„Brief an einen CES-Direktor“ (CES Letter) gelesen – Was nun?

Frage von Lisa (Name geändert) und Antworten aus der Community

Bildquelle: cesletter.org

Hallo zusammen! Ich bin Lisa, gehe auf die Vierzig zu, verheiratet und Mutter. Ich gehöre einem Pfahl in Süddeutschland an. Nachdem sich meine Eltern bekehrt haben, bin ich mit dem Evangelium groß geworden und heute aktives Kirchenmitglied.

Kirchenkritische Lektüre als Austrittsgrund

Im erweiterten Bekanntenkreis habe ich letzte Woche erfahren, dass einige Mitglieder nicht mehr zur Kirche gehen. Das fand ich sehr schade, weil ich sie immer als sehr aktive Mitglieder empfunden hatte. Als ich nach dem Grund fragte, sagte man mir, dass es viele Austritte gab wegen kirchenkritischer Lektüre. Als ich erfuhr, dass es unter anderem um den Brief an einen CES Direktor (PDF 3,7 MB) ging, hatte ich schon Interesse, was sich dahinter verbirgt.

Dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass ich das lesen sollte

Als ich anfing zu lesen, war ich etwas schockiert. Ich hatte das zwar das eine oder andere Mal gehört, aber so richtig in die Tiefe bin ich da nie gegangen. Dieses Mal hingegen hatte ich das Gefühl, dass ich das einfach lesen sollte. Nachdem ich nun Einiges gelesen habe, weiß ich nicht so ganz, wie ich das einordnen soll und welche Konsequenz ich daraus ziehen sollte.

Hat jemand von Euch Erfahrungen / Eindrücke in Verbindung mit diesem Letter? Wie hat sich das für Euch angefühlt? Was habt ihr dann gemacht? Welche Konsequenz folgte?

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S.L.
S.L.
3 Monate her

Ich habe den Brief und andere Lektüren gelesen. Und wusste schon das meiste. Was mich leider nur noch mehr bestärkt hat, noch mehr kritisch zu hinterfragen. Und zu überlegen , ob ich noch Teil davon sein möchte, auch wenn es nur inaktiv ist.

H.S.
H.S.
3 Monate her

Als ich den Brief las, kannte ich die Inhalte weitestgehend aus verschiedenen anderen Büchern, Dokumenten etc., aber ich fand den Brief recht gut strukturiert und transparent dokumentiert. Ich war bereits aus der Kirche draußen als ich den Brief las und war nicht wirklich geschockt.

Die Inhalte des CES-Letters schocken mich nicht mehr, aber ich kann es noch immer nicht fassen, wie man bei den Mormonen mit der Thematik umgeht bzw. wie die Kirchenführer die schwierigen Dinge nicht mal versucht zu erklären. Was auch immer diese Erkenntnisse bei dir bewirken würden, es würde mich freuen, wenn mehr Mitglieder ein wenig Verständnis dafür haben, warum einige nicht mehr an die Wahrheitsbehauptungen glauben können. Es ist schade, wie viele Ex-Mitglieder auf Unverständnis stoßen oder gar ihre Freunde verlieren.

Lisa
Lisa
3 Monate her
Reply to  H.S.

Was das Unverständnis betrifft, hat das wohl mit eigenen Erfahrungen und einer gewissen Reife zu tun.

Einer der Gründe für das Scheitern meiner 1. Ehe war, dass wir als Partner, was die Kirchenlehren betraf, nicht mehr auf einem Nenner waren. Ich war sehr jung und für jegliche Kritik an der Kirche und meinem Glauben unempfänglich.

Viele Jahre später ging meine Mutter nicht mehr zur Kirche, weil sie einen enormen Druck, auch was das Dienen in Berufungen betrifft, nicht mehr hinnehmen wollte. Sie sagte auch, dass sie nicht wieder heiraten würde, ohne vorher mit einem Mann zusammengelebt zu haben. Das sei blauäugig und könne man von einer Frau mit fast 60 nicht erwarten.
Ich stritt mich zwar anfangs oft mit ihr, weil ich Ihre Argumentationen nicht mit meinem Mormonen-Schubladen-Gebote-Halten-Denken im Einklang bringen konnte… aber je mehr wir sprachen, desto besser verstanden wir einander und akzeptierten und respektieren wir uns.

Und daher habe ich nun auch für andere viel mehr Verständnis.

J.D.
J.D.
3 Monate her

Was ist denn das für ein ominöser Brief? Ist der irgendwo abrufbar? Und was ist ein CES Direktor?

openfaith
openfaith
3 Monate her
Reply to  J.D.

hier seit kurzem als PDF und Audio auffindbar
https://openfaith.de/links/

J.D.
J.D.
3 Monate her
Reply to  openfaith

Habe den Brief durch, vieles davon war mir inhaltlich bereits bekannt (Stein im Hut, Kinderhook-Platten, Buch Abraham Faksimiles). Gehe ich richtig in der Annahme, dass mit „CES“ das Church Educational System gemeint ist, also der Brief sozusagen an die Bildungs/Forschungsstätte der Kirche ging? Hat ihn letzlich der Autor selbst veröffentlicht und gab es eine offizielle Antwort der Kirche?

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  J.D.

ja genau es ist so ein CES-Mensch gewesen, an den diese Fragen damals vom aktiven Mitglied Jeremy Runnells geschrieben wurde. Ich meine FAIR-LDS hat sich dazwischen gesetzt und eine öffentliche Antwort verfasst, um Jeremy bloß zu stellen. Dadurch wurde der Brief so bekannt, denn Jeremy hakte bei den Antworten aus unerwarteter Quelle nach und dokumentierte was sie eigentlich bestätigten. Im Prinzip überführte er sie!

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  J.D.

dadurch wurde der Brief auch nochmal viel länger. Es gab quasi den Debunk-Letter auf den Debunkletter. Das zog deutlich mehr Aufmerksamkeit als gewollt und da die Apokogeten der Kirche sich immer mehr verstrickten wurde vielen Mitgliedern die Augen geöffnet. Hier hat FAIR-LDS ganze Arbeit geleistet und einen astreinen Streisandeffekt erzeugt

D.
D.
3 Monate her

Leider ist in dem Brief mehr Wahrheit enthalten als man sich wünschen würde.
Ein Weg damit umzugehen kann sein: Enttäuschung ist auch ein Ende von Täuschung. Also ist man dann näher an der Realität.
Es wartet viel Schönes auch abseits dieser Dogmen!

J. B.
J. B.
3 Monate her

Das wichtigste ist, dass du einen gemeinsamen Weg mit deinem Partner findest. Bei mir hat die Erkenntnis der Wahrheit über die Kirche dazu geführt, daß ich mich freier gefühlt habe, das der enorme Druck aufgehört hat immer perfekt sein zu müssen und ständig um Vergebung bitten zu müssen.

Ich habe einen Weg gefunden, wie ich trotz aller Zweifel meine Kinder und auch meine Frau im Glauben unterstützen kann, ohne mich ständig verbiegen zu müssen. Auch innerhalb der Kirche habe ich weiterhin viele Freunde, die meine Vorbehalte kennen und nicht mehr versuchen mich zu überzeugen. Auch ich versuche nicht sie von ihrem Glauben abzubringen. Schließlich hat jeder das Recht zu glauben was er möchte.

E.
E.
3 Monate her

Wofür ist Glauben da? Macht diese Kirche dich zu einem besseren Menschen? Erfüllt diese Kirche dich? Passt sie zu dir?

Überlege dir was du endzaubern möchtest und was nicht.

Wenn einem erst einmal „die Augen geöffnet wurden“ gibt es kein Zurück mehr… mir geht es gerade so.

Ein Weg könnte auch sein, sich nicht den Glauben zu zerstören, aber generell selbstbestimmter zu werden in der Kirche.

Diesen Rat würde ich niemals LGBTQ* geben.

A.
A.
3 Monate her
Reply to  E.

Ich finde es sehr treffend was E. hier sagt. Informationen die du einmal verinnerlicht hast lassen sich nicht ungelesen machen. Also mach langsam und mach dir bewusst was du willst. Ich bin seit ca 5 Jahren nicht mehr aktiv. Bin zwar noch in den Listen, aber nur um meine erweiterte Familie nicht unnötig zu verletzen. Ich identifiziere mich aber nicht mehr als Mitglied. Ich war auch ein sehr aktives Mitglied. Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung der Kirche den Rücken zu kehren. Ich bin persönlich sehr gewachsen und erwachsen geworden. Bin immer noch dabei. Ich würde den Weg wieder gehen. Ich hatte das Glück, dass mein Mann offen war sich das anzuhören was ich gelesen und recherchiert habe. Ich habe mich früh entschieden den Weg nur zu gehen, wenn ich meine Ehe dadurch nicht gefährde. Das ging nur weil ich nicht vorgeprescht bin sondern mich immer wieder mit meinem Mann unterhalten habe. Du schreibst du bist glücklich verheiratet und aktiv. Mein Rat wäre, dich möglichst schnell mit deinem Mann zusammenzusetzen. Je mehr du weißt (und mehr weißt als er) desto schwieriger wird es für dich werden weiter zur Kirche zu gehen. Ich denke ich kann für fast alle hier sprechen, wenn ich sage, dass wir wissen wie du dich fühlst und wie schwer es ist wenn man damit konfrontiert wird, dass seine ganze Weltsicht ins Wanken gerät. Die Welt ist nicht so schlimm wie die Kirche es gerne erzählt. Es gibt so viele neue Sachen zu erleben. Ich hab… Weiterlesen »

Guido
Guido
3 Monate her

Wie die „CES Letter Streubombe“ auf ein Glaubensgebäude einwirkt, hängt immer davon ab, wie dieses gebaut war.

Falls Du das Glück einer gemäßigt-nachhaltigen Heranführung an den Mormonismus hattest, wird etwas Schönes überbleiben. Das kannst Du Dir bewahren. Dem Rest der Dir wie ein Wirbelsturm um die Ohren fliegen wird, muss man m. E. nicht allzu viel hinterher trauern…

Ob man weiter zur Kirche geht, hängt meines Erachtens sowieso von ganz vielen weiteren sozialen und emotionalen Faktoren ab…allen voran: Wie gefällt mir meine Gemeinde vor Ort? Wie fühle ich mich mit den Menschen dort? Wie gehen wir als Familie damit um?
Ich glaube die Wahrheit der Kirche ist nicht der Hauptgrund, warum viele hingehen, daher ist ihre Widerlegung auch kein Hauptgrund, wegzubleiben.

Tipps: Locker angehen, Zeit lassen, auf keinen Fall irgendwas überstürzen. Vertrauen haben, dass es irgendwann kommt wie es kommen soll und Dein Körper, Dein Thermomix oder das Universum Dir den Weg weist.

P.
P.
3 Monate her
Reply to  Guido

G.M., willst du wirklich zu einem Verein gehen der nur auf Lügen aufgebaut ist ?? Des ist schon die kognitive dissonanz auf die Spitze getrieben …

G.M.
G.M.
3 Monate her
Reply to  P.

@ P., ich finde die lügen-wahrheit argumentation zu eindimensional, um eine Entscheidung zu treffen, die viele andere dimensionen der lebensrealität umfasst…letztlich sind ja alle religionen menschengemacht…ich finde der druck war das schlimmste….

auch der mormonismus hatte im vergangenen Jahrhundert mehrere Chancen, die Flucht in die Mystik zu unternehmen. Die hat man liegen lassen und stattdessen auf Großoffensive geschaltet. Mit einem philosophisch-mystischen Ansatz der Kirchenkultur hätte ich die Kirchengemeinschaft selbst nicht unbedingt aufgeben müssen.

Meine Mama sagt immer: Jedem Tierchen sein Plaisirchen.

P.
P.
3 Monate her
Reply to  G.M.

@G.M. , darum darf man unter den Religionen nicht unterscheiden alle sind auf Lügen aufgebaut.

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  P.

@ P. , Jein. Unwahrheit und Lüge ist nicht automatisch das gleiche. Eine Lüge ist die bewusste und statisch angewandte Unwahrheit. Die Lüge ist mit Sicherheit Bestandteil der Kirchenführung vieler Kirchen, aber es ist durchmischt. Und es wird schwer, wenn es Eigenlüge etc. ist.

Basieren die Mormonen auf Unwahrheiten – 100%. Auf Lügen- mit Sicherheit, aber hier wird es schwerer. Ich behaupte mal bei ein paar Aussagen von Oaks, Holland das es sich um Lügen handelt

P.
P.
3 Monate her
Reply to  H.S.

Ja aber das ist doch Haarspalterei zwischen Lüge und Unwahrheit zu unterscheiden. Früher dachte ich dass die Kirchengründer es Gut meinten und die Welt verbessern wollten. Aber das denke ich nicht mehr.

Eine Religion im 19 Jahrhundert zu gründen war nichts anders als ein Startup der Neuzeit. Es geht immer nur um Geld und Macht. Durch die Bank weg sind die Kirchen steinreich, das ist sicher kein Zufall. Man kann gerne Mitglied so einer Kirche sein, aber man muss sich vor Augen halten dass du ein System unterstützt welches nur auf Geld aus ist. Dir wird erst eingebläut dass du das Produkt Kirche brauchst und dann darfst du für das Produkt Kirche bezahlen. Ist beim Drogenhandel nicht anders. Ich geb zu meine Meinung ist sicher sehr polemisch, aber sich selbst zu belügen ist auch keine Option.

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  P.

@ P., das finde ich überhaupt keine Haarspalterei, sondern eine wichtige Differenzierung. Für mich zählt schon das Motiv. Im übrigen betrifft das ja auch uns. Wir haben diese Unwahrheiten verkündet, aber waren wir wirklich Lügner?

M. B.
M. B.
3 Monate her

Ich würde mich von so einem Dämlichen Brief nicht entmutigen lassen und weiterhin tapfer am Evangelium festhalten. So was wirst Du hier nie zu hören bekommen. Open faith ist dazu da deine Zweifel zu bestätigen und Dich von dem Weg weg zu zerren was wir in dieser schwierigen Zeit am meisten brauchen, nämlich die Inspiration des Herren.

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  M. B.

Warum ist der Brief dämlich? Was ist daran dämlich Überzeugungen zu hinterfragen? Bestätigt man nicht in der Kirche immer wieder Überzeugungen, die man nie richtig geprüft hat? Du redest über Inspiration – na dann erkläre mir mal bitte die Epistemologie mit der du dein allgemeine Erkenntnisse prüfst.

M. B.
M. B.
3 Monate her
Reply to  H.S.

Meine Wortwahl war auch etwas dämlich. Der Brief gehört für mich in die Runde Schublade: Anti Mormonen Literatur, zusammen mit OF.

Da ich intellektuell nicht so gesegnet bin wie die Anderen hier und ich auch nicht die Zeit habe wie ihr, muss ich es mir in Fragen Glauben etwas einfacher machen.

Da mein Glauben geistlich oft bestätigt wurde, ich auf viele Gebete eine Antwort erfahren habe, hab ich entschieden dem Evangelium treu zu bleiben, und das wahrlich nicht immer einfach. Aber was habe ich schon wirklich in dieser Tumultvollen Zeit, was mir halt gibt? Ehrlich außer dem Evangelium und der Kirche fast gar nichts. Mal abgesehen von Familie und Freunden.

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  M. B.

Wenn für dich alles in den Mülleimer gehört, was deinen Glauben in Frage stellen könnte, frage ich mich, wieso du denen vorwirfst, ihren Zweifel zu bestätigen, indem sie sich mit Kritik auseinandersetzen?

Das passt doch hinten und vorne nicht. Ich verstehe, dass du nicht die Energie hast, dass du gerne deinen Glauben bewahren möchtest….. – alles persönlich für dich OK. Aber anderen vorwerfen ihren Glauben zu hinterfragen und zu prüfen, finde ich nicht richtig.

Für dich persönlich finde ich deine Aussage OK, wenn du glücklich damit bist. Als allgemeine Aussage habe ich kein Verständnis dafür. Es gibt auch Zeiten, in denen ich weniger bestimmte Nachrichten gelesen habe, als üblich, weil es Zeiten gibt, die belastend sein können und ich nicht die Kapazitäten habe. Es würde mir aber nie einfallen zu sagen es sei schlecht das zu tun oder diejenigen, die das machen, bestätigen die schlechte Lage.

M. B.
M. B.
3 Monate her
Reply to  H.S.

Wie immer hast Du mal wieder recht. Ich kann Dir leider nicht widersprechen. Ich habe da meine subjektive Meinung zum Ausdruck gebracht. Klar, das du den Eindruck hast das ich meinen Glauben nicht hinterfrage, aber wenn das der Fall währe, würde ich mich überhaupt nicht an OF beteiligen. Aber ich merke selbst wie OF Zweifel in mir weckt und ich frage mich wie ich in Zukunft mit OF umzugehen habe. Wenn ich meinen Glauben verlieren sollte, habe ich wirklich nicht mehr viel was mir sonst noch halt gibt, und ich bin mir sicher das OF keinen Ersatz bietet. Mit was hast Du den deinen Glauben ersetzt?

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  M. B.

ich verstehe dich durchaus, auch wenn mein Naturell wahrscheinlich anders gestrickt ist. Die Angst meinen Glauben, in den ich viel investiert habe, zu verlieren war da wie die Neugierde, Liberalismus und unbeantwortete Fragen. Ich will dich nicht von deiner Kirche wegbringen, auch wenn es für mich und viele andere der richtige Weg war. Es ist wahrscheinlich auch schwer die Mormonen ungeschminkt zu betrachten und seine Überzeugung völlig unangetastet zu lassen. Ich konnte es nicht und mein Abschied vom Glauben war ambivalent. OF ist sicherlich kein Kirchenersatz, aber ohne dich abbringen zu wollen, es gibt für die meisten eine Perspektive neben bzw nach der Kirche. Für mich auf jeden Fall. Ich bin mir natürlich über meine Rolle als Kritiker in dieser Gruppe bewusst, aber ich möchte kurz sagen, dass es nicht destruktiv gemeint ist. Ich weiß aber sehr genau wie gut es mir getan Kritik anderer zu hören, als ich in der Phase tiefen Zweifels war. Selbst Richard Dawkins war für mich aufbauend, denn viele dieser Fragen schob ich Jahre vor mir her bzw. habe ich sie oft auch verdrängt. Es ist natürlich schwer hier eine Gruppe zu haben die diese Breite abbildet, aber es macht das ganze auch spannend, denn meiner einer erinnert sich an die Wurzeln und versteht seine alten Brüder und Schwestern der Kirche, während es umgekehrt auch Verständnis geben kann. Aber klar – es ist schwer Zweifel auszublenden.

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  H.S.

Ob der Weg leichter ist, sei mal dahingestellt. Ich denke es ist auf jeden Fall nicht so einfach zu beantworten. Also nicht persönlich auf dich beziehen, aber Führern zu folgen hat häufig auch eine Denkfaulheit als Grundlage – auch bei politischen Führern. Aber mal zu dem Gott, der einen mehr liebt bzw. belohnt, weil man sich ihn vorstellen konnte und ein paar Formalien (Taufe, Tempel….) vollzogen hat. Wir sprechen von dem Gott dessen Ziel es ist, dass wir so sehr hier gewachsen sind, dass wir einmal selber Gott werden. Ehrlich, verstehe nicht was an diesen Formalien bzw. dieser Vorstellung so wichtig sein soll. Ist es wichtig, dass wir ihn verehren oder dass wir nach bestem Wissen und Gewissen handeln (unabhängig davon was wir glauben)? Wenn das Erkennen so wichtig ist, dann stellt sich die erste Frage, warum mir kein Weg bekannt ist Gott jenseits zirkulärer Logiken erkennen zu können?! Ehrlich, wie soll mich ein gerechter Gott dafür bestrafen, dass ich ihn nicht verstehen kann? Kommen wir zur eigentlichen Epistemologie der Mormonen (und meisten anderen Religionen). Durch Beten, Fasten, Rituale (Meditationsformen) entwickeln die meisten Menschen spirituelle Gefühle, die eigentlich bei allen Menschen die gleichen Hirnareale aktivieren. Die Tests gibt es auch in Utah – es passiert das gleiche wie bei anderen Menschen auch. Soweit so gut, das kann ja sein, dass Gott so einen Erkenntnisweg auch macht, um Dinge emotional zu verinnerlichen, aber wie können wir bei überwältigenden spirituellen Erfahrungen oder gar Stimmen oder Visionen davon ausgehen, dass wir allgemeine Wahrheit… Weiterlesen »

M. B.
M. B.
3 Monate her
Reply to  H.S.

Deine Gedanken Gänge finde ich klasse. Vielen Dank das mit mir zu teilen. Glauben heißt ja auch nicht wissen, und Gefühle können von vielen Orten kommen oder erzeugt werden. Ich glaube nicht an einen strafenden Gott, das tun wir uns selber an, und ich stimme Führungskräften in der Kirche die mit ewiger Strafe drohen nicht unbedingt zu. Aber ich glaube an ein Belohnung Prinzip und das wir uns alles erarbeiten müssen. Ich will auch nicht sagen das dein Weg falsch ist und nur mein Weg der richtige ist. Am Ende kommen wir zu Hause, wo wir uns wohl fühlen, an. Für mich ist der Weg auch das Ziel.

G.M.
G.M.
3 Monate her

Der „Zwei-Schubladen“-Mormonismus, der keinen Raum für Zweifel an irgendeiner noch so wackeligen Wahrheitsbehauptung lässt, ist eigentlich genau die Version des Mormonismus auf den der CES Letter reagiert. Auf einer FAIR-LDS Konferenz sagte Patrick Mason: „Der CES-Brief ist sinnbildlich für diesen Alles-oder-Nichts-Ansatz zur Religion. . . . Der Brief ist eine fast perfekte Umkehrung der Version des Mormonismus, auf die er reagiert. Jeremy Runnels mag den Brief geschrieben haben, aber dies war eigentlich unvermeidlich – irgendjemand, irgendwann, irgendwo musste diesen Brief schreiben, denn er war die offensichtliche Antwort auf einen bestimmten Stil, Ton und eine bestimmte Art des Mormonismus, die in den hochgradig doktrinären, „nicht-zurückziehen-nicht-nachgeben-Positionen“ gipfelte, die von bestimmten Kirchenführern und Mitgliedern besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingenommen wurden. Ich würde dem Grundgedanken des CES-Briefes eigentlich zustimmen, dass der Mormonismus, auf den er reagiert, unhaltbar ist. Wo ich nicht zustimme: ich glaube nicht, dass der Mormonismus, auf den der Brief antwortet, tatsächlich der wahre, einzige oder unvermeidliche Mormonismus ist. Sicherlich war das der Mormonismus einiger Leute, aber es ist nicht mein Mormonismus, und ich glaube nicht, dass es der Mormonismus ist, der in zukünftigen Jahrzehnten und Jahrhunderten Bestand haben wird.“ Menschen Scham einreden für ziemlich berechtigte Zweifel, das ist einer der ungesunden Knackpunkte, warum manche Eltern ihren Kindern die Kirche nicht mehr antun wollen, OBWOHL sie sicher auch gutes hatte. Das Gute, was die Kirche bietet, wird dadurch mit zerstört. Das Beste an der Aussage von Mason wie ich finde: Die Kirchenführung hat es selbst in der Hand,… Weiterlesen »

D.
D.
3 Monate her
Reply to  G.M.

Präs. Hinckley war mein Liebling, ich fand ihn super. Aber er hat genau dieses dichotome Denken auf die ultimative Spitze getrieben mit der Behauptung, das BM wäre entweder wahr oder der größte Betrug der Neuzeit usw.

G.M.
G.M.
3 Monate her
Reply to  D.

genau das hat mich ebenfalls seit paar Jahren immer gewundert. Ich vermute damals wurden noch die Möglichkeiten des Internet unterschätzt.

H.S.
H.S.
3 Monate her
Reply to  G.M.

man kann absolute Formulierungen nicht relativieren, ohne einen intellektuellen Fehlschluss zu erzeugen. Diese Fehler machen sämtliche Ideologen. Sie definieren ein System, an welches sie sich selbst nicht halten, während sie andere verurteilen.

P.
P.
3 Monate her

Gute Frage was man daraus machen soll …das kann, glaub ich, nur jeder für sich beantworten.

A. K.
A. K.
3 Monate her

Hallo, als ich ihn gelesen habe kam mir die Frage in den Sinn „Was bleibt?“. Auf der einen Seite ist viel Unsicherheit aber auf der anderen Seite auch viel Freiheit.

Ich persönlich habe auf lange Sicht eine für mich bessere Beziehung zu mir selbst, zu Gott und auch zur Kirche aufbauen können. Da bin ich auch noch keineswegs am Ende.
Alles Gute 

G.M.
G.M.
3 Monate her
Reply to  A. K.

Danke dass du mal die eigene gesunde beziehung zu dir selbst ins spiel gebracht hast.

Bei der Diskussion um den CES Letter wird häufig nur diskutiert und in Betracht gezogen, wie es der Kirchenorganisation damit geht. Aber genau das war ja eigentlich schon die gesamten Jahrzehnte das Problem…. 

In der letzten Support Runde hat ein wunderbarer Bruder nochmal eindrücklich geschildert, wie es für ihn war, als sein gesamtes Weltbild nach vielen Jahren Dienst in der Kirche auseinanderbrach. Das haut einen weg, ich denke der Hauptgrund ist dass Autoritäten in den 60ern bis 90ern zu sehr auf die Quartalszahlen geschaut haben, statt „sustainable“ zu sein. Aber wie Du andeutest, ergeben sich auch wunderbare Chancen auf vielen Ebenen.

P. D.
P. D.
3 Monate her

Trauerphasen. Gemäss Elisabeth Kübler-Ross, eine der bekanntesten Sterbeforscherinnen, können fünf Phasen für den Prozess des Sterbens und der Trauer unterschieden werden: Leugnen, Wut, Feilschen und Verhandeln, Depression und Annahme. Es hat 1 jahr bei mir gedauert bis ich es die Neue Information annehmen konnte. Joseph Smith wuerde keine 14 jaehrige heiraten diese Information muss falsch sein. Joseph Smith wuerde keine Frauen heiraten die bereits verheiratet sind. Joseph Smith hat kein Alkohol getrunken. Die „das stimmt nicht“ Liste war sehr lang. Wo geht der Zehnte hin? Ich konnte kaum etwas anderes in meiner Freizeit tun als zu lesen. Ich hatte so viele Fragen und ich brauchte die Antworten. Wie viele Frauen hatte Joseph Smith? Gab es polyandry? Was stimmt und was stimmt nicht? Ist caffee wirklich ungesund? Ist Alkohol ungesund? Naechstenliebe finde ich immer gut. Zehnten zahlen finde ich gut, aber koennte mein Zehnter bei UNICEF oder dem Roten Kreuz mehr Gutes tun? Wenn ich in den Tempel gehe kann ich besseres mit meiner Zeit tun? Wenn die Kirche wahr ist und ich wirklich Tote erloese dann gibt es nichts besseres als oft in den Tempel zu gehen. Aber wenn die Kirche falsch waere? Dann koennte ich mit meiner Zeit etwas besseres tun. Wenn die Kirche wahr ist tue ich meine Zeit und mein Geld richtig investieren. Aber wenn die Kirche falsch ist was dann? Wenn die Kirche falsch ist und ich erziehe meine 3 Kinder in der Kirche. Meine Kinder koennten auf mission gehen. Wenn die Kirche wahr ist super,… Weiterlesen »

K.
K.
3 Monate her
Reply to  P. D.

Das mit den Sterbephasen hatte ich ich mir auch genau so überlegt und es hat auch ähnlich auf mich zugetroffen.

Die Phasen haben ca. 20 Jahre gedauert. Ich bin noch aktiv , habe aber aber meine eigene Sichtweise auf Dinge. Ich bin sehr interessiert an Theologie allgemein und versuche aus der Bibel das rauszunehmen, was gut ist und mir weiter hilft.

Noch brauche ich die Gemeinschaft am Sonntag und eine gemeinsame spirituelle Zeit . Ich schau mir alles an, was es sonst noch gibt, was mich näher zu Gott bringt und mich mehr über ihn erfahren lässt, denn von ihm hab ich tatsächlich ein Zeugnis.

Die Kirche ist nicht wahr und ich hab lange unter dem Betrug gelitten , es ist schon schwierig, mit Freunden sonntags zusammen zu sein, die das noch glauben, sehr lange werde ich das auch nicht mehr weiter machen , aber noch ist es zu früh, hab ja auch Kinder in der Kirche , Jugendliche, die diese Gemeinschaft, Lager, Tanzabende noch brauchen und die ich auch im Glauben an Gott und alles was damit zusammenhängt, erziehen will. Ich weiß, ich bin nicht sehr konsequent, aber alles hat seine Zeit und ich habe großen Frieden in mir. Hat aber wie gesagt sehr lange gedauert

M.
M.
3 Monate her
Reply to  P. D.

wenn es einen liebenden Gott gibt, wovon ich ausgehe, weil ich IHN in meinem Leben erfahren und erlebt habe, dann wäre doch ein Weg all diese Dinge herauszufinden, IHN zu fragen. Er hat mir Trost und Antworten gegeben, keine Einbildung! Allerdings musste ich dafür „arbeiten“ besser gesagt kämpfen. Ich habe für 6 Monate jedes Wochenende gefastet, bis ich IHN und seine übergroße Liebe erfahren durfte. Ich weiß nicht, was in dem Brief steht, aber du sagtest, dass Du am liebsten die BM wegwerfen würdest. Nun dazu kann ich aus eigener Erfahrung und Recherche sagen, dass zumindest der Reisebericht von Jerusalem bis zum Arabische Meer (Jemen) war ist. Ich habe 10 Jahre in Saudi Arabien gelebt und mit Archäologen Lehis Reiseroute erforscht und gefunden. Wir waren viele Male im Tal Lemuel usw…. Es gibt heute nich Orte, die an die Beschreibungen im BM erinnern. J.Smith war bestimmt nicht vollkommen und auch kein Heiliger, aber ohne Offenbarungen hätte er diese nicht wissen können. Ja, es gibt Dinge in der Kirche, die nicht optimal laufen, verwundern und ich manchmal nicht verstehen und auch nicht einordnen uns manchmal auch nicht akzeptieren kann. Muss ich alles verstehen? Nein, kann ich aus meiner Mikrobenperspektive auch nicht. Das einzig Wichtige für mich ist, dass ich weiß, dass der Herr lebt, existiert, uns über alles liebt und möchte, dass wir das beste Leben leben, was wir können. Ich halte mich nicht mit den möglichen Fehlern von Priestertumsführern oder Profeten auf. Daran kann ich nichts ändern. Habe genügend mit… Weiterlesen »

P. D.
P. D.
3 Monate her
Reply to  M.

Es gab eine Zeit da habe ich meinen glauben an die HLT Kirche wirklich geglaubt. In dieser Zeit machte mich die Kirche sehr glücklich. Dann kamen die Fragen auf und ich suchte innerhalb der Kirchenliteratur antworten. Je mehr is las desto mehr Fragen kamen. Zum Schluss war mein Glaube an die HLT Kirche weg.

An was glaube ich nun? Ich glaube an das Gute in Menschen. Ich zahle keinen Zehnten mehr an die HLT Kirche aber ich spende an Organisationen die meiner Meinung nach gutes tun. Ich lese im Buch Mormon und in der Bibel und ich tue auch beten. An organisierte Religion glaube ich nicht mehr. Ich glaube nicht das Kaffee Sünde ist. Ich folge keinem Propheten mehr. Meine Entscheidungen ich mache Listen mit Vorteilen und Nachteilen. Geistig überleben? Es gibt sehr viele gute Bücher und Filme auch ausserhalb der HLT Kirche. Es gibt so viele tolle Menschen auf der Welt manche glauben an Gott und andere wiederum nicht. In der Kirche fühlte ich mich als Frau so eingeschränkt der Gedanke später meinen Ehemann in Himmel teilen zu müssen machte mich traurig (the new and everlasting covenant).

Lisa
Lisa
3 Monate her

Ich muss das erstmal alles sacken lassen, aber das Wegwerfen hat mir heute gut getan

G.M.
G.M.
3 Monate her
Reply to  Lisa

tja wenn man uns gesagt hätte dass das fiktionale Geschichten zur moralischen Belehrung sind und weniger mit historischer Realität zu tun haben, könntest du deinem Kind wohl mit gutem Gefühl immer noch daraus lehren…ist leider mit vielen Geschichten der Bibel ähnlich…
(Beim Buch Mormon wäre nur das dumme dass JS halt felsenfest behauptet hat das wäre alles genau so historisch passiert, und somit der Gründer schonmal etwas vertrauen einbüsst…)
Ich finde total viel sehr wertvoll, aber es ist wichtig dass wir verstehen in welchem kulturellen Kontext das alles entstanden ist. Kirchenführer merken vielleicht langsam, dass man im Internetzeitalter die „das ist alles buchstäblich passiert“-Karte weniger spielen sollte…kommt nicht so gut.

T.
T.
3 Monate her

An sich ist der CES-Letter nur ein Sammelsurium an bereits seit Jahrzehnten vorgebrachten Kritikpunkten, mit denen man sich zumindest mal auseinandergesetzt haben sollte.

Leider ist er nicht besonders gut, sachlich oder annähernd wissenschaftlich geschrieben (die Nutzung von Quellen ist oft sehr.. sagen wir mal.. „kreativ“; manche Argumente z.B. zur Übersetzung oder zur Geographie des BM sind für mich als Philologen einfach nur zum Haareraufen, scheinen aber zunächst plausibel, wenn man als Laie rangeht; andere Kritikpunkte weisen zumindest auf schwierige Themen, das aber oft reißerisch, da hat zumindest die spätere Auflage etwas ausgebessert… etwas).

Mein Tipp wäre: Geduld. Die Emotionen, welche die Lektüre ausgelöst haben mögen, abebben zu lassen, um sich dann gezielt über einzelne Themen zu informieren (von beiden Seiten) und abzuwägen, was „bleiben“ kann und wo man umdenken sollte.

Anonymus
Anonymus
3 Monate her
Reply to  T.

Wohl wahr. Bedenke aber, was die „Gegenseite“ an philologisch Unkorrektem vorbringt und damit gaslighting-Opfer produziert. Es handelt sich beim Thema CES-Letter um einen Schlagabtausch auf sehr tiefer Augenhöhe.

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