„[Mein Vater] fügte hinzu, dass ich dann nicht in der Ewigkeit mit meiner Familie zusammen sein kann“

Dieser persönliche Bericht stammt von einem jungen Mitglied unserer offenen Gesprächsgruppe, das gerne anonym bleiben möchte:

Tieferes Nachsinnen auf Mission

Ich habe erst auf Mission angefangen über die HLT-Lehre nachzudenken und war auch bestrebt ein Zeugnis zu erlangen (als Jugendlicher war ich nur wegen meinen Eltern und Freunden in der Kirche, Gedanken habe ich mir nie darüber gemacht). Ich habe das Buch Mormon 5x und das Neue Testament 2x gelesen. Ich habe mich jeden Abend hingekniet und gebetet. Ich habe oft das Gleiche gesprochen, denn ich wollte eine Bestätigung durch den Heiligen Geist, dass das Buch Mormon und folglich auch die Kirche wahr sind. Leider hatte ich nie eine Antwort bekommen, ich hatte das Gefühl dass meine Gebete nur bis zur Zimmerdecke reichten. Ich fragte mich sehr oft ob es an mir liege, ob ich zu stolz bin oder auch nicht bereit bin Gott bzw. Jesus Christus anzunehmen. Nach vielen Zweifeln und Versuchen hatte ich mich dazu entschieden die Mission abzubrechen und ich wollte auch mit der Kirche Schluss machen.

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„Unser Weg aus der Kirche in ein neues Bewusstsein“ – Die Geschichte von Bärbel und Johannes

Johannes und Bärbel, ehemals Mitglieder in den Regionen Stade und Braunschweig, haben vor kurzem den Weg in unsere openfaith-Facebookgruppe gefunden, und erzählen von ihrer Bekehrung, ihrer Zeit in der Kirche, den resultierenden familiären Problemen und den Gründen für ihren Ausstieg. Sie fassen außerdem zusammen, was sie für sich aus diesen ganzen Erfahrungen gelernt haben.

Hinweis zum Zweck der Veröffentlichung: openfaith will niemanden von der Kirche abbringen oder zu etwas Anderem bekehren. Der Mensch soll im Zentrum stehen und der Wert des Menschen unabhängig von Organisationszugehörigkeiten. Außerdem soll mit der Veröffentlichung die uns allen innewohnende Fähigkeit gewürdigt und zelebriert werden, mit Gott den individuell richtigen Weg für unser Glücklichsein zu wählen, egal ob innerhalb oder außerhalb der Kirche. Meinungen derjenigen, die hier ihre Geschichten erzählen, werden generell ungefiltert wiedergegeben, wie es den erklärten Grundsätzen der Zweckerklärung von openfaith entspricht.

Bärbel

Wer ich bin und wie meine Familie zur Kirche kam

Manchmal ist es schwer mindestens die Hälfte seines Lebens (denn ich will mindestens 100 werden) in kurze Worte zu fassen, aber einen Versuch ist es wert. Im Anschluss wird mein Mann seine Sicht schildern. Ich wurde 1959 als Zwillingsschwester meines jüngeren Bruders, in Schönberg Kreis Plön geboren und bin vom 2. bis zu meinem 7. Lebensjahr ohne Vater groß geworden. Nachdem meine Mama nochmal heiratete, erfuhr sie kurze Zeit später, als sie mit meinem Halbbruder im 6. Monat schwanger war, dass mein Vater mit dem Schiff von hoher See nicht wiederkehren würde. Die ganze Mannschaft war auf Grönland verschollen. Wir lebten zur damaligen Zeit in Bremerhaven und hier lernte dann meine Mama auch kurze Zeit später durch die Missionare die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage kennen und auch wenn sie zuerst vor der Wahrheit und ihren starken Gefühlen davonlaufen wollte, so schloss sie sich doch kurze Zeit später der Kirche an und mein Bruder und ich wurden auch getauft und mein kleiner Bruder, der dann geboren wurde, erhielt die Kindersegnung. Nach dem Tod meines Vater zogen wir zu meinen Großeltern nach Hesedorf bei Bremervörde.Wir fühlten uns glücklich in der neuen Kirche, aber für meine Mutter war es nicht einfach, denn sie war nun das schwarze Schaf der Familie. Mein Urgroßvater, der Kantor in der evangelischen Kirche war und alle unsere Verwandten kamen mit dem Wandel nicht sehr gut zurecht, verstießen uns aber nicht, sondern behielten weiter liebevollen Kontakt.

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„Lieber Elder Oaks: Ein Jahrzehnt in der HLT-Kirche“ – die Geschichte von Elder Randell Hoffmann

Elder Randell Hoffmann erzählt seine bewegende Geschichte, die in Reaktion auf Elder Oaks letzte Generalkonferenzansprache (Herbst 2017) entstand. „Randy“, wie ihn seine Freunde nennen, stammt aus Kalifornien und diente bis Juli 2015 in der Deutschland Berlin Mission.

Lieber Elder Oaks,

Heute vor zehn Jahren wurde ich in die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getauft. Es war ein wunderschöner, besonderer Anlass, eine Verordnung, die ich gemeinsam mit Familie und Freunden gleichermaßen erleben durfte. Die Erinnerung daran ist in meinem Herzen genauso tief verwurzelt wie noch am Tag danach. Die Redner, die gesprochenen Worte, die gesungenen Lieder. Ich erinnere mich an die Schwestermissionare, die mich belehrt haben, und mich mit einer Interpretation von „Ich bin ein Kind von Gott“ überrascht haben. Ich saß dort in meinem weißen Overall, barfuß und mit kalten Füßen, hörte den Sprechern zu und fühlte mich so warm.

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Disneyland 2007

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Danke, Elder Uchtdorf!

Lieber Elder Uchtdorf,

vielen Dank für Ihren Einsatz für mehr Transparenz, Offenheit, Inklusivität und Menschlichkeit in der mormonischen Kirchenkultur. Auch ich werde Sie – wie viele andere Glaubensgeschwister – schmerzlich in der obersten Führungsriege vermissen.

Wenn ich mir Ihre Ansprachen anhörte, freute ich mich, weil sie Menschen zusammenführten statt zu spalten – weil sie eine vorbehaltlose Liebe repräsentierten. Eine solche Liebe empfinde ich als göttlich und sie ist das heiligste und schönste, das Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft demonstrieren und in die Tat umsetzen können. Danke, Elder Uchtdorf! weiterlesen

Nahtod-Bericht von Bettie Eadie: Die Haltung Jesu Christi zur Vielfalt verschiedener Religionen und Weltanschauungen

Bettie J. Eadie ist vielen, die sich mit Nahtoderfahrungen beschäftigen ein Begriff, besonders durch ihr Buch „Licht am Ende des Lebens – Bericht einer außergewöhnlichen Nah-Todeserfahrung“ (Knaur 1994).

Obwohl ihre Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekannt ist, erscheint das Verhältnis zur Kirche von außen betrachtet gemischt:
Einerseits findet man in ihrem Erlebnisbericht viele Bestandteile der mormonischen Sicht auf das Jenseits, weswegen es von vielen sogar als Missionierungswerkzeug betrachtet und genutzt wurde. Auch sagt die englischsprachige Wikipedia, dass Bettie Eadie nach ihrer Nahtod-Erfahrung in ihrer Gemeinde in Seattle aktiv wurde, während sie vorher jahrelang inaktiv war.

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Generalkonferenz-Kommentar: „Elder Oaks, was wir brauchen ist mehr Liebe – keine Bekräftigung von Proklamationen und Richtlinien, die Kinder Gottes ausgrenzen“

Nachdem ich mich dem wieder mehr öffnen kann, habe mir die Samstagvormittag-Versammlung der Generalkonferenz angeschaut. Freute mich auf die geistige Erbauung. Diese kam auch, und zwar mehr als ich mir erhofft hatte, bis dann Elder Oaks an die Reihe kam…

Uchtdorf

Erste Ansprache: Uchtdorf spricht wirklich aufbauend und versöhnlich. Die Worte sind für mich nicht nur inspirierend, sondern für bisherige Kirchenstandards so inklusiv, dass ich meinen Ohren kaum traue und etwas ungeduldig andere im Raum bitte, leise zu sein, damit ich nichts davon verpasse. Uchtdorf erwähnt bedeutende Charaktere in der Entstehung der Kirche, wie z.B. Martin Harris, Oliver Cowdery und Generalkonferenz-Kommentar: „Elder Oaks, was wir brauchen ist mehr Liebe – keine Bekräftigung von Proklamationen und Richtlinien, die Kinder Gottes ausgrenzen“ weiterlesen

Glaubensstufen-Modell von James Fowler: Welchen Nutzen bietet es Kirchenmitgliedern?

Hast Du den Eindruck, Deine Art und Weise zu glauben verändert sich und würdest das gerne näher verstehen? Wunderst Du Dich, warum so viele Deiner 20-40 jährigen Glaubensgefährten den Glauben ihrer Kindheit hinterfragen? Fühlt es sich für Dich seltsam an, Menschen wegen ihrer „Glaubenskrise“ ohne tieferes Hinterfragen das Label „Übertreter/Zweifler“ anzuheften?  Möchtest Du die Beziehung zu Familienangehörigen verbessern, die „anders“ glauben als Du? Möchtest Du ein Kind optimal im Glauben fördern und fragst Dich, was besonders wichtig dabei ist? Dann geht es Dir nicht anders als vielen anderen Gläubigen, denen das Modell von James Fowler bereits weitergeholfen hat.
So häufig wurde ich bereits von anderen Glaubensgeschwistern und Teilnehmern der openfaith-Facebookgruppe  über Details zu dem Glaubensstufen-Modell von James Fowler gefragt, dass ich mir dachte, ich müsste dazu mal einen Beitrag posten. Das Modell bietet die Chance, Glaubensentwicklung besser verstehen zu und fördern zu können und Verständnis unter Individuen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen herzustellen. Außerdem bietet es die Chance, sich selbst in einer Glaubenskrise nicht unnötig zu verurteilen, sondern die eigene Krise als Entwicklungsschritt zu verstehen. Zunächst sollen in diesem Artikel die einzigen Phasen der Glaubensentwicklung vorgestellt werden. Danach soll das Modell diskutiert werden.

Erklärung

Vorstufe: Undifferenzierter Glaube
(im Säuglingsalter)
  • Auf dieser Stufe entwickeln Kleinkinder einfaches Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen zum engsten Kreis seiner Mitmenschen (Mutter, Vater, Geschwister, etc.)
  • Die Qualität und Tiefe auf dieser Stufe bilden die Basis für alle späteren Entwicklungen des Glaubens für die Person.

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Was mich zur Kirche hinzieht: Terryl Givens fünf Facetten des Mormonismus

Heutzutage können freidenkerische Mormonen so manche Gründe anführen, die Kirche nicht zu mögen: Neben der mit manchen Grundsätzen des neuen Testaments unvereinbaren Haltung gegenüber Homosexuellen, über finanzielle Intransparenz bis hin zu Kontroll-Aspekten des Kirchensystems.  Diese Abneigungen verspüre ich persönlich auch. Dennoch möchte ich heute thematisieren, was mich zur Kirche hinzieht. Diese positiven Punkte sind genau so real. Da mir dafür ein Text von Terryl Givens kürzlich aus dem Herzen gesprochen hat, führe ich die von ihm genannten fünf Facetten des Mormonismus auf:

 

  1. Gott ist eine Person mit einem Herzen, das in Empathie mit den menschlichen Herzen schlägt, unsere Freude und unser Leid über unseren Schmerz fühlt.
  2. Wir lebten als Geistwesen in der Gegenwart Gottes, bevor wir in dieses sterbliche Leben hineingeboren wurden.
  3. Die Sterblichkeit ist ein Aufstieg, kein Fall, und wir tragen unendliches Potenzial in eine Welt der Sünde und der Trauer.
  4. Gott hat den Wunsch und die Macht, die ganze Menschheitsfamilie in einem Königreich des Himmels zu vereinen und zu erheben, und, abgesehen von den hartnäckigsten Unwilligen, wird das unser Schicksal sein.
  5. Der Himmel wird aus den Beziehungen bestehen, die uns jetzt am wichtigsten sind.

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Anne 2/2: Vorzeitiges Ende der Mission, Selbstfindung und Ausblick

In dieser zweiteiligen Interview-Serie erzählt Anne (Name geändert) von ihrer bewegenden Lebens- und Glaubensreise als HLT-Kirchenmitglied. Das Interview führte Guido.
Teil eins handelte von ihrer insgesamt positiv empfundenen Kindheit in der Kirche und ihrem Kampf mit dem Thema Sexualität als Jugendliche. Im Vorfeld ihrer Mission erleidet sie einen Missbrauch. Sie erzählt von ihrem ersten Tempelbesuch in Vorbereitung auf ihre Mission und was sie dabei empfunden hat.
Im vorliegenden Teil zwei, geht es um ihre zunächst aufbauende Erfahrung im Vollzeit-Missionsdienst in den USA, welcher dann eine dramatische Wendung vollzog und darin mündete, dass sie nach Hause geschickt wurde. Anne arbeitet ihre traumatischen Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Ereignis auf. Dann erzählt sie, was sie für ihr heutiges Leben aus diesen ganzen Erfahrungen gelernt hat und wie sich ihre Sicht auf die Kirche und den Glauben dadurch verändert hat.

Anne, im letzten Teil hatten wir davon berichtet, mit welchen Schwierigkeiten Du im Vorfeld auf Deine Mission zu kämpfen hattest. Diese wurden aber schließlich überwunden und Du bist tatsächlich auf Mission gegangen. Wie hast Du Deine Mission erlebt?

Ich war total gerne auf Mission! Das MTC habe ich jedoch als „Goldenen Käfig für Kleinkinder“ empfunden. Ich selbst war zu dem Zeitpunkt schon älter als die meisten anderen Missionare, die 18 oder 19 sind, und dementsprechend kamen mir viele dieser Regeln etwas albern vor. Manche haben sich aber noch sehr unreif verhalten, aber ich habe auch Menschen mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung getroffen. Auf sie wirkten die Regeln auch teilweise übertrieben.

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