…lernte ich in der „Kirche“, dass die wichtigsten Lösungswege, wenn ich mich schlecht fühlte, in etwa folgende seien:
Gehorsamer gegenüber Gottes Geboten sein (kongruent mit den Geboten und Richtlinien der Kirche Jesu Christi HLT)
Mehr anderen Dienen
Mehr in den Heiligen Schriften lesen
Mehr beten
Weniger an mich selbst denken
Mehr in den Tempel gehen
etc. etc. etc.
Bildquelle: churchofjesuschrist.org
HEUTE…
…spüre ich mehr und mehr, dass die oben beschriebenen Lösungswege, die tausendfach in Sonntagsschul- und PV Klassen wiedergekäut werden, nicht nur zu kurz greifen und sondern sogar gefährlich irreführend sein können.
Wir leben in einer Welt, wo das Bewusstsein gewachsen ist, dass Ungerechtigkeit und Leid, das durch unregulierte religiöse Machtausübung passiert, durch freie Rede und angebrachte Kritik eingedämmt werden kann. Hier sind insbesondere Menschen gefragt, die mit den jeweiligen Religionen direkt zu tun hatten oder ein Teil davon sind.
Während religiöse Führungspersonen zahlreicher Religionen sich in Richtung eines gesünderen, gemäßigten Umgang mit Kritik bewegen, bleiben unzählige HLTs mehr oder weniger auf dem Stand von Oaks. Stimmt es, dass sie im Tempelendowment weiterhin versprechen müssen, „evil speaking of the Lords anointed“ zu unterlassen…? Oder wurde das kürzlich entfernt? Das ist ein Freibrief dafür, jegliche auch sinnhafte Kritik am Verhalten von Kirchenführern im Keim zu ersticken und direkt das Verhalten eines Kritikers als „sündhaft“ einzustufen.
Viele Menschen würden lieber sterben, als in ihrer Gemeinschaft Scham zu erleben
Die Psychologie sagt: Viele Menschen würden lieber sterben als innerhalb ihrer Gemeinschaft „Scham“ zu erleben und Gefahr zu laufen, am Rande oder „draußen“ zu stehen. Das macht evolutionstechnisch gesehen auch Sinn, finde ich: Vom Stamm verstoßen zu werden und ganz allein gegen den Säbelzahntiger kämpfen „is no fun“. Damit wird das Tempelversprechen ein nicht zu unterschätzender unterbewusster Maulkorb für alle Mitglieder.
Hi liebe Leute, ich vermisse hier seit einiger Zeit bestimmte Argumente, die trotz allem FÜR die Kirche Jesu Christi HLT sprechen.
Selbst viele Ex-HLTs hier betonen regelmäßig die zahlreichen positiven Erfahrungen mit Mitgliedern, Gemeinschaft, etc. ….Ich kenne nicht so viele Organisationen, wo das der Fall ist. Ich für meinen Fall kann sagen, dass es sich immer noch buchstäblich so anfühlt, eine Familie verloren zu haben. Es gibt Zeiten, da fühle ich mich innerlich zerrissen und traurig über das Ganze. Menschen und Gemeinschaft, die bestimmte Werte leben wollen, das hat einen Zauber und Reiz, egal was „die da oben“ anstellen. Menschen haben einen göttlichen Kern – und sie sind der Grund, warum diese Kirche wertvolle Gemeinschaft bietet. Immer wieder hört man, dass das System ohne Fehler sei, und die Menschen vor Ort Mist bauen, ich persönlich sehe es auch ein wenig andersrum: Wir haben zahlreiche Menschen, die erstmal allesamt von Natur aus auf eine gewisse Weise „wunderbar und göttlich“ sind, in einem System, das zahlreiche Schwächen besitzt und oft dafür sorgt, dass gute Menschen anderen guten Menschen und sich selbst schaden.
Seit sieben Jahren gibt es hier jetzt den Dialog zwischen HLTs jeder Couleur, egal ob noch Mitglied der Kirche, ausgetreten oder etwas „dazwischen“ – ausgestattet mit einem breiten Spektrum an Erfahrungen und Sichtweisen. Hier gibt es einige HLTs, die sich regelmäßig damit auseinandersetzen und anhören, was ausgetretene HLTs zu sagen haben. Aber eben auch umgekehrt. Was hier kommuniziert wird, hat sicher auch einen Einfluss darauf, wie man mit den Liebsten spricht. Dabei gilt wie überall: Der Ton macht die Musik. In diesem Forum ging es häufig darum, wie ehemalige HLT nicht behandelt werden wollen. Nun mal zum Thema, wie man als ehemaliger HLT diejenigen im eigenen Kreise behandelt, die noch hingehen.
Die Anregungen von Dr. Julie Hanks: (ich bin mir sicher, sie meint die Liste wirklich als Anregung und nicht als „Vorschrift“.)
Wenn ich heute über meine Mitgliedschaft bei den Mormonen nachdenke, erfüllt mich dies mit Unverständnis und Betroffenheit. Ich frage mich, wie ich diese Organisation über so lange Zeit zum Mittelpunkt meines Lebens machen konnte. Heute, nachdem ich im Zug meiner Nachforschungen dutzende von Büchern und tausende von Seiten gelesen und auch die unerfreulichen Aspekte dort erlebt habe, halte ich diese Organisation nicht nur für unehrlich und unchristlich, sondern für durchweg korrupt und betrügerisch. Ich bereue, dass ich so viel Zeit und Energie in diese Organisation gesteckt habe. Und ja, es reut mich auch das viele Geld, das ich gespendet habe. Erklären kann ich mir das nur mit einer gewissen Blindheit, die dort verordnet wird und die man sich in gewissem Maß auch selbst verordnet. Wer in so einem System aufwächst und erzogen wird, hat es besonders schwer, sich von dieser Blindheit frei zu machen. Alle Sekten machen abhängig, sie wollen und müssen dies um ihre Ziele zu erreichen, auch wenn sie, wie die Mormonenkirche, verbal die Entscheidungsfreiheit propagieren. Sie arbeiten über unser Unterbewusstsein: Schuld und Angst sind ihre wichtigsten Mittel um Gehorsam und Abhängigkeit zu erreichen. Eine Programmierung, von der sich ein Mitglied mit zunehmender Dauer immer schwerer lösen kann.
Bildquelle: Pressefoto der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Spitzname: Mormonen)
Vor 20 Jahren bin ich aus der Mormonenkirche ausgetreten. Ich möchte hier mit euch teilen, mit welcher Frage alles bei mir angefangen hat:
Ich stieß auf ein Problem, das die Authentizität des Buches Mormon in Frage stellt
Im Laufe meines Germanistik-Studiums lernte ich irgendwann, wie Texte vor der Erfindung des Buchdruckes handschriftlich überliefert wurden, welche Fehler dabei auftraten und wie man nach den Methoden der heutigen Textkritik die ursprünglichen Texte zu rekonstruieren versucht. Als ich diese Erkenntnisse auf den Jesaja-Text im Buch Mormon anwandte, stieß ich zum ersten Mal durch eigene Nachforschungen auf ein Problem, das die Authentizität des Buches Mormon in Frage stellt. Obwohl das in der Kürze nicht ganz leicht zu erklären ist, versuche ich es hier dennoch: Generell ist bei handgeschriebenen Texten – was alle Texte bis ins 15. Jhd. waren – eine Kopie dem Original umso ähnlicher, je älter sie ist. Je mehr Abschriften von Abschriften, desto mehr Fehler treten auf – verständlicherweise. Nun lebte Jesaja ca. 700 v. Chr., unsere älteste Kopie dieses Buches stammte für lange Zeit aus dem 10. Jhd. n. Chr. Da Lehi Jerusalem 600 v. Chr. verlies, musste sein Jesaja-Text auf dem Messingplatten der orginalgetreueste sein, vermutlich hat damals das Original sogar noch existiert. Das könnte erklären, wie die vielen Veränderungen im Jesaja des BM gegenüber der Bibel zustande kamen: der Text wurde in über eineinhalb Jahrtausenden so stark abgeändert, dass vieles einen völlig anderen Sinn erhielt. Soweit so gut. Die Sache wird aber problematisch, wenn man nun die Schriftrollen vom Toten Meer in Betracht zieht. Die nämlich enthielten eine vollständige Jesaja-Rolle – datiert auf das 1. Jhd. v. Chr. Nach allen Regeln der Textüberlieferung müsste dieser Text vom Toten Meer am meisten mit dem Text des BM übereinstimmen. Tut er aber nicht – ganz im Gegenteil. Von den vielen Änderungen im BM gegenüber der Bibel enthält der Jesaja-Text vom Qumran nicht eine einzige! Dagegen stimmen Bibel-Jesaja und Tote-Meer-Jesaja zu 99,9 Prozent überein. Und was das Ganze noch problematischer macht: An einigen wenigen Stellen konnte der Text der Bibel durch die Jesaja-Rolle vom Toten Meer verbessert werden – eben Überlieferungsfehler. Diese Fehler wiederum sind im BM alle vorhanden – ausnahmslos.
Links: Die „Apostel“ der HLT Kirche (Offizielles Pressebild) Rechts: Die Jünger von Jesus (Gemälde des Nordisk Bibelmuseum)
Letztens verglich ich einfach mal ein Foto von den Aposteln der HLT-Kirche (Mormonen) mit einem Gemälde der frühen Apostel Jesu. Ein paar deutliche Kontraste in den beiden Bildern wurden auffällig.
Rechts die Jünger sitzen in einfachsten Verhältnissen auf Steinen und auf dem Boden im Schatten eines Olivenbaums. Jegliche äußere Form von Status scheint überhaupt keine Rolle zu spielen – im Gegenteil. Man bekommt außerdem das Gefühl: Unterschiede dürfen sein. Einfache Männer vereint in einer spirituellen und teils aktivistischen Mission, die durchaus nicht ungefährlich für sie war und für einige tödlich endete wie man weiß.
Links die Herren sitzen sehr bequem auf vermutlich teuren Stühlen….mit Samt gepolstert. In einem pompösen Raum mit teurem Teppich, Marmorwänden und beeindruckenden Säulen, sie tragen formales Business Attire und keiner von ihnen darf Bart noch längere Haare haben. Gefühlt ist die einzige erlaubte Individualität eine von 10 Anzugfarben und die Farbe der Krawatte. Sie treten mit der Aussenwelt fast als inspirierende Führungsmannschaft eines Konzerns auf. Niemand ist in ernsthafter Gefahr weil niemand gegen bestehende Machtverhältnisse aufbegehrt. Eher weiß man sich diese Machtverhältnisse zu Nutze zu machen und vermehrt die eigene Finanzkraft, womit man selbst Macht und Einfluss aufbaut. Großer externer Macht fügt man sich, auch weil man Privilegien, finanzielle Vorteile und rechtlichen Status verlieren könnte.
Gedanken zu HLT-Führern
Immer diese gestriegelten, glatten Business-Apostel, die auch Pressesprecher hätten werden können…weil sie kirchenpolitisch so unheimlich korrekt sein müssen, damit sie ja nicht einen Rüffel bekommen! In der Kirche fehlt es am erfrischenden Mut….und auch an fortschrittlichen neuen Ideen! Es fehlen auch die Ecken und Kanten…der offene Diskurs….der offene Widerspruch und dessen Würdigung! Ein kulthaftes Festklammern an den Autoritäten und vermeintlich konsistenten Lehren der Vergangenheit ist zu beobachten und soll wohl das Erfolgsrezept sein…
Was ist Gaslighting und wie sind neue historische Aussagen der Kirchenorganisation in den „Abhandlungen zu Evangeliumsthemen“ einzuordnen?
Hast Du auch gelacht, als die BYU „geringe Nachfrage“ als Grund dafür angab , dass sie bis 2017 keine koffeinhaltigen Getränke verkauft hat? Das haben wir. Die Studenten baten nämlich schon seit vielen Jahren wiederholt um Koffein.
In der Erklärung der BYU wurde die Tatsache völlig umgangen, dass der Koffeinkonsum innerhalb der Kirche ein umstrittenes Thema ist. Indem die BYU die langjährige Kontroverse darüber, ob Koffein gegen das Wort der Weisheit verstößt, nicht anerkannte, implizierte sie, dass die Entscheidung, koffeinhaltige Limonade zu verkaufen, genauso unauffällig war wie die Entscheidung, einen Taco Bell auf dem Campus zu eröffnen.
Das ist nicht die Realität. Koffeinhaltige Getränke an der BYU sind eine bemerkenswerte Veränderung. So zu tun, als wäre es nicht so – nun, das ist Irreführung.
Was ist Gaslighting?
Das Wort stammt aus dem Theaterstück Gas Light von 1938, in dem es um einen Mann geht, der versucht, seine kriminellen Aktivitäten zu verbergen, indem er seiner Frau vorgaukelt, sie würde verrückt werden. Als durch seine Handlungen das Gaslicht in ihrer Wohnung schwächer wird, besteht er darauf, dass sich nichts geändert hat, und sagt ihr, dass sie sich das nur einbilden muss.
In der geleakten Audio-Aufnahme, die einer der Teilnehmer mit seinem Smartphone beim geheim gehaltenen Swedish Rescue Event der Kirche in Schweden machte, waren interessante Aussagen von Elder Kopischke (damals Gebietspräsident) zum Buch Mormon zu hören. Gerichtet an die zweifelnden Mitglieder um Siebziger Hans Mattson.
Die als „Swedish Rescue“ bekannte Fireside als Audio & Text. Elder Kopischke richtet seine Worte bzgl. des Buches Mormon am Schluss an die Teilnehmenden.
Eines der Argumente von Elder Kopischke war, dass man ja all diese Zweifel haben könne, aber dass das Buch Mormon so schöne Schriftstellen enthalte…was könne daran falsch sein.
Wenn ich mich recht erinnere: Mehrfach brachte er das als Argument und zitierte dann Stellen aus dem Buch Mormon. Fühlte sich so ein wenig an nach: Man kann ja Zweifel haben, aber es ist einfach so schön und aufbauend, dass das alles egal ist.
Nun ja, ich möchte mal der in HLT-Kreisen verbreiteten Meinung etwas entgegensetzen, dass das Buch Mormon nur erbauliche, menschheitsverbindende und der mentalen Gesundheit zuträgliche Botschaften habe….hier nur eine Auswahl:
Darstellung des Mythos der Transfiguration bzw. wundersame Verwandlung von Brigham Young: Die Anwesenden sehen in ihm angeblich das Antlitz des verstorbenen Propheten Joseph Smith
In diesem Artikel möchte ich einen Blick auf eine weitverbreitete Wundergeschichte des Mormonentums werfen, an der Joseph Smith nicht direkt beteiligt war: die Transfiguration von Brigham Young.
Eines der schwierigsten Probleme sowohl für Kritiker als auch für Apologeten ist, dass wir, egal wie viele Beweise wir haben, nie genau wissen können, was passiert ist, da wir nicht wirklich dabei waren – und in vielen Fällen haben es auch keine Zeugen aus erster Hand aufgezeichnet. Aus diesem Grund verwenden Apologeten oft die Formulierung „wir können nicht alles wissen“ oder „wir werden die Antworten im nächsten Leben erhalten.“
Ist es möglich, dass Joseph Smiths erste Vision im Jahr 1820 stattfand, wie er angab, und dass ihm sowohl Gott als auch Jesus erschienen sind? Hat er nur die verschiedenen Berichte verwechselt, als er ursprünglich sagte, er habe nur eine Person gesehen, und es später dahingehend änderte, dass er sowohl Gott als auch Jesus sah? Wir haben zwar eine Menge Beweise, die wir analysieren können, wenn es um die Berichte über die erste Vision geht. Aber wir können es nicht mit Sicherheit sagen, weil nur Joseph Smith weiß, was wirklich geschehen ist, also können wir nur von dem ausgehen, was er über das Ereignis geschrieben hat und wie sich die Geschichte im Vergleich zu seinen anderen Veränderungen als Prophet entwickelt hat.
Das gleiche Problem stellt sich bei der Wiederherstellung des Priestertums. Wie wir in Bezug auf die Wiederherstellung des Priestertums dokumentieren, ändert sich die Geschichte, wenn sich die Kirche weiterentwickelt, und daher ist es unmöglich, genau zu wissen, was geschehen ist. Haben Petrus, Jakobus und Johannes Joseph und Oliver das Melchisedekische Priestertum wiedergegeben, oder war diese späte Hinzufügung ein Versuch, ihre Autorität in einer Zeit der Krise der jungen Kirche zu stärken? Die Zeitlinie ist ziemlich eindeutig, dass die Hinzufügung der Geschichte durch Oliver Cowdery ein Versuch war, ihre Autorität zu untermauern, aber wir werden es nie erfahren, weil keiner der beiden diese Einzelheiten erst Jahre später aufgeschrieben hat.
Bei all diesen Wunderberichten kann man sich nicht sicher sein, denn niemand hat sie gefilmt, fotografiert oder, in den meisten Fällen, aufgeschrieben, als sie tatsächlich geschahen. Das gab Joseph Smith nicht nur die Möglichkeit, die Geschichten zu ändern, wenn er sie wiederholte, sondern gab den Apologeten und der Kirche auch die Möglichkeit, mit dem Spruch „Wir können nicht alles wissen“ von den Dokumenten abzulenken, die wir haben und die darauf hindeuten, dass die Geschichten nachgebessert und in einigen Fällen komplett erfunden wurden.
Wie ich in diesen Übersichten über die Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dargelegt habe, bin ich fasziniert davon, in der Bibelwissenschaft zu forschen, um zu verstehen, wie alles zusammenpasst. Die „Transfiguration von Brigham Young“ mag zwar nicht wie ein großes Gründungsereignis erscheinen, ist aber für das Verständnis der Kirchengeschichte von entscheidender Bedeutung, weil wir sehen können, wie sich die Geschichte von den Berichten, die an den Tagen um das Ereignis herum geschrieben wurden, bis zu dem Zeitpunkt entwickelt hat, an dem sie etwa zehn Jahre später zu dem wurde, was wir heute lehren.