Meine Spirituelle Reise: Auf der Suche nach Glaube, Gott und Gemeinschaft

Live-Gespräch mit Joachim Heng

KAPITEL

0:00 Einleitung
2:27 Bekehrung & Besuch der Gemeinde Gelsenkirchen
7:20 Missionsentscheidung & Hoffnung, Homosexualität loszuwerden
18:00 Rückkehr von Mission & Beginn einer tiefen Krise
24:10 Gemeinde als Familie & Wunsch, mit männl. Partner in Gemeinde zu gehen
30:00 Aufbau eines Freundeskreises mit Schwulencafé
34:00 Brief an den Bischof mit Bitte um Ausschluss & Therapie
39:40 Reaktion des Vaters & der Familie
53:00 Besuch der früheren Gemeinde mit Partner
57:00 Auseinandersetzung mit dem Judentum & weiteren Gruppen
1:06:00 Auseinandersetzung mit Buddhismus
1:16:00 Fragen & Kommentare der Zuhörer

HINTERGRUND

Joachim Heng ist evangelisch aufgewachsen. In seiner Jugend kam er mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) in Kontakt und lernte diese Gemeinschaft in Gelsenkirchen kennen. Er wird in diesem Live-Gespräch sehr offen sowohl über die zahlreichen und stark wiegenden positiven Seiten als auch über ungesunden Seiten seiner Erfahrung mit der Kirche sprechen, aber auch insgesamt wie seine spirituelle Reise sowohl davor als auch danach verlief.

Als junger Erwachsener ging Joachim für die Mormonenkirche nach England auf Vollzeitmission und hatte dabei das Versprechen eines Kirchenführers im Kopf, an das er sich folgendermaßen erinnert:
„Wenn Du ehrenhaft eine Mission erfüllst, wird Dir Deine größte Versuchung oder Herausforderung genommen werden.“

Für Joachim war diese größte „Herausforderung“ seine Homosexualität, von der er gelernt hatte, dass sie falsch oder sündhaft sei, fast so schlimm wie Mord. Er verstand die damaligen Lehren von Führern der Kirche so, dass Homosexualität selbst ohne sie sexuell auszuleben bereits ein Grund sei, um aus der Glaubensgemeinschaft exkommuniziert zu werden.

Seine Mission in England war eine geistig intensive Zeit, doch danach geriet in einen tiefen Zwiespalt, als er feststellte, dass seine Homosexualität nicht von ihm genommen worden war. Er liebte und brauchte weiterhin die geistige Gemeinschaft, die er in seiner Gemeinde fand und diente weiterhin ehrenamtlich, unter anderem als regionaler Führungssekretär und als Ratgeber in der Gemeindeleitung.

Der innere Druck und die Zerissenheit wuchs immer weiter, bis Joachim sich irgendwann entschied, offen mit dieser Situation umzugehen, dem Bischof einen Brief zu schreiben mit dem Geständnis seiner sexuellen Identität und einem Austrittsgesuch einzureichen. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass er sich bis dahin immer an die Regeln der Kirche gehalten habe. Seine lokalen Führer empfohlen ihm, eine Therapie aufzusuchen, um die Homosexualität los zu werden.

Wie diese Geschichte weiterging und Joachims spirituelle Reise ihn hinführte, erfährt man im Video

Meine Suche nach Gott: Fragen, Antworten, Überraschungen & Krisen

Live-Gespräch mit Roger Diethelm (Moderation: Guido Müller)

Art Credit: Del Parson („Carpenters Son“)

KAPITEL

0:00 Einleitung und Motivation
9:30 Erste Bestätigung für den Glauben an Gott
12:10 Hinterfragen schon beim Sonntagsunterricht für Kinder (PV)
15:48 Roboterhafter Eindruck mancher Missionare
19:15 Kleiner Junge hat Unfall & Heilende Macht Gottes
24:05 Gebete & wie Roger seine Frau gefunden hat
31:00 Tod seines Bruders & Sorgen um seine Seele
41:05 LGBT-Sichtweise ändert sich
51:50 Belehrungserfahrung lesbisches Pärchen
59:00 Dann „Iss, trink & sei lustig“?
1:02:40 Verunreinigte Kirche: Nur die Anderen?
1:09:00 Warum ihm offene Glaubensgespräche wichtig sind
1:12:50 Sorgen & Fragen über Polygamie
1:21:15 Fragen, Kommentare & Feedback der Teilnehmer

HINTERGRUND

Roger ist in Zürich in eine gläubige HLT-Familie (Spitzname: Mormonen) geboren worden und hatte schon in jungen Jahren einfache, aber persönlich beeindruckende Erlebnisse, die seinen Glauben und seine Gewissheit stärkten: Gott ist für mich da. Diese zogen sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Leben. Andererseits fing er schon als Kind im Sonntagsunterricht an, auch kritisch zu hinterfragen. Bezüglich bestimmter kirchlicher Lehren und Richtlinien hatte er so manche schmerzhaften Widersprüche, Zweifel und Krisen zu bewältigen, die ihm viele Tränen abverlangten. Geistige Erlebnisse hatte er viele und sehr unterschiedliche, aber nicht jedes davon passte in traditionell kirchliche Denkmuster von Sünde, Strafe und Schuld. Eher öffnete sich dadurch sein Blick auf eine viel umfassendere, universelle Liebe. Ein paar dieser überraschenden transzendenten Erfahrungen wird Roger an diesem Abend mit uns teilen, z.B. den Tod seines Bruders und einen Traum, den er und seine Mutter hatten. Er sagt: „Kirchennorm ist nicht immer Gottesnorm“. Obwohl Roger als Hoher Rat in seiner Kircheneinheit dient und somit kirchliche Verantwortung trägt, zeigt er sich immer wieder offen für einen Dialog ohne „Scheuklappen“ und hat unter Beweis gestellt, wie wichtig ihm offenes Zuhören und Mitfühlen ist.

Als HLT aufwachsen mit Transidentität: Mein aussichtsloser Kampf gegen mich selbst

Live-Gespräch mit Juna Kollmeyer (Moderation: Guido Müller)

Per Whatsapp Invites zu künftigen Live-Gesprächen erhalten

Übersicht

0:00 Einleitung und warum Juna am Dialog teilnimmt
5:00 Warum Juna keine „Opferrolle“ einnehmen möchte
8:00 Wortwahl: Transsexuell, Transgender oder Transident?
11:20 Kindheit und Versuch, die „Jungenrolle“ zu spielen
19:50 Junas indiv. Sicht auf weibliche Rollen und Charaktermerkmale
24:00 Umgang mit kirchlichen Dogmen über LGBTs
27:40 Was Juna an der Kirche schätzt
30:30 Entschluss, als Mädchen/Frau zu leben
37:40 Schwierige Erlebnisse als transidente Person
45:15 Respektvoller Umgang mit transidenten Menschen
50:16 Kirchlicher & politischer Umgang mit Transidentität
56:00 Reaktion auf neueste HLT-Handbuchänderungen
1:01:00 Geistiges Erlebnis & Gespräch mit Gott
1:10:00 Angleichende Operationen und Eingriffe
1:19:40 Liebe & Beziehung
1:25:30 Junas Sicht auf Essenz der christlichen Botschaft
1:31:30 Feedback & Kommentare der Teilnehmer

Hintergrund

Juna Kollmeyer kommt aus Hannover, ist als HLT-Mitglied aufgewachsen (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Spitzname: Mormonen) und hat vieles an ihrem christlichen Glauben geliebt.

Vor 38 Jahren kam sie als Junge zur Welt. Als sie drei Jahre jung war, bemerkten ihre Eltern erstmals ihr „ungewöhnliches Wesen…ein Junge hat sich nicht mit Puppen zu beschäftigen oder Kleidchen zu tragen“. Dennoch erlaubten ihre Eltern ihr recht viel, wofür Juna ihnen heute noch sehr dankbar ist. Irgendwann, vielleicht mit 9 oder 10 kam aber der Tag, an dem ihre Mutter klar machte, „Du bist ein Junge und kein Mädchen. Gott hat dir diesen Körper geschenkt, ehre ihn und benimm dich entsprechend“. Ihre Mutter schrieb damals in ihr Tagebuch, wie bitterlich Juna geweint hatte, einfach weil sie das gar nicht verstehen konnte.
Für sie war immer klar, ich bin ein Mädchen das anders ist als die Anderen, aber eben ein Mädchen. Juna akzeptierte die Worte ihrer Mutter, begann die Unterschiede zu begreifen und versuchte, die Verhaltensweisen von gleichaltrigen Jungen (mehr oder weniger glaubhaft) zu kopieren. Ich spielte eine Rolle, mit verschiedenen Facetten angelernter und übernommener Eigenschaften von Anderen. Der Mensch in ihr, hat dabei wie sie sagt „jeden Tag gelitten“.

Als HLT aufwachsen mit Transidentität: Mein aussichtsloser Kampf gegen mich selbst weiterlesen

Auf der Suche nach Identität und Individualität: Mein Weg als Musikerin und Frau mit christlich geprägten Wurzeln

Live-Gespräch mit Sabine Hermann (Moderation: Guido Müller)

Sabine Hermann sagte einmal: „Je mehr ich meine aufrichtigen Wünsche nach Authentizität und Unabhängigkeit in meine Gebete einbeziehe, desto freier werde ich. Dadurch entsteht ein immer tieferes Vertrauen, dass Gott wirklich unser Glücklichsein möchte und dass die Entfaltung des individuellen Selbst ein wesentlicher Teil davon ist.“

In diesem Live-Gespräch erzählt sie von ihrer bisherigen Glaubens- und Lebensreise und ihren Herausforderungen, in einer streng konservativ-christlichen Glaubensumgebung Individualität und Identität zu finden. Es wird deutlich, wie sehr ihr Musik durch ihre Probleme und Schwierigkeiten hindurch geholfen hat und welche geistigen Erfahrungen damit in Verbindung stehen. Diverse Stücke werden auch angespielt und kommentiert, unter anderem ihr wohl bekanntestes Lied, das Cover von „Gabriellas Sång“ aus dem Film „Wie im Himmel“.

0:00​ Einführung
3:58​ Lied „Engel“ mit persönlicher Kommentierung
8:11​ Musiker und „Propheten“
11:15​ Persönlicher Glaubenshintergrund
25:09​ Umgang mit „verkrusteten Vorstellungen“
32:00​ Veränderte Musik / Neuer Stil
36:00​ Lied „Gabriellas Sång“ aus dem Film „Wie im Himmel“ mit persönlicher Kommentierung
42:20​ Sabines Erkenntnisprozess: „Von Freude und Glück leiten lassen“
45:14​ „Berufsbezogenes Schamgefühl“ von HLT-Frauen, Talente nutzen
47:20​ „Mutter sein“ nicht als Rolle, sondern als Beziehung verstehen
50:20​ Nächste Auftritte von Sabine und Einladungen
53:30​ Schlussworte

Links:
„Engel“ by Sabine Hermann https://www.youtube.com/watch?v=llxtnBrTH2s
„Gabriellas Sång“ by Sabine Hermann https://www.youtube.com/watch?v=jtF-o-H1uCk
Webseite für Ticketkäufe und Info https://www.sabinehermann.com

Daniel Schmidl (Ex-HLT, Psychologe und Therapeut): „Lernen zu sein, der ICH bin“

Die Transformation des eigenen religiösen Weltbildes ist mit das tiefgehendste und einschneidendste das einem Menschen widerfahren kann – insbesondere wenn sich dieses komplett auf den Kopf stellt, aber die eigene gläubige und kirchenorthodoxe Grossfamilie weiterhin daran festhält: Daniel Schmidl ist Ex-HLT, Psychologe und Therapeut im Bereich systemische Familientherapie. Hier erzählt er seine Glaubensreise als HLT (Mormone) und erläutert seine veränderte Sichtweise auf die Kirche und die Themen „Wahrheit“, Entscheidungsfreiheit, Schuld und Spiritualität.

Daniel Schmidl (Ex-HLT, Psychologe und Therapeut): „Lernen zu sein, der ICH bin“ weiterlesen

Chantal: „Wenn es diese Kirche gibt die Dir, Gott, gefällt, dann zeig‘ sie mir!“

Wenn ich Chantals Glaubensreise in wenigen Sekunden wiedergeben müsste, würde ich sagen:
In Afrika auf der Flucht zur Welt gekommen, in Deutschland auf beeindruckende Weise in die HLT-Kirche getauft. Exakt am Tag ihres 25-jährigen Taufjubiläums (während eines Kampfes gegen Krebs und gegen Ende einer sehr komplizierten Ehephase) wie durch ein Wunder zur „Gemeinschaft Christi“ bekehrt.

Chantal ist in Burundi auf der Flucht geboren worden und musste noch als Kind mit ansehen, wie Soldaten ihre Mutter geschlagen haben.

Chantal: „Wenn es diese Kirche gibt die Dir, Gott, gefällt, dann zeig‘ sie mir!“ weiterlesen

Ela: „Auf der einen Seite möchte ich gerne meinen Glauben in dieser Gemeinschaft ausleben – auf der anderen Seite kann ich einen Teil meiner Identität und Glaubenssätze nicht abschneiden“

Ela (Spitzname), eine Schwester die jahrelang in einer süddeutschen Gemeinde aktiv war und viel beigetragen hat, wurde von Ihrer Betreuerin angeschrieben. In ihrer Antwort betreibt sie Ursachenforschung darüber, warum sie aktuell (noch) nicht wieder zur Kirche kommt und stellt sehr reflektierte Gründe, Gedanken und Wünsche dar.

Ich weiß wohl, dass ich auf der Gemeindeliste als Inaktiv bezeichnet werde und möchte hierzu gerne einige, wie ich meine wichtige Inhalte an dich weitergeben, die du auch im Gemeinderat (falls du darin tätig bist) oder an anderen für dich passend erscheinende Stellen weiterleiten kannst: 

Über ihre Taufe und ihre aktuelle familiäre Situation

Als ich mich mit 14 zur Taufe entschieden habe, war dies eine lang überdachte und bewusste Entscheidung von mir. Meine Mission und meine Bündnisse bedeuten mir immer noch viel. Im Tempel habe ich wichtige geistige Erlebnisse gehabt, die mich seit dem begleiten. Nun, sieht es seit einiger Zeit so aus, dass ich mit meinem (noch ungeehelichten) Mann und meinem Kind zusammen wohne. Die äußere Rahmung der Kirchengesetze halte ich damit schon mal nicht ein. In meiner Mitgliedszeit habe ich erlebt, dass es Fälle gab, wie meine, in denen die Mitglieder trotzdem zur Kirche gegangen sind und ihnen sehr angeraten wurde schnell zu heiraten oder, trotz gemeinsamen Kindes, auseinander zu ziehen. Ein Fall wurde von der Kirche ausgeschlossen, ein anderes Paar hatte geheiratet um sich nach zwei Jahren wieder zu trennen, wieder zwei andere Fälle sind nicht mehr zur Kirche gegangen oder ausgetreten. Ein Grund, weshalb ich momentan nicht zur Kirche Jesu Christi komme ist, aus Angst, dass ich ausgeschlossen werde, da ich meinen Mann und mich nicht zu einer Heirat zwingen kann und werde und wir natürlich trotzdem weiterhin als Familie zusammen leben werden und wollen.

Ela: „Auf der einen Seite möchte ich gerne meinen Glauben in dieser Gemeinschaft ausleben – auf der anderen Seite kann ich einen Teil meiner Identität und Glaubenssätze nicht abschneiden“ weiterlesen

Jonas Jödicke: „Meine religiöse Erziehung vermittelte mir viele wunderbare Werte, aber als ich merkte, dass ich schwul bin, war es das Beängstigendste, das ich je erlebt habe.“

Kennt Ihr das wenn ein Telefonat Euch so bewegt, dass Ihr die Zeit vergesst? So ist mir das gestern bis kurz nach Mitternacht ergangen mit Jonas Jödicke aus Berlin (auch bekannt unter Jojoes Art). Ursprünglich waren nur 30 Minuten eingeplant, aber es wurden fast zwei Stunden draus. Seinen inneren Kampf, seine Reise und sein gebetvolles Ringen mit Gott nachzuvollziehen, ging mir direkt ins Herz! Das was ich hier in Kürze zusammenfassen kann, wird nicht annähernd dem gerecht, was er mir mitteilte. Somit ersetzt das keinesfalls den direkten Kontakt mit ihm:

Seine Eltern schlossen sich beide ungefähr zur gleichen Zeit der Kirche an, und Jonas wuchs mit dem wiederhergestellten Evangelium auf. Er hegte zwar mit 14 schon die Vermutung, dass er schwul ist und hatte mehrere traumatisierende Erlebnisse auf seiner Glaubensreise als HLT. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, weitere 10 Jahre mit voller Energie und Kreativität in der Kirche mitzuwirken. Er behielt außerdem diese ganze Zeit seine Homosexualität für sich, bis es dann Anfang 2019 zum „großen Knall“ kam. Jonas ist zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung 25 Jahre alt und konnte sich den Traum erfüllen, seinen Unterhalt als Künstler zu bestreiten…

Obwohl er in seiner Jugend viele schöne Zeiten in der Kirche erlebte und viel lernte, erhielt sein mormonisches Weltbild durch drei emotional traumatisierende Ereignisse erste Risse:

Jonas bei FSY

FSY (For the Strength of Youth) ist eine Veranstaltung für HLT-Jugendliche….zu dem seine Mutter Saskia ihn hartnäckig überreden musste:

Eigentlich war er bestens vorbereitet für den Event – zu diesem Zeitpunkt war Jonas 14 Jahre jung…z.B. hatte er beim Friseur die Haare kurz schneiden lassen, um die Richtlinien zu erfüllen.

Dennoch wurde er zu seiner Verwunderung nach Ankunft von einem älteren Bruder direkt am Bus empfangen und mit anderen Jugendlichen in einen Raum geführt. Ihm und den Anderen wurde mitgeteilt, dass ihr Aussehen nicht den Richtlinien entspräche. Jonas wurde deutlich gemacht, dass seine Haare noch zu weit über die Ohren stünden. (Ging lediglich um ca. 0,5 cm wie Jonas sagt) Das müsste korrigiert werden oder er könne nicht weiter teilnehmen und auf eigene Kosten die Heimfahrt antreten. Da dies für Jonas schon aus finanziellen Gründen keine Option war, unterzog er sich dem „Zwangshaarschnitt“. Das Trauma war für ihn perfekt, als bei der Eröffnungsveranstaltung dann auf eine Ansage der Organisatoren hin alle, die sich die Haare hatten schneiden lassen, von der gesamten versammelten Gruppe frenetisch beklatscht und bejubelt wurden – für ihren mutigen Schritt. Diese Erfahrung trübte seine gesamte Wahrnehmung der Veranstaltung.

Als er nach Hause kam, merkte seine Mom direkt, das irgendwas nicht stimmte…

Jonas Jödicke: „Meine religiöse Erziehung vermittelte mir viele wunderbare Werte, aber als ich merkte, dass ich schwul bin, war es das Beängstigendste, das ich je erlebt habe.“ weiterlesen

Folkhard: „Alle Religionen sind nur ein Teil des Großen – niemals das Große selbst: jeder Mensch soll da wo er ist, schauen, ob er Gott suchen, fühlen und finden kann.“

Folkhard ist in der Gemeinde Selbongen in Ostpreußen aufgewachsen. Mit 14 kam er nach Deutschland. Schon sehr früh in seiner Jugend war er an offenen, tiefgehenden Glaubensgesprächen interessiert . Folkhard ist quasi seit Gründung eng in die Dialoge bei openfaith involviert gewesen und hat die Gespräche regelmäßig bereichert.
Als ich Folkhard 2016 auf dem ersten gemeinsamen Wochenende im Taunus kennenlernen durfte, wurde mir bewusst, warum sowohl viele aktive HLT-Freunde als auch viele ehemalige oder inaktive Mitglieder ihn gleichermaßen respektieren…

Er glaubt, dass alle Religionen und Glaubensgemeinschaften einmal ein „großes Ganzes“ werden – und somit die Leichen im Keller jeder Organisation zwar existieren, aber auch nicht täglich (mit nichtsahnenden HLTs) „Leichenschau“ betrieben werden muss. Diesen Respekt vor unserer Glaubensgemeinschaft und den Gläubigen hat er, obwohl er die vielen Widersprüche und Dissonanzen gut kennt. Ich erinnere mich noch an seinen geistigen Gedanken, bei dem sich so mancher gewünscht hatte, das könnte man öfter hören – auch Sonntags.

Er sagt, die Mitglieder bei ihm vor Ort sind „gute Menschen, auf die ich mich in vielen Dingen verlassen kann, und die da sind, wenn ich ihre Hilfe brauche“. Nicht nur deswegen pflegt er trotz seines umfangreichen Wissens, das er schon lange nicht mehr exklusiv aus kirchlichen Quellen bezieht, einen empathischen und respektvollen Umgang.

Folkhard: „Alle Religionen sind nur ein Teil des Großen – niemals das Große selbst: jeder Mensch soll da wo er ist, schauen, ob er Gott suchen, fühlen und finden kann.“ weiterlesen

Sven: „Es ist gut, sich den Realitäten zu stellen und keine Angst vor eigenen Gedanken, Erfahrungen und dem Verstand zu haben – gerade weil diese von Gott gegeben sind.“

Sven erzählt hier ausführlich seine Glaubensreise, die voller Schwierigkeiten, aber auch voller Überraschungen war – und bislang für ihn ein Happy End hatte. Er ist seit seiner Kindheit Mitglied der Kirche gewesen, erlebte aber schon recht früh zahlreiche Dissonanzen und Widersprüche. Auf Mission in Süddeutschland wurde er unter anderem als Zonenleiter Zeuge der „Afrikaner-Taufen“-Phase, einer Zeit wo Deutschland nach seinen Angaben die höchsten Wachstumsraten der Kirche vorweisen konnte. Widersprüchliche Erlebnisse wie diese, die später für ihn in einer Loslösung von der Kirche mündeten, hatte er zahlreiche.
Der Abschied von seiner Religion war dennoch wie er sagt „psychisch ein extrem schmerzlicher Prozeß“, unter Anderem weil er stark verwurzelt im Glauben aufgewachsen ist und so viele Aspekte seines Lebens und seines Denkens davon beeinflusst waren.

Sven hat zwei Mal seine Frau geheiratet. Heute ist Sven Familienvater von zwei bezaubernden Kindern und als Teilhaber einer Firma im Raum München geschäftlich erfolgreich. Sein Vater ist Patriarch im Pfahl Heidelberg. Aufmerksam wurde ich auf Sven über einen Artikel im Netz, den ich vor vielen Jahren von ihm las, in dem er sagte: „Ich bin mir sicher, daß der Mensch vor allem sich selbst, einem Gott und auch anderen gegenüber ehrlich sein muss, sonst wird sein Leben am Ende nicht viel Wert sein.“ Das Interview wurde geführt von Guido Müller.

Vielen Dank Sven, dass Du Dir die Zeit nimmst, uns mehr von Dir und Deiner Glaubensreise zu erzählen. Im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Mitgliedern, bist Du immer noch gerne im Gespräch mit HLTs jeglicher Couleur, was ich sehr angenehm finde. Woher kommt das bei Dir?

Die Frage wird mir öfter gestellt – da gibt es verschiedene Facetten. Auf der einen Seite bin ich durch mehrere Generationen Mitglieder in meiner Familie (mütterlicherseits) geprägt. Zudem war ich sehr aktiv bis ich ca. 30 Jahre alt war. Manche Mitglieder “schlittern” ja in die Inaktivität und lösen sich so langsam und verabschieden sich auch kulturell. Bei mir war es ein harter Schnitt. Das wäre aber noch kein Grund der Kirche verbunden zu bleiben. Bei uns zu Hause war Religion immer auch mit einer besonderen Art der Familienzusammengehörigkeit verbunden, auch mit “anders sein” auf was wir stolz waren – zudem vermittelten uns meine Eltern und meinen drei Geschwistern viel Liebe. Für manche bedeutet das Enge, für mich war es eher Geborgenheit. Wir fühlten uns trotz eher konservativer Kirche eher „modern“.
Warum ich nach meinem Austritt dann schon recht früh angefangen habe, zweifelnden Mitgliedern die auf mich zukamen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, hängt sicher damit zusammen, dass ich mich grundsätzlich als empathischen Menschen sehe – und meine zweijährig andauernde Glaubenskrise war von innerer Einsamkeit geprägt. Ich konnte mich eigentlich mit niemanden austauschen, außer glücklicherweise dann ein paar kritischen Geistern im Internet. Da wollte ich einfach für die Leute da sein und mich nicht “vom Acker machen”. Zudem gab es um 2000 herum wenige die sich als „Aussteiger“ outeten.
Anfangs war es sicher auch ein bisschen Missionsgeist, ich wollte meine neuen Erkenntnisse auch teilen. Aufgedrängt habe ich mich eher nicht, soweit ich mich erinnere. Ein Teil ist sicher auch “Sturheit” – meine Familie kommt ursprünglich aus Ostpreussen und Sachsen – man lässt sich da von seinen Wurzeln nicht einfach vertreiben – natürlich haben damals viele gemeint, dass ich nicht ablassen kann von der Kirche weil mein Zeugnis noch da ist. Aber es gibt Dinge die interessieren mich einfach über Jahre mit Leidenschaft, wie ein Hobby z. B. Totalitarismus, Islam, Politik usw.. Die Kirche wird in Teilen wie ein Stamm geführt (siehe auch patriarchalischer Segen). Selbst wenn dein Stamm und die Mechanismen dir schaden, fühlst du dich verbunden – und ich persönlich weigere mich meine Wurzeln zu verleugnen.

Sven: „Es ist gut, sich den Realitäten zu stellen und keine Angst vor eigenen Gedanken, Erfahrungen und dem Verstand zu haben – gerade weil diese von Gott gegeben sind.“ weiterlesen