Archiv für den Monat: März 2016

Guido: „Obwohl ich vieles in der Kirche schätze, stehen Exklusivismus, Informationskontrolle und Verschleierung mit meinen wichtigsten Werten im Widerspruch“

GuidoKlimpelIch heiße Guido und bin in eine Mormonen-Familie im Zweig Leer (Pfahl Hamburg) als jüngstes von acht Kindern zur Welt gekommen. Von 1998-2000 war ich in der Österreich Wien Mission Vollzeit-Missionar. Danach habe ich mehrere Jahre an der BYU in Provo studiert, wo ich u.a. im Missionary Training Center gelehrt habe.
Meine persönlichen Erfahrungen mit der Kirche waren zunächst sehr positiv und dann in einer späteren Lebensphase gemischt bis negativ. Einige Mitglieder waren und sind wie Familie für mich. Ich habe bereits früh unsere Gesangbuch-Lieder schätzen gelernt und war in vielen verschiedenen Chören auf Pfahl- und Gemeindeebene aktiv, schließlich auch im überregionalen Kammerchor „Vocalis“. Ich liebe außer der Kirchenmusik viele weitere Aspekte, z.B. die gesundheitsbewusste Lebensweise, den Grundgedanken der fortdauernden Offenbarung, die ehrenamtliche Hingabe und Hilfsbereitschaft vieler Mitglieder sowie soziale Aktivitäten wie Tagungen und Tanzveranstaltungen.
Aktuell bin ich in einer Lebensphase in der mir Authentizität ungemein wichtig ist. Ich habe jedoch das Gefühl, dass in der Kirche größtenteils das Gegenteil davon vermittelt wird. Auch wurden mir durch verschiedene Erfahrungen die Augen dafür geöffnet, wie viele Menschen durch Entscheidungen der Kirchenführung unnötig leiden und für mich spricht Einiges dagegen, die Kirchenorganisation aktuell weiter zu unterstützen. Da ich mich manchen Glaubensaspekten noch verbunden fühle und bedeutungsvolle soziale Verbindungen innerhalb der Kirche habe, bleibe ich mit dem Mormonismus auf diese Weise in Berührung. Ich identifiziere mich aktuell als „progressiven Christen“ und hoffe auch, dass die Kirche sich in ihrer Glaubensinterpretation und Kultur weiterentwickeln wird. Ob Platz für Menschen wie mich darin ist und auch ob ich noch den Wunsch haben werde, Mitglied zu bleiben, muss sich für mich noch zeigen. Guido: „Obwohl ich vieles in der Kirche schätze, stehen Exklusivismus, Informationskontrolle und Verschleierung mit meinen wichtigsten Werten im Widerspruch“ weiterlesen

Reaktion eines homosexuellen Kirchenmitgliedes auf Elder Bednar

Heute postete ein homosexuelles Kirchenmitglied, Bruder Tyler Glenn eine Reaktion auf die Aussage von Elder David A. Bednar: „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“. Die Reaktion kam offensichtlich kurz nachdem er das Video von Elder Bednar gesehen hatte.
Tyler ist Lead-Sänger der Band Neon Trees. Er hat verschiedene Lieder unter Anderem auch auf Veranstaltungen für Kirchenmitglieder gesungen. Eine Frage zum Nachdenken: Wie viel Schmerz verursachen wir mit solchen Aussagen bei unseren Schwestern und Brüdern?
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Elder David A. Bednar: „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“

Das Statement von Elder Bednar „Es gibt keine homosexuellen Mitglieder in der Kirche“, das er in einem Frage-und-Antwort Forum am 23. Februar in Lateinamerika äußerte, hat seit dem 1. März 2016 im Internet und den soziale Netzen ein Erdbeben ausgelöst – man höre und staune: sogar in der deutschsprachigen Mormonen-Welt!

Beim Anschauen des Videos war ich – sicherlich zusammen mit einigen Anderen – zunächst perplex.

Ich lernte von Elder Bednar, dass es keine „homosexuellen Mitglieder“ gibt, da Homosexualität nicht die Identität eines Menschen bestimmt, sondern, dass sie eine Art „Herausforderung“ im Fleische darstellt, eine Schwäche, die wie so viele andere Schwächen überwunden bzw. ertragen werden kann. Er fügt hinzu, dass man sich eben nicht über eine Schwäche definiert, sondern dass alle Menschen einfach nur „Kinder Gottes“ sind, und nicht „Homosexuelle“.

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