Generalkonferenz-Reaktionen: Offener Brief von John Bonner an Elder Oaks

Folgender Brief wurde von John Bonner an Elder Oaks verfasst – in Reaktion auf seine Generalkonferenz-Ansprache am 6. Oktober 2018. Mit seiner Zustimmung wird der bewegende Brief, der unter Anderem das Schicksal des homosexuellen Enkels von Elder Oaks andeutet, hier in einer deutschen Fassung dargeboten.

Lieber Elder Oaks,

Ich habe heute Morgen Ihre Rede zur Generalkonferenz gesehen. Sie sagten: „Aus unserer Sicht sind die höchsten Schätze auf der Erde und im Himmel unsere Kinder und unsere Nachkommenschaft.“ Das ließ mich an die Erfahrungen denken, die ich mit Ihren Kindern und Enkeln in der vergangenen Woche gemacht habe.

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„Wir beschlossen, nicht mehr zu kuscheln, und der Bischof ließ uns Freunde bleiben. Dann erlaubten wir uns eine letzte ausgedehnte Umarmung…“

Dies ist die Geschichte von Chris (Name geändert), einem homosexuellen Bruder aus den USA, der vor etwa 10 Jahren in der Deutschland Hamburg Mission diente. Er schildert in Teil 1 seine Jugend, seine Mission und sein schmerzerfülltes und hoffnungsloses Beziehungsleben nach Mission, das ihn unter Anderem zu intensiven Selbstmordgedanken trieb, aber dann letztlich den Nährboden für eine Glaubensveränderung legte. In Teil 2 weiter unten erzählt er, wie sich seine Glaubensansichten und das Verständnis seines eigenen Geschlechts und seiner Sexualität verändert haben.

TEIL 1: MEINE GESCHICHTE

Mein Aufwachsen in der Kirche

Ich weiß nicht, ob sich meine ersten 19 Jahre wirklich von dem unterscheiden, was die meisten Mormonen erleben. Außer vielleicht, dass ich mich seit dem Alter von fünf oder sechs Jahren, wenn nicht schon früher, zu Männern hingezogen fühlte. Einige Leute haben es vermutet, aber niemand außer mir wusste es. Ich habe mich versteckt. Damit niemand meine weiblichen Seiten bemerken würde, versuchte ich, meine Stimme tiefer klingen zu lassen. Ich habe immer versucht, mich nicht feminin zu verhalten. Als Teenager ging ich hier und da an den Rand einer tiefen Depression, aber ich kam zurecht. Diese Gefühle würden verschwinden, oder? Und ich könnte stattdessen in Mädchen verliebt sein!

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„Lieber Elder Oaks: Ein Jahrzehnt in der HLT-Kirche“ – die Geschichte von Elder Randell Hoffmann

Elder Randell Hoffmann erzählt seine bewegende Geschichte, die in Reaktion auf Elder Oaks letzte Generalkonferenzansprache (Herbst 2017) entstand. „Randy“, wie ihn seine Freunde nennen, stammt aus Kalifornien und diente bis Juli 2015 in der Deutschland Berlin Mission.

Lieber Elder Oaks,

Heute vor zehn Jahren wurde ich in die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getauft. Es war ein wunderschöner, besonderer Anlass, eine Verordnung, die ich gemeinsam mit Familie und Freunden gleichermaßen erleben durfte. Die Erinnerung daran ist in meinem Herzen genauso tief verwurzelt wie noch am Tag danach. Die Redner, die gesprochenen Worte, die gesungenen Lieder. Ich erinnere mich an die Schwestermissionare, die mich belehrt haben, und mich mit einer Interpretation von „Ich bin ein Kind von Gott“ überrascht haben. Ich saß dort in meinem weißen Overall, barfuß und mit kalten Füßen, hörte den Sprechern zu und fühlte mich so warm.

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Disneyland 2007

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Generalkonferenz-Kommentar: „Elder Oaks, was wir brauchen ist mehr Liebe – keine Bekräftigung von Proklamationen und Richtlinien, die Kinder Gottes ausgrenzen“

Nachdem ich mich dem wieder mehr öffnen kann, habe mir die Samstagvormittag-Versammlung der Generalkonferenz angeschaut. Freute mich auf die geistige Erbauung. Diese kam auch, und zwar mehr als ich mir erhofft hatte, bis dann Elder Oaks an die Reihe kam…

Uchtdorf

Erste Ansprache: Uchtdorf spricht wirklich aufbauend und versöhnlich. Die Worte sind für mich nicht nur inspirierend, sondern für bisherige Kirchenstandards so inklusiv, dass ich meinen Ohren kaum traue und etwas ungeduldig andere im Raum bitte, leise zu sein, damit ich nichts davon verpasse. Uchtdorf erwähnt bedeutende Charaktere in der Entstehung der Kirche, wie z.B. Martin Harris, Oliver Cowdery und Generalkonferenz-Kommentar: „Elder Oaks, was wir brauchen ist mehr Liebe – keine Bekräftigung von Proklamationen und Richtlinien, die Kinder Gottes ausgrenzen“ weiterlesen

Papst Franziskus entschuldigt sich in historischem Interview bei der LGBT-Community

fanziskusDass mich diese tolle Nachricht an meinem Geburtstag erreicht, finde ich irgendwie schon sehr emotional. Ein besseres Geschenk hätte es nicht geben können. Auch ist es definitiv die beste Neuigkeit, die ich dieses gesamte Jahr gelesen habe. Ein historischer Moment, denn so klar wurde das von einem katholischen Kirchenoberhaupt noch nie ausgedrückt.

Heute morgen schreibt Spiegel Online:

„Auf dem Rückflug von seiner Reise nach Armenien hat sich das Kirchenoberhaupt den Fragen von Journalisten gestellt. Dabei sagte Franziskus, dass Schwule und Lesben eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die katholische Kirche verdient hätten.
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Sascha: „Es kann nicht sein dass Gott mich so erschafft und mir dann verbietet, so zu sein“

Bildschirmfoto 2016-05-01 um 20.23.55Mein Name ist Sascha. Ich habe vor einigen Jahren die Missionare getroffen und mich zur Kirche bekehrt. Aktuell bin ich Mitglied der Gemeinde Wetterau im Pfahl Friedrichsdorf und habe mich irgendwann entschieden gegenüber anderen Gemeindemitgliedern offen über meine Homosexualität zu sprechen. Ich habe mich von Guido interviewen lassen, um über meine Bekehrung und meine Erfahrungen als homosexuelles Mitglied zu berichten. Außerdem sage ich etwas zur Haltung der Kirche gegenüber homosexuellen Mitgliedern.

Sascha, danke für dein Angebot, offen über deine Erfahrungen zu sprechen. Was hat dich dazu motiviert?

Ich möchte gerne dass Mitglieder ein besseres Verständnis davon gewinnen, wie es ist, ein homosexuelles Mitglied der Kirche zu sein. Außerdem hat die Initiative, die du mit dieser Webseite gestartet hast meine volle Unterstützung.

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Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“

9075_10201312675601480_1525601198_nIch heisse Iris, wohne in der Schweiz und bin als fünftes Kind in eine Mitgliederfamilie der
HLT-Kirche hineingeboren. Ich bin alleinerziehend und mit meinen zwei Söhnen aktiv in der Kirche. Durch diverse Erfahrungen habe ich die Kirche lieben gelernt, aber sehe durch andere Eindrücke und Erlebnisse heute einige Dinge etwas anders als früher. Ich wurde vor einiger Zeit als „HLT“ („Hippie der Letzten Tage“) bezeichnet und ich denke das passt ganz gut zu mir… 😉

Kindheit und Jugend

Ich durfte eine unbeschwerte Kindheit erleben und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister das Evangelium gelehrt und wir sind stets jeden Sonntag zur Kirche gegangen. In meinen Jugendjahren begann ich vieles was die Lehren der HLT-Kirche betrifft zu hinterfragen, drei meiner Geschwister waren damals inaktiv und kamen nicht mehr zur Kirche. Ich war ein weltoffenes junges Mädchen und war gerne etwas anders als alle andern. Ich lief mit Schlaghosen herum und hörte mir die Beatles an, obwohl dies längst nicht mehr Mode war. Iris: „In der Kirche lernte ich wie wertvoll Wahrheit ist – somit möchte ich die Wahrheit über unsere Kirchengeschichte kennen, nicht nur eine geschönte Version“ weiterlesen

Reaktion eines homosexuellen Kirchenmitgliedes auf Elder Bednar

Heute postete ein homosexuelles Kirchenmitglied, Bruder Tyler Glenn eine Reaktion auf die Aussage von Elder David A. Bednar: „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“. Die Reaktion kam offensichtlich kurz nachdem er das Video von Elder Bednar gesehen hatte.
Tyler ist Lead-Sänger der Band Neon Trees. Er hat verschiedene Lieder unter Anderem auch auf Veranstaltungen für Kirchenmitglieder gesungen. Eine Frage zum Nachdenken: Wie viel Schmerz verursachen wir mit solchen Aussagen bei unseren Schwestern und Brüdern?
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Elder David A. Bednar: „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“

Das Statement von Elder Bednar „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“, das er in einem Frage-und-Antwort Forum am 23. Februar in Lateinamerika äußerte, hat seit dem 1. März 2016 im Internet und den soziale Netzen ein Erdbeben ausgelöst – man höre und staune: sogar in der deutschsprachigen Mormonen-Welt!

Beim Anschauen des Videos war ich – sicherlich zusammen mit einigen Anderen – zunächst perplex.

Ich lernte von Elder Bednar, dass es keine „homosexuellen Mitglieder“ gibt, da Homosexualität nicht die Identität eines Menschen bestimmt, sondern, dass sie eine Art „Herausforderung“ im Fleische darstellt, eine Schwäche, die wie so viele andere Schwächen überwunden bzw. ertragen werden kann. Er fügt hinzu, dass man sich eben nicht über eine Schwäche definiert, sondern dass alle Menschen einfach nur „Kinder Gottes“ sind, und nicht „Homosexuelle“.

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