Archiv für den Monat: Februar 2020

Dr. Julie Hanks: „HLT-Bischöfe sind keine Therapeuten“

Die Bischöfe der Heiligen der Letzten Tage sind keine Therapeuten. Meiner Erfahrung nach müssen Bischöfe, gerade wenn es um Missbrauch geht, weniger beraten und mehr auf die Experten zurückgreifen. Sie sind der geistliche Leiter einer Gemeinde, aber sie sind normalerweise kein Experte auf bestimmten Gebieten. Missbrauch ist kein geistiges Problem – es ist ein Verbrechen.

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Hans Mattson: „Es ist der verbotenste aller Gedanken. Er könnte mein Leben ruinieren, meine Ehe zerstören und sogar dazu führen, dass meine Kinder sich gegen mich wenden.“

Der Regen tropft als die Abenddämmerung einfällt. Die Sicht ist schlecht. Abschnitte der E20 bedürfen der Reparatur und es befinden sich große Wasserpfützen entlang der Fahrbahn. In diesem tristen Wetter im Herbst 2009 fahre ich aus der Heimat meiner Kindheit nach Hause zu meiner Familie in Stockholm.
Obwohl ich 59 Jahre alt bin, denke ich zum ersten Mal in meinem Leben das Undenkbare in meinem Herzen: „Es ist wahrscheinlich nicht wahr!“ Es ist der verbotenste aller Gedanken. Er könnte mein Leben ruinieren, meine Ehe zerstören und sogar dazu führen, dass meine Kinder sich gegen mich wenden. Ich wäre dann nur noch ein Hochstapler, ein Verräter, jemand der seine Bündnisse bricht, ein Niemand. Ich würde als schwach und getäuscht angesehen – ein Pariah. Mein gesamtes soziales Netzwerk würde zusammenbrechen. Es wäre eine Peinlichkeit für meine Verwandtschaft und ein Betrug am Familienerbe. Es würde Schmerzen und Verwundungen verursachen. Schlimmer noch, die Dinge, die nach wie vor gut sind, würden in den Abgrund des Unglaubens mitgerissen werden. Ich wäre nicht länger einer der Erwählten – auf meinem Weg, zu Gott zurückzukehren.
Ich bete, bettle, rufe, schluchze „Herr Gott, hilf mir! Bitte lass mich alle meine Fragen vergessen. Lass alles wieder so sein, wie es war. Lass es doch einfach wahr sein! Ich kann das nicht – ich kann das einfach nicht ertragen! Himmlischer Vater, höre mich doch; das alles macht mich ganz verrückt. Es muss doch wahr sein.“ Stille. Tränen beginnen zu fließen. Ich weine wie ich noch nie in meinem ganzen Leben geweint habe, was die Sicht auf die E20 nicht gerade besser macht. Ich erleide Verlust, von Antworten.
Ich fühle mich leer. In wenigen Stunden werde ich bei meiner geliebten Birgitta zu Hause sein und sie wird ohne Zweifel erkennen, dass etwas sehr Ernsthaftes mit mir los ist. Soll ich sie in diese Verzweiflung hineinziehen? Soll ich meine Tränen trocknen und so tun als sei nichts passiert? Soll ich mein eigenes Leben und das meiner Familie vollständig auf den Kopf stellen und ein Chaos in unserer Gemeinde hervorrufen?
Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll, aber schon bald erscheint das Zeichen – „Willkommen in Haninge“. Unsere Familie hat ihr zu Hause hier eingerichtet, in einer der Kommunen mit dem höchstem Anteil Mormonen in ganz Europa. Die Fahrt von dem Haus meiner Mutter Clara in Göteborg ist nun fast zu Ende. Ich war in dem Auto für ein paar Stunden alleine mit all meinen Gedanken. Ich habe über das Undenkbare nachgedacht. Und ich realisiere, dass ich wahrscheinlich einen langen, harten Weg vor mir habe. Dieses ist die Geschichte einer Reise von einem strukturierten und regulierten Leben mit stets verfügbaren Antworten zu einem neuen, authentischeren Leben.

Aus:
Mattsson, Hans. Wahrheit gesucht – Zweifel gefunden (German Edition) (S.10-11). Kindle-Version.

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In eigener Sache: Antworten auf Missverständnisse & Vorurteile ggü. openfaith

Ich glaube wenn man so etwas wie openfaith in einem HLT-Umfeld macht, entstehen bei Geschwistern einige Missverständnisse und Vorurteile. Ich möchte drei davon versuchen zu klären, die mir immer mal wieder begegnen:

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Zusammenfassung und Diskussion der neuesten Änderungen des „General Handbook“ vom Februar 2020

Die Kirche hat am 19. Februar 2020 ein neues General Handbook mit dem Untertitel „Serving in The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints“ – zunächst in englischer Sprache – veröffentlicht. Die bisherigen Priestertumsführungs-Handbücher Nr. 1 und Nr. 2 sind damit obsolet.
Elder D. Todd Christofferson sagte dazu: „Dieses neue Handbuch ist Teil der laufenden Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi, welche vor 200 Jahren begann. Diese Wiederherstellung war und wird auch weiterhin ein Prozess des Lernens sein, wie man einer reichhaltigen und diversen Welt so dienen kann, wie Jesus es tun würde. […] Wir wissen, dass es in dieser Kirche Platz für alle gibt.“ (Quelle: Offizielle Pressemitteilung)
John Dehlin hat sich die Arbeit gemacht, die wichtigsten Handbuchänderungen zusammenzufassen. Seine Fragen und weitere Reaktionen weiter unten.

Das neue Handbuch für Führungskräfte
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