Freundschaft

Über Freundschaft – ein letzter Brief

Von Juna Kollmeyer (Namen im Brief wurden geändert)

Bildquelle: Juna Kollmeyer

Liebe Marie,

Mein letzter Brief an Dich.

Weißt Du noch, als wir uns das erste Mal begegnet sind? Wie alt mag ich gewesen sein, vielleicht 5 oder 6? Auf jeden Fall weit vor meiner Taufe. Ganz genau weiß ich das nicht mehr. Ich war ein neugieriges, fröhliches und aufgeschlossenes Kind, das Jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte, so beschrieb es später meine Mutter.

Obwohl ich als Junge zur Welt kam, erlaubten mir meine Eltern einige Puppen und Ponys zu besitzen, die ich Sonntags sehr stolz mit einem kleinen Wägelchen durchs Gemeindehaus spazieren fuhr. Nicht Jedem gefiel das. Aber mir war das, damals wie heute, völlig egal was die Leute dachten. Mein kindlicher Verstand konnte das Problem auch noch gar nicht begreifen.

Auf einer der hinteren Bänke hast Du gesessen und mich liebevoll angelächelt. Ich weiß nicht warum, aber ich habe Dir sofort vertraut und mich auf deinen Schoß gesetzt. Du warst sehr interessiert an meinen Schätzen und hast dir jede einzelne Puppe angeschaut. Wir gaben einigen auch Namen oder bürsteten gemeinsam ihre Haare, alles sehr leise und im Flüsterton versteht sich, schließlich hatte die Versammlung schon begonnen. Vermutlich ernteten wir einige strenge Blicke, aber das war weder Dir noch mir an diesem Sonntagmorgen besonders wichtig.

Von da an trafen wir uns jeden Sonntag in der Kirche wieder. Obwohl ich bei meinen Eltern sitzen sollte, schlich ich mich immer wieder zu Dir. Die anfängliche Skepsis meiner Eltern legte sich aber schnell, als ihr euch näher kennenlerntet. Natürlich waren sie erstmal etwas besorgt, Du warst immerhin eine erwachsene Frau, über 50 Jahre älter als ich, standest kurz vor Deiner Rente. Aber schließlich saßen wir Sonntags dann immer zusammen auf einer Bank, genauso hatte ich mir das gewünscht. Du wurdest Teil unserer Familie und meine beste Freundin.

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Das Ende einer Freundschaft: Gefühle nach dem Kirchenaustritt

Von Guido Müller

Bildquelle: Guido Müller

Ich will mal einen Moment ein paar Gefühle der Trauer zulassen, indem ich meine Kirchenmitgliedschaft mit einer zerbrochenen Freundschaft vergleiche. Das habe ich mir lange verwehrt.

Es fühlt sich nun nach dem Ausstieg ein wenig so an, als ob man einem lange geliebten, engsten Freund endgültig den „Laufpass“ gegeben hat. Man dachte lange Zeit, dieser sei bedingungslos liebevoll, ehrlich, authentisch und fürsorglich. So stellte er sich halt über die Jahre selbst dar und diese Darstellung war ihm extrem wichtig. Hatte er gute Seiten? Ja, ganz sicher, er hatte viele tolle Qualitäten, leider wurden diese immer weniger sichtbar und verschwanden hinter dicken Quellwolken.

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