Analyse: „Sie können die Kirche verlassen, sie aber nicht in Ruhe lassen“

“Sie können die Kirche verlassen, sie aber nicht in Ruhe lassen” – oder auf englisch „They can leave the church but they can’t leave it alone.“

Dieser Satz steht für eine Denkweise oder einen Vorwurf, mit dem viele hinterfragende und ehemalige Mitglieder von ihren traditionell kirchengläubigen Mitmenschen konfrontiert werden. Dahinter steht die Annahme, dass jemand aus niederen Instinkten heraus weiterhin die Beschäftigung mit der Kirche sucht, obwohl man sich bereits abgewandt hat. Gleichzeitig steckt darin die Erwartung, dass man die Kirche einfach still verlassen sollte, ohne eine offene Aufarbeitung mit den „noch“ gläubigen Mitmenschen. In diesem Artikel wird darauf eingegangen, was dieser Denkansatz in einem Menschen auslöst und was daran kritisch zu bewerten ist.

Adaptiert und übersetzt mit Genehmigung aus einem Artikel von Dr. John Dehlin
(https://www.mormonfaithcrisis.com/why-you-cant-and-shouldnt-leave-the-mormon-church-alone/ )

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„Evangelium und Kirche“ von Elder Ronald Poelman: die ungekürzte Generalkonferenz-Ansprache

In unserer Facebook-Gruppe entstand der Wunsch, die unzensierte Ansprache „Evangelium und Kirche“ des Siebzigers Ronald Poelman aus der Herbst-Generalkonferenz 1984 auf deutsch verfügbar zu machen. Seine Ansprache hilft Zuhörern, eine gesunde Trennung von Evangelium und Kirche vorzunehmen, die vor falschen Erwartungen und Verurteilungen schützt. Außerdem hilft sie Gläubigen, sich selbst mehr Freiheit für persönliche Inspiration und Interpretation zu gewähren. Die ursprüngliche Ansprache von Poelman lässt Mitgliedern Raum dafür, gemäß individueller Inspiration eine Evangeliums- und Gott-bezogene Orthodoxie zu entwickeln, und warnt vor den ungesunden Folgen einer primär kirchenkulturellen, organisationsbezogenen Orthodoxie.
Leider wurde die Original-Ansprache vor der Veröffentlichung drastisch nacheditiert oder wenn man so möchte: zensiert. Da wir aber speziell die gestrichenen Inhalte für sehr förderlich halten, stellen wir es hier inkl. aller gestrichenen Passagen in einer deutschen Übersetzung gegenüber. Wir meinen es hilft Lesern, einen gesunden Umgang mit religiösen Organisationen zu erlernen. Ein großes Dankeschön an Folkhard Konietz für die teilweise Übersetzung und Aufbereitung des deutschsprachigen Dokuments.

Elder Ronald Poelman: links in seiner Original-Ansprache, rechts vor leeren Rängen im Tabernakel…mit einer redigierten Version

Entstehung der zwei Versionen

Weil Poelmans Ansprache von ein paar Mitgliedern per VHS-Video-Kassette während der Live-Ausstrahlung aufgenommen wurde, existieren zwei verschiedene Versionen der Ansprache. Die erste wurde wie angedeutet live auf der Generalkonferenz gegeben, aber dann im ursprünglichen Wortlaut nicht veröffentlicht. Sie ist nur bekannt geworden, nachdem einige Mitglieder die in den Kirchenmedien veröffentlichte Version gesehen haben und deutliche Unterschiede feststellten. Ihre vorher angelegte VHS-Kopie ermöglichte einen genauen Vergleich. Um für die Veröffentlichung wieder eine Aufzeichnung zu erstellen, musste Elder Poelman die zensierte, redigierte Ansprache erneut im Tabernakel halten – vor leeren Rängen. Die redigierte Version wurde dann schlussendlich im Ensign / im Stern und auf den Medienseiten der Kirche veröffentlicht. (Der Stern, 111.Jahrgang)

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Adelheid: „Trotz aller guten Bemühungen schleichen sich Gewohnheiten ein, die destruktive Auswirkungen auf die Freiheit ganzer Gemeinschaften haben“

Adelheid Schnell ist Kirchenmitglied und Autorin eines deutschsprachigen Buches für Adelheid SchnellHLTs mit dem Titel „Früchte seiner Liebe hervorbringen – Selbständigkeit und Freiheit gewinnen“. Für die Herausgabe des Buches, in dem Sie für eine Gemeinschaft der Liebe wirbt, und auf diese Weise eigene Erfahrungen in der Kirche verarbeiten wollte, wurde sie zu ihrem eigenen Erstaunen vor einen Disziplinarrat gebracht, in dem untersucht werden sollte, ob sie „von der Kirche abgefallen“ sei. In diesem Beitrag schildert Sie ein paar ihrer Erfahrungen und berichtet über Erkenntnisse, die sie in dieser Zeit sammeln konnte.

Meinungsfreiheit und Rücksichtnahme

Berechtigt Meinungsfreiheit überall zu freier Meinungsäußerung? In einer Familie z.B. nehmen Vater und Mutter Rücksicht auf ihre Kleinkinder und Kinder und halten vieles vom eigenen Denken zurück, um sie nicht zu überfordern. Genauso ist das in einer Kirchen-gemeinde oder anderen Gemeinschaften: Wir nehmen mit den Äußerungen unserer Meinungen Rücksicht und holen den anderen gern dort ab, wo er gerade steht. Mit Rücksicht auf den unterschiedlichen Erkenntnisstand der Menschen ist es nicht gut, unsere Meinungen rücksichtslos überall kundzutun. Adelheid: „Trotz aller guten Bemühungen schleichen sich Gewohnheiten ein, die destruktive Auswirkungen auf die Freiheit ganzer Gemeinschaften haben“ weiterlesen

Offener Brief zur Gottesdienstgestaltung

gemeindehausLiebe Hohe Räte, Pfahlpräsidenten und Gemeindeleiter,

zunächst möchte ich betonen dass ich mit meinen Worten eine gute Absicht verfolge und niemanden vor den Kopf stoßen möchte. Ich bin jedoch auch davon überzeugt, dass Organisationen von konstruktiver Kritik profitieren können.

Heute, am Sonntagmorgen, wo ja viele HLTs die Kirchenversammlungen besuchen, möchte ich mir ganz bewusst mal die Zeit nehmen, um von zu Hause aus einen Brief an Euch zu verfassen.

Die erste Nachricht des Tages die mich heute früh morgens erreichte, war von einer Facebook-Freundin, die von ihrem Besuch der Abendmahlsversammlung in Neuseeland erzählte. Das Thema der Hohe-Rats-Botschaft dort lautete: „Der angemessene Gebrauch der sozialen Medien“. Sie empfand die dann folgende Ansprache als einen Versuch, Informationen von Mitgliedern fernzuhalten und von einer bestimmten Nutzung des Internet abzuhalten und drückte ihre Gefühle darüber folgendermaßen aus:

„Ich bin der Versuche, meine Gedanken zu kontrollieren, sehr müde geworden.“

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Apostel Dallin H. Oaks: „In der Regierung des Gottesreiches hat loyale Opposition keine Berechtigung“

Eine Aussage von Elder Dallin H. Oaks voBildschirmfoto 2016-05-30 um 19.17.04m Kollegium der Zwölf Apostel in der April-Generalkonferenz hat im Nachhinein einige Reaktionen und Diskussionen ausgelöst:

„In der heutigen Zeit scheinen die Kirche in ihrer göttlichen Mission und wir in unserem Privatleben auf immer größere Widerstände zu stoßen. Da die Kirche immer stärker wird und wir Mitglieder an Glauben und Gehorsam zunehmen, verstärkt vielleicht auch der Satan seinen Widerstand, damit es für uns auch weiterhin ‚in allen Dingen einen Gegensatz gibt‘. Mancher Widerstand kommt sogar von Mitgliedern der Kirche. Einige widersetzen sich mit eigenen Gedanken oder ihrer eigenen Weisheit prophetischem Rat und beanspruchen dafür ein Etikett, das aus der Politik stammt, nämlich das der ‚loyalen Opposition‘. Ein solches Konzept mag in einer Demokratie angebracht sein, in der Regierung des Gottesreiches aber, wo man zwar Fragen schätzt, aber keinen Widerstand, hat es keine Berechtigung (siehe Matthäus 26:24).“ Quelle: lds.org

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