt, weshalb denn Gott nur Abels Opfer annimmt. Es ist nachgerade der Clou dieser Erzählung, dass sie sagt: Gott ist Gott. Gott ist frei. Mit Gott kann man nicht handeln. Gott kann sich auch so verhalten, wie wir es nicht erwarten, so, wie wir es auch nicht billigen.“

Frank
Frank
3 Monate her

Jordan Peterson denkt genau das, was manche „Gläubige“ denken, wenn sie das Unglück anderer beurteilen: „Irgendwas hat der Betreffende wohl falsch gemacht und hat deshalb sein Unglück auch selbst zu verantworten.“ Diese Haltung hilft nicht Mitgefühl und Nächstenliebe für den Anderen zu entwickeln.

Wenn ich annehme, dass einer in der Gemeinde seine Arbeitsstelle verloren hat, weil er den Zehnten vielleicht nicht voll bezahlt hat, wird mich das nicht motivieren im zu helfen. Einen Rückschluss von einem Schicksalsschlag auf ein Fehlverhalten in den Augen Gottes zu ziehen halte ich für anmaßend. Welchen Rückschluss will den Jordan Peterson auf einer Kinderkrebsstation ziehen? Es ist ja das schöne an der Geschichte von Kain und Abel, dass Gott nicht erklärt, warum er Kain nicht berücksichtigte und wir deshalb solche Rückschlüsse nicht machen können.

Fran. R.
Fran. R.
3 Monate her

Kain war deshalb ’stinksauer‘, weil er dieses Recht nicht erhalten hatte, obwohl er als erster geboren worden war. Vor Gott beklagt er sich: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ Er wäre gerne durch das Erstgeburtsrecht der Hüter seines Bruders geworden – wie Satan im vorirdischen Dasein. deshalb ist Kain gern bereit, sich in seinem Frust mit Satan zu vereinen.

Der Vers Gen. 4:9 wird allgemein nicht verstanden, deshalb die Verwirrung. Diese wird aufgelöst durch das Verständnis des Erstgeburtsrechtes, das seit Adam besteht oder vielmehr schon im vorirdischen Dasein. Jesus Christus ist der Erste, der von seinem himmlischen Vater dieses Recht erhalten hat, sodass er die Verantwortung für die Menschheit erhielt. Dieses Recht hat er auf die Menschen übertragen: Adam, Abel, Set, Enosch, Kenan etc., Henoch, Metuschelach, Lamech, Noach. Wir nennen dieses Recht ‚Das heilige Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes, siehe Abraham 1:2,3.

Henning S.
Henning S.
3 Monate her

Interessante Gedanken. Diese Geschichte wirft für mich noch weitere Fragen zur Verantwortung auf. Welches Verständnis hatte Kain? Wie war seine psychische Verfassung? War er urteilsfähig? Ähnlich wie bei Luzifers Fall, kann ich mir schwer vorstellen, dass eine erschaffene Person, die sich nie für seine Existenz entschieden hat, von dem Schöpfer die volle Verantwortung für seine Haltung zu tragen hat. Aus heutiger Sicht finde ich die Geschichte ethisch hoch bedenklich