„Lieber Elder Oaks: Ein Jahrzehnt in der HLT-Kirche“ – die Geschichte von Elder Randell Hoffmann

Elder Randell Hoffmann erzählt seine bewegende Geschichte, die in Reaktion auf Elder Oaks letzte Generalkonferenzansprache (Herbst 2017) entstand. „Randy“, wie ihn seine Freunde nennen, stammt aus Kalifornien und diente bis Juli 2015 in der Deutschland Berlin Mission.

Lieber Elder Oaks,

Heute vor zehn Jahren wurde ich in die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getauft. Es war ein wunderschöner, besonderer Anlass, eine Verordnung, die ich gemeinsam mit Familie und Freunden gleichermaßen erleben durfte. Die Erinnerung daran ist in meinem Herzen genauso tief verwurzelt wie noch am Tag danach. Die Redner, die gesprochenen Worte, die gesungenen Lieder. Ich erinnere mich an die Schwestermissionare, die mich belehrt haben, und mich mit einer Interpretation von „Ich bin ein Kind von Gott“ überrascht haben. Ich saß dort in meinem weißen Overall, barfuß und mit kalten Füßen, hörte den Sprechern zu und fühlte mich so warm.

 

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Glaubensstufen-Modell von James Fowler: Welchen Nutzen bietet es Kirchenmitgliedern?

Hast Du den Eindruck, Deine Art und Weise zu glauben verändert sich und würdest das gerne näher verstehen? Wunderst Du Dich, warum so viele Deiner 20-40 jährigen Glaubensgefährten den Glauben ihrer Kindheit hinterfragen? Fühlt es sich für Dich seltsam an, Menschen wegen ihrer „Glaubenskrise“ ohne tieferes Hinterfragen das Label „Übertreter/Zweifler“ anzuheften?  Möchtest Du die Beziehung zu Familienangehörigen verbessern, die „anders“ glauben als Du? Möchtest Du ein Kind optimal im Glauben fördern und fragst Dich, was besonders wichtig dabei ist? Dann geht es Dir nicht anders als vielen anderen Gläubigen, denen das Modell von James Fowler bereits weitergeholfen hat.
So häufig wurde ich bereits von anderen Glaubensgeschwistern und Teilnehmern der openfaith-Facebookgruppe  über Details zum Glaubensstufen-Modell von James Fowler gefragt, dass ich mir dachte, ich müsste dazu mal einen Beitrag posten. Das Modell bietet die Chance, Glaubensentwicklung besser verstehen und fördern zu können. Es hilft Verständnis unter Individuen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen herzustellen und Andere (auch sich selbst) in einer Glaubenskrise nicht unnötig zu verurteilen. Vielmehr kann die Phase als Entwicklungsschritt verstanden und gestaltet werden. Zunächst sollen in diesem Artikel die Phasen der Glaubensentwicklung vorgestellt – danach das Modell diskutiert werden.

Erklärung

Vorstufe: Undifferenzierter Glaube
(im Säuglingsalter)
  • Auf dieser Stufe entwickeln Kleinkinder einfaches Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen zum engsten Kreis seiner Mitmenschen (Mutter, Vater, Geschwister, etc.)
  • Die Qualität und Tiefe auf dieser Stufe bilden die Basis für alle späteren Entwicklungen des Glaubens für die Person.

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Freie Diskussion: HLT-Mitglied, dann Agnostiker oder Atheist – warum verbleiben vergleichsweise wenig Ex-Mormonen in einem christlichen Weltbild?

rausgehenBei diesem Beitrag handelt es sich um eine offene Diskussion, bei der jeder Leser zur aktiven Teilnahme per Kommentarfunktion (siehe unten) eingeladen ist. Es wurden verschiedene deutschsprachige Mormonen und Ex-Mormonen Facebook Communities eingeladen. Im Folgenden wird zunächst das Thema / die Fragestellung und meine eigene Antwort präsentiert.

Fragestellung/Thema

Ein Phänomen das ich durch einige Gespräche und Beobachtungen erfahren habe ist, dass wenn HLT-Mitglieder dem Glauben ihrer Kindheit den Rücken kehren, die Mehrheit Agnostiker oder Atheisten werden. Vergleichsweise wenige verbleiben aktiv in einem christlichen Weltbild oder schließen sich einer anderen christlichen Glaubensgemeinschaft an. Freie Diskussion: HLT-Mitglied, dann Agnostiker oder Atheist – warum verbleiben vergleichsweise wenig Ex-Mormonen in einem christlichen Weltbild? weiterlesen

Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben

Patrick Mason, Author des neuen autorDeseret Book Titels Planted: Belief and Belonging in an Age of Doubt, sprach vor kurzem bei einer FairMormon-Konferenz über die aktuelle „Kulturkrise“ der HLT-Kirche im Umgang mit Zweifel. Er ging dabei auch auf den Brief an einen CES-Direktor, die Verantwortung der Kirche(-nkultur) für die Reaktionen zweifelnder Mitglieder und Prognosen für die Zukunft der Kirche ein. Hier die Übersetzung einiger Aussagen des Vortrags inkl. Zeitangaben der jeweiligen Stelle im Video: (Die Aufzeichnung selbst ist nur auf englisch vorhanden).

12 Min. 6 Sek.
Der CES-Brief ist beispielhaft für diese „Alles oder Nichts“-Herangehensweise an das Thema Religion. Der Brief ist in gewisser Weise ein perfektes Spiegelbild der Version des Mormonismus auf die er reagiert. Jeremy Runnels mag den Brief geschrieben haben, aber es war eigentlich unvermeidbar, dass dies geschieht. Irgendjemand, irgendwann, irgendwo hätte diesen Brief geschrieben weil er eine offensichtliche Antwort auf einen gewissen Stil, Ton und Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben weiterlesen

Mormon Stories Interview-Runde: Als „unorthodoxes“ Mitglied aktiv in der HLT-Kirche bleiben

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Übersetzung einer englischsprachigen Interview Runde, moderiert von Dr. John Dehlin (Gründer der Open Stories Foundation und Mormon Stories), die ich mit seiner freundlichen Genehmigung ins Deutsche übersetzt habe.

Teilnehmer

  • Ph.D. Dan Wotherspoon13413029_961154687369_1018238158481698619_n (im Bild links): Aktives HLT-Mitglied, wohnhaft in Utah, Moderator / Interviewer „Mormon Matters – Podcast“
  • Ph.D. Gina Colvin: Aktives
    HLT-Mitglied aus Neuseeland, Moderatorin / Interviewerin „A Thoughtful Faith – Podcast“
  • Thomas McConkie: Wieder aktives HLT-Mitglied nach über 20 Jahren Buddhismus, Großneffe von Bruce R. McConkie, Autor des Buches „Navigating Mormon Faith Crisis: A Simple Developmental Map“

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Bestimmung von Wahrheit anhand von geistigen Gefühlen

Die wohl vorhersehbarsten Fragen, mit denen ich bisher in meiner Glaubensveränderungsphase von glaubenstreuen Mitgliedern und lokalen Kirchenführern konfrontiert wurde, lauten in etwa: „Hattest du nicht bereits ein Zeugnis bzw. eine geistige Bestätigung, dass die Kirche wahr ist?“ oder „Hast du nicht damals die Wahrheit der Kirche selbst gefühlt?“
Die Frage ob und wie man die Wahrheit oder Unwahrheit einer Kirche messen bzw. bestimmen kann ist für viele Betroffene aktueller denn je. In diesem Beitrag nun drei Rückfragen von mir an die oben erwähnten Kirchenmitglieder, die sich wundern warum Menschen wie ich auf die Methode der gefühlsbasierten Wahrheitsmessung nicht mehr vertrauen.

 

Drei Rückfragen an Kirchenmitglieder, die sich wundern warum andere nicht mehr auf die Wahrheitsmessung anhand von geistigen Gefühlen vertrauen

FRAGE NR. 1
Wenn viele Gläubige anderer Kirchen behaupten, durch geistige Gefühle die alleinige Wahrheit ihres Glaubens erfahren zu haben….wie kannst Du so genau wissen, dass Deine eigene Eingebung bezüglich Deiner Religion die richtige ist? Wie kann ich sicher gehen, dass andersgläubige Anwender der Methode mit ihrer Schlussfolgerung falsch liegen aber Du als HLT richtig?

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Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt

Dieser Artikel ist eine adaptierteimages Version des englischsprachigen Originals What to say to a friend who is leaving the Church von Jeff Swift.

Fast jedes Mitglied heutzutage scheint jemanden zu kennen, der darüber nachdenkt die Kirche zu verlassen oder es bereits getan hat: Vielleicht ein Freund oder Bekannter, ein Cousin, der eigene Ehepartner oder jemand anderes aus Deiner Familie (der Einfachheit halber nenne ich diese Person von nun an schlicht „Freund“). Obwohl jede Situation individuell ist, hier einige allgemeine Grundsätze die beim Gespräch helfen können.

Was man lieber NICHT sagen sollte

„Liest du denn regelmäßig in den Heiligen Schriften?“

Vermutlich denkst Du dir gar nichts Böses dabei, aber im Grunde behauptest Du damit, Dein Gegenüber sei an seinen Problemen selbst schuld. Wie man mit einem Freund sprechen sollte, der die Kirche verlässt weiterlesen

Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“

9075_10201312675601480_1525601198_nIch heisse Iris, wohne in der Schweiz und bin als fünftes Kind in eine Mitgliederfamilie der
HLT-Kirche hineingeboren. Ich bin alleinerziehend und mit meinen zwei Söhnen aktiv in der Kirche. Durch diverse Erfahrungen habe ich die Kirche lieben gelernt, aber sehe durch andere Eindrücke und Erlebnisse heute einige Dinge etwas anders als früher. Ich wurde vor einiger Zeit als „HLT“ („Hippie der Letzten Tage“) bezeichnet und ich denke das passt ganz gut zu mir… 😉

Kindheit und Jugend

Ich durfte eine unbeschwerte Kindheit erleben und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister das Evangelium gelehrt und wir sind stets jeden Sonntag zur Kirche gegangen. In meinen Jugendjahren begann ich vieles was die Lehren der HLT-Kirche betrifft zu hinterfragen, drei meiner Geschwister waren damals inaktiv und kamen nicht mehr zur Kirche. Ich war ein weltoffenes junges Mädchen und war gerne etwas anders als alle andern. Ich lief mit Schlaghosen herum und hörte mir die Beatles an, obwohl dies längst nicht mehr Mode war. Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“ weiterlesen

Guido: „Obwohl ich vieles in der Kirche schätze, stehen Exklusivismus und Meinungskontrolle mit meinen wichtigsten Werten im Widerspruch“

GuidoKlimpel

Ich heiße Guido und bin in eine Mormonen-Familie im Zweig Leer (Pfahl Hamburg) als jüngstes von acht Kindern zur Welt gekommen. Von 1998-2000 war ich in der Österreich Wien Mission Vollzeit-Missionar. Danach habe ich mehrere Jahre an der BYU in Provo studiert, wo ich u.a. im Missionary Training Center gelehrt habe.
Meine persönlichen Erfahrungen mit der Kirche waren zunächst sehr positiv und dann in einer späteren Lebensphase gemischt bis negativ. Einige Mitglieder waren und sind wie Familie für mich. Ich habe bereits früh unsere Gesangbuch-Lieder schätzen gelernt und war in vielen verschiedenen Chören auf Pfahl- und Gemeindeebene aktiv, schließlich auch im überregionalen Kammerchor „Vocalis“. Ich liebe außer der Kirchenmusik viele weitere Aspekte, z.B. die gesundheitsbewusste Lebensweise, den Grundgedanken der fortdauernden Offenbarung, die ehrenamtliche Hingabe und Hilfsbereitschaft vieler Mitglieder sowie soziale Aktivitäten wie Tagungen und Tanzveranstaltungen.
Aktuell bin ich in einer Lebensphase in der mir Authentizität ungemein wichtig ist. Auch wurden mir durch verschiedene Erfahrungen die Augen dafür geöffnet, wie viele Menschen  unnötig leiden. Da ich mich manchen Glaubensaspekten noch verbunden fühle und bedeutungsvolle soziale Verbindungen innerhalb der Kirche habe, bleibe ich mit dem Mormonismus auf diese Weise in Berührung. Ich bin Optimist und hoffe, dass die Kirche sich in ihrer Glaubensinterpretation und Kultur weiterentwickeln wird. Ob Platz für Menschen wie mich darin ist und auch ob ich noch den Wunsch haben werde, Mitglied zu bleiben, muss sich für mich noch zeigen. Guido: „Obwohl ich vieles in der Kirche schätze, stehen Exklusivismus und Meinungskontrolle mit meinen wichtigsten Werten im Widerspruch“ weiterlesen

Audio: „The Challenges of Modern Mormonism“

John Dehlin sprach auf der Sunstone Konferenz über die aktuellen Herausforderungen der Kirche und erörtert dabei auch die Lage der Kirche in Europa.

Er geht zunächst auf seine europäische Herkunft und sein Aufwachsen in der Kirche ein. Nachdem er sehr viele positive Erinnerungen auflistet, leitet er über zu den Herausforderungen und erklärt, warum er glaubt, dass Entwicklungen der Kirche in Europa signifikant für den Rest der Welt sind. Am Ende beantwortet er einige Fragen der Zuhörer. (Hinweis: Leider ist insbesondere bei den Fragen und Kommentaren der Zuhörer die Audio-Qualität nicht optimal.)

Diese Aufnahme wurde zur Veröffentlichung freigegeben von Lindsay Hansen Park von der Sunstone Education Foundation. Ich empfehle das Magazin von Sunstone und freue mich, dass Sunstone nach Europa gekommen ist und vielleicht, wie John Dehlin in seinem Vortrag erwähnt, auch im nächsten Jahr nach Deutschland kommt.