Was mich zur Kirche hinzieht: Terryl Givens fünf Facetten des Mormonismus

Heutzutage können freidenkerische Mormonen so manche Gründe anführen, die Kirche nicht zu mögen: Neben der mit manchen Grundsätzen des neuen Testaments unvereinbaren Haltung gegenüber Homosexuellen, über finanzielle Intransparenz bis hin zu Kontroll-Aspekten des Kirchensystems.  Diese Abneigungen verspüre ich persönlich auch. Dennoch möchte ich heute thematisieren, was mich zur Kirche hinzieht. Diese positiven Punkte sind genau so real. Da mir dafür ein Text von Terryl Givens kürzlich aus dem Herzen gesprochen hat, führe ich die von ihm genannten fünf Facetten des Mormonismus auf:

 

  1. Gott ist eine Person mit einem Herzen, das in Empathie mit den menschlichen Herzen schlägt, unsere Freude und unser Leid über unseren Schmerz fühlt.
  2. Wir lebten als Geistwesen in der Gegenwart Gottes, bevor wir in dieses sterbliche Leben hineingeboren wurden.
  3. Die Sterblichkeit ist ein Aufstieg, kein Fall, und wir tragen unendliches Potenzial in eine Welt der Sünde und der Trauer.
  4. Gott hat den Wunsch und die Macht, die ganze Menschheitsfamilie in einem Königreich des Himmels zu vereinen und zu erheben, und, abgesehen von den hartnäckigsten Unwilligen, wird das unser Schicksal sein.
  5. Der Himmel wird aus den Beziehungen bestehen, die uns jetzt am wichtigsten sind.

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„Dies ist meine Lehre“ – Die Entwicklung der mormonischen Theologie

Charles R. Harrell

Übersetzung des Epilogs des Buches, „This Is My Doctrine“ The Development of Mormon Theology von Charles R. Harrell, herausgegeben von Greg Kofford Books, 2011.

Deutsche Version von Folkhard Konietz. Der Übersetzer übernimmt die Verantwortung für die Übersetzung des Textes.

EPILOG

Obwohl sich die mormonische Theologie in vielfältiger Weise von anderen unterscheidet, so teilt sie doch das gleiche Erbe der Veränderung und der kulturellen Anpassung, welche für das frühe Christentum und der frühen israelischen Religion charakteristisch war. Judaismus, Christentum und Mormonismus, erschienen in Reihenfolge als inspirierte, neue Darlegungen der vorhergehenden theologischen Traditionen, jede von den zeitgenössischen Ideologien leihend (Konvergenz-Stadium) und die eigenen eigentümlichen Erweiterungen hinzufügend (Differentiationsstadium). Anfangs adoptierte der Mormonismus insbesondere evangelikale Lehren des frühen neunzehnten Jahrhunderts und begann bald selbst Lehren einzuführen, die nicht nur eigen waren, sondern in einigen Fällen von den orthodoxen Christen verachtet wurden.
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Wolkenstrahlen im HLT Kosmos

Hier und da durchbrechen bildschirmfoto-2016-11-19-um-11-51-26Sonnenstrahlen die dunklen Wolken. Stöbert man in der Schatztruhe der HLT Religion, stößt man unweigerlich auf kostbare Perlen. Sie liegen unter der Uniform des korrelierten Unterrichtsmaterials im Mainstream Mormonismus. Sie sind da, werden aber nicht wahrgenommen, sie sind zu sehen, und doch erkennt man ihre Schönheit oft nicht. Einmal entdeckt und ans Licht gehoben, schimmern sie in all ihrer Pracht. Dann erweitern sie die Seele, erleuchten den Verstand und verschaffen Frieden. Wolkenstrahlen im HLT Kosmos weiterlesen

Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben

Patrick Mason, Author des neuen autorDeseret Book Titels Planted: Belief and Belonging in an Age of Doubt, sprach vor kurzem bei einer FairMormon-Konferenz erstaunlich authentisch über die aktuelle „Kulturkrise“ der HLT-Kirche im Umgang mit Zweifel. Er ging dabei auch auf den Brief an einen CES-Direktor, die Verantwortung der Kirche(-nkultur) für die Reaktionen zweifelnder Mitglieder und Prognosen für die Zukunft der Kirche ein. Hier die Übersetzung einiger Höhepunkte des Vortrags inkl. Zeitangaben der jeweiligen Stelle im Video: (Die Aufzeichnung selbst ist nur auf englisch vorhanden, aber ich empfehle, es komplett zu hören, denn vieles darin ist erfrischend authentisch und exzellent. Das bin ich von FairMormon-Konferenzen in letzter Zeit nicht gewohnt.)

12 Min. 6 Sek.
Der CES-Brief ist beispielhaft für diese „Alles oder Nichts“-Herangehensweise an das Thema Religion. Der Brief ist in gewisser Weise ein perfektes Spiegelbild der Version des Mormonismus auf die er reagiert. Jeremy Runnels mag den Brief geschrieben haben, aber es war eigentlich unvermeidbar, dass dies geschieht. Irgendjemand, irgendwann, irgendwo hätte diesen Brief geschrieben weil er eine offensichtliche Antwort auf einen gewissen Stil, Ton und Patrick Mason bei FairMormon: Der „Alles oder Nichts“-Mormonismus wird keinen Bestand haben weiterlesen

Mormon Stories Interview-Runde: Als „unorthodoxes“ Mitglied aktiv in der HLT-Kirche bleiben

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Übersetzung einer englischsprachigen Interview Runde, moderiert von Dr. John Dehlin (Gründer der Open Stories Foundation und Mormon Stories), die ich mit seiner freundlichen Genehmigung ins Deutsche übersetzt habe.

Teilnehmer

  • Ph.D. Dan Wotherspoon13413029_961154687369_1018238158481698619_n (im Bild links): Aktives HLT-Mitglied, wohnhaft in Utah, Moderator / Interviewer „Mormon Matters – Podcast“
  • Ph.D. Gina Colvin: Aktives
    HLT-Mitglied aus Neuseeland, Moderatorin / Interviewerin „A Thoughtful Faith – Podcast“
  • Thomas McConkie: Wieder aktives HLT-Mitglied nach über 20 Jahren Buddhismus, Großneffe von Bruce R. McConkie, Autor des Buches „Navigating Mormon Faith Crisis: A Simple Developmental Map“

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Julienna Viegas-Haws: Was sich progressive HLT-Mitglieder wünschen

13087381_10153690213661028_6264097720459789818_nJulienna Viegas-Haws wurde bekannt durch Beiträge im „Salt Lake Tribune“ und ihr daraus entstandenes Interview bei „Mormon Stories“. In ihrem Interview erklärte sie damals, was unter einer progressiver Glaubensausrichtung für HLTs zu verstehen ist. Ihre Mutter kommt aus dem belgischen Kongo, zog dann aber nach Belgien, wo auch Julienna ihre Kindheit erlebte. Als sie noch klein war wurde ihre Mutter HLT-Mitglied und schreibt der Kirche seither zu, ihr Leben gerettet zu haben. (Die ganze Geschichte erfährt man in ihrem Interview.) Schwester Viegas-Haws wurde sehr glaubenstreu erzogen und erfüllte eine Vollzeit-Mission am Tempelplatz in Salt Lake City, Utah. Nach einem Leben voller Hingabe an die Kirche wurde sie mit ersten eigenen Zweifeln konfrontiert als ihr Ehemann anfing grundlegende HLT-Wahrheitsbehauptungen zu hinterfragen. In der Folgezeit schrieb sie diverse Kommentar-Beiträge über HLT-Themen, in denen sie die Gedanken und Wünsche progressiver Mitglieder sehr ausführlich beschreibt, in einem dieser Beiträge sogar auf Basis einer selbst durchgeführten Umfrage. Ihre Erkenntnisse und Ergebnisse werden hier übersetzt aus relevanten Teilen ihrer englischsprachigen Artikel dargestellt. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in Texas. Ein persönlicher Austausch mit ihr im Vorfeld dieser Veröffentlichung ergab, dass sie seit kurzem nicht mehr aktiv ist, aber ihre Mitgliedschaft aufrecht erhält, weil sie auf Veränderungen hofft und ihre Stimme noch geltend machen möchte.

Obwohl es keine allgemein gültige Definition gibt, könnte man sagen dass progressive HLT-Mitglieder weniger als traditionell-gläubige Mitglieder dazu neigen an Folgendes zu glauben: