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„Sich fast schon märtyrerhaft ins soziale Aus begeben, um sonntags am Pult die Gemeinde zu Tränen zu rühren“

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Erlerntes Anecken: Beim Aufräumen meines Jugendzimmers fiel mir ein Mormonad-Kärtchen in die Hand (wer kennt die noch?), welches mich an einen Themenkomplex erinnerte, mit dem ich mich bei meiner persönlichen Aufarbeitung meiner Geschichte beschäftigt habe und weiter beschäftige: Mormonismus als Subkultur sowie soziale Normen und daraus resultierende von der Masse abweichende Verhaltensweisen. Anders formuliert, geht es mir um negative soziale Konsequenzen, welche durch im Kirchenumfeld erlernte und verstärkte Verhaltensweisen zu Stande kommen. Wie oft habe ich es erlebt, dass ich in meiner Jugend eine Außenseiterin war, weil ich anders lebte und handelte. Wie oft habe ich mich durch die soziale Ächtung meiner weltlichen Mitmenschen in meinem Glauben bestärkt gefühlt? Es ist aus heutiger Sicht nahezu paradox, wie Kirchenmitglieder sich im Alltag fast schon märtyrerhaft ins soziale Aus begeben, um dann sonntags am Pult die Gemeinde zu Tränen zu rühren mit einer solchen Begebenheit. Tränen der Bestätigung und Tränen der Rührung wegen vermeintlichen Mutes. Aber über die langfristigen, sozialen Konsequenzen denkt keiner nach.

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