Archiv für den Monat: November 2021

Du sollst (nicht) töten: Ist Nephi Vorbild oder abschreckendes Beispiel?

Podcast-Audio von „Davenger“ aus der Community

Jedes Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Spitzname: Mormonen) kennt die Geschichte im Buch Mormon, in der Nephi Laban tötet. In Leitfäden und Materialien, die von der Organisation zur Verfügung gestellt werden, wird diese Tat als positives Lehrbeispiel für Gehorsam verwendet. Kinder und Jugendliche werden sehr früh mit dieser Geschichte konfrontiert. „Davenger“ wirft in dieser Podcast-Premiere einen genaueren Blick auf Implikationen der Tat und seiner Rechtfertigung.

How did Nephi keep from getting blood on his clothes when he killed Laban?
Szene aus dem Buch Mormon 1. Nephi 4: Nephi tötet Laban

Was passiert mit Zehnten- & Spendengeldern bei den Mormonen (HLT)?

Von Guido Müller

Die letzten Jahre meiner aktiven Kirchenmitgliedschaft habe ich immer explizit nur für „Humanitäre Hilfe“ gespendet, im Vertrauen, dass das dann wenns dort so steht auch genau so eingesetzt wird. Nun kommt in dem neuen Fusstext des Zehnten & Spendenscheins der Kirche allerdings die Denkweise der Organisation zutage, die ich bereits vermutet hatte. Vor kurzem las ich ja, dass aus dem geschätzten 100 Milliarden Dollar schweren Ensign Peak „Rainy Day Fund“ der Kirche nun schon 130 Milliarden geworden sein sollen. Berichtet wurde sowohl im Wall Street Journal, bei NTV, und in der Zeit.

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Mein abschließendes Fazit zum Buch Mormon

Aus der Community

Nach vielen Jahren intensiver persönlicher Beschäftigung und Glaubensgespräch zum Buch Mormon habe ich erkannt, dass sich nach einer heissen, intensiven und dynamischen Phase meine eigene Sichtweise gefestigt und „abgekühlt“ hat. Quasi wie der Pudding der nach Mixen und Erhitzen endlich im Kühlschrank zur Ruhe kommen darf. So ist es auch beim Buch Mormon.

Mittlerweile rede ich auch kaum noch mit Leuten in meinem Umfeld über das Buch Mormon…somit darf dies gerne als abschliessende Äusserung meiner persönlichen Sichtweise betrachtet werden. Dabei habe ich keinesfalls den Anspruch auf irgendeine Vollständigkeit, sondern lege einfach nur meine Gedankengänge und Schlussfolgerungen dar. (Diese sind nicht dazu da, sie einfach zu übernehmen, sondern sollen zur eigenen Beschäftigung mit den Themen anregen, sofern erwünscht und „safe“ für Euch.

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„Es geht nicht um Elder Ballards Errettung, dass er immer wieder hierher kommt. Darum hat er sich schon vor langer Zeit gekümmert.“

Aus der Community

Elder Holland redete am Samstag den 30. Oktober in der Konferenz für Großbritannien darüber, dass Elder Ballard vor vielen Jahren seine Errettung gesichert hätte. („secured his salvation“) „Es geht nicht um Elder Ballards Errettung, dass er immer wieder hierher kommt. Darum hat er sich schon vor langer Zeit gekümmert. Er würde das nicht sagen, aber ich kann es.“
(Engl. Original: „It isn’t for Elder Ballards Salvation that he keeps coming here. He got that taken care of a long time ago. He wouldn’t say that, but I can.“ Elder Holland im Video)

Die Zuhörer lachen, aber ist die Behauptung wirklich nur ein Witz? Nun ja, da ist (leider) noch mehr dran, denn es handelt sich zwar um eine geheime Zeremonie, aber es gibt tatsächlich ein solches Ereignis im Leben der Apostel und mancher anderer „erwählter“ Kirchenautoritäten, das sie dazu bringt zu denken sie würden mit absoluter Sicherheit errettet und erhöht werden.

Hier redet Elder Holland in einer Konferenz für Großbritannien darüber, dass Elder Ballard vor vielen Jahren seine Errettung gesichert hätte.

Erlebnisbericht aus dem deutschsprachigen Raum zur zweiten Salbung

Falls irgendjemand nicht weiss, wie diese geheimen / „heiligen“ Zeremonien ablaufen, es gab mal einen Nutzer namens „The Anointed One“, der seine Story auf deutsch im Netz erzählt hat. (Im englischsprachigen Raum gibt es viele weitere Erzählungen, die exakt die gleichen Muster und Merkmale aufzeigen.) Hier der Bericht:

„Es gibt schon Quellen über Einzelheiten über die Zweite Salbung und ich werde wahrscheinlich diesem Wissen nichts Neues hinzufügen. Ich schreibe diesen Bericht aber, um zu bestätigen, dass diese Verordnung tatsächlich immer noch stattfindet, da ich diese Verordnung empfangen habe, und wie sie gegenwärtig durchgeführt wird. Ich benenne die Namen des Apostels und des Siebzigers, die dabei waren, wie auch das Datum und den Tempel, so dass die Glaubwürdigkeit nicht in Frage gestellt werden kann. Ich habe meinen eigenen Namen nicht erwähnt, da ich nicht Betonung darauf legen möchte, dass ich Gegenstand der Verordnung war. Es geht mir nicht darum, meine Anonymität vor der Kirche zu schützen, da die Erste Präsidentschaft in der Lage sein wird, mich an Hand dieses Berichts innerhalb von Minuten, wenn nicht sogar sofort, zu identifizieren.

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„Wenn man denkt, es wird Brot geworfen, aber in Wirklichkeit fliegen Steine“

Aus der Community

Ich wollte bereits am Montag abend ein Bild/Gleichnis von jemandem weitergeben, den ich hier im Pfahl als echten Nachahmer Christi wahrnehme, dann kam aber der Facebook-Breakdown dazwischen. Bei den Ansprachen dieser Person habe ich den Eindruck, ALLE ZUHÖRENDEN können wachsen und lernen.

Steinfänger werden – ein Anliegen Christi?

Das folgende Gleichnis wurde am vergangenen Sonntag in einer Ansprache verwendet, wo Mitglieder im Rahmen einer Gemeindekonferenz eingeladen wurden, darauf zu achten, wie sie miteinander umgehen. Alle Mitglieder wurden eingeladen, im übertragenen Sinne zu „Steinfängern“ zu werden. Darauf zu achten, wann ein Stein auf einen Mitmenschen losgeworfen wird, und sich mutig davor zu stellen. Natürlich auch, bisher unbemerktes eigenes Steinewerfen zu hinterfragen. Er sagte auch, manchmal mögen wir uns dabei sehr hilflos vorkommen, wenn wir uns in die Flugbahn eines Steines hechten … und manchmal mögen wir den Stein, der für jemand anders bestimmt war, sogar selbst abbekommen.

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„Wir gehören zu Israel und sind auch Polygamisten“

Erfahrungsbericht aus der Community (Alle Namen geändert)

Für alle die denken, dass die Polygamie und entsprechende Interpretationen in Leitfäden etc. uns und unser Denken hier im deutschsprachigen Raum wenig betreffen und beeinflussen. Und dass es hier niemandem schadet: Eine leider zu 100 % wahre und authentische Polygamie – Story aus Norddeutschland, die mir selbst widerfahren ist, und die hier vor Jahren mal Thema war. Aus nachvollziehbaren Gründen erzähle ich sie anonym und habe alle Namen geändert.

Ich traf vor ca. 7 Jahren eine Frau (hier: Sandra), die wie ich aktives Mitglied der HLT-Kirche war und alleinerziehend mit mehreren Kindern lebte. Wir lernten uns nach HLT-Standards näher kennen – das war einige Jahre nach ihrer und meiner Scheidung. Ihr Ex-Mann, (hier: Paul) der ironischerweise selbst bereits eine neue Freundin hatte und auch unverheiratet bereits bei dieser lebte, wollte meiner damaligen Freundin neue Bekanntschaften wohl nicht gönnen und machte ihr das Leben regelmäßig schwer. Sie wurde von ihm – und dem amtierenden Pfahlpräsidenten – öfter mit problematischen, kontrollierenden Aussagen konfrontiert. Auch ich erhielt von diesem Ex – weil er mich übers Netz ausfindig machte – dann irgendwann E-Mails, bei denen ich fast einen Schock bekam.

Ich fragte mich schon damals: Was passiert hier eigentlich? Was geht hier ab? Und das obwohl ich die Kirche noch für „wahr“ hielt und Joseph Smith für den inspirierten Propheten. Es geht mir nicht darum, ihren Ex-Mann einseitig schlecht zu reden oder zu verteufeln, denn ich erfuhr: er hatte eine SEHR schwere Kindheit. Und das war unter Anderem sicher ein Grund für sein extrem herabwürdigendes, kontrollierendes Verhalten, wie ich annehmen muss. Ich zitiere seine Mails an mich hier dennoch, weil ich aufzeigen will, zu was es führt, dass wir uns immer noch nicht endgültig von der Polygamie distanziert haben. In unseren Leitfäden deuten wir immer noch an, dass der Prophet die Polygamie jederzeit wieder einführen könnte. Zitat aus dem Lehrerleitfaden: „Die Mehrehe ist verboten, es sei denn der Herr gebietet sie durch seinen Propheten.“ („Lehre und Bündnisse und Geschichte der Kirche“ Lehrerleitfaden, S. 225)

Anstatt dass obesessiv-kompulsives Verhalten bekämpft wird und Menschen eingeladen werden eine Therapie aufzusuchen, bekommen sie einen göttlichen Stempel für polygame Anmassungen und sehen sich auf dem göttlich-rechtschaffenen Pfad.

Was mich an der unten stehenden Geschichte auch noch besonders schockiert hat war, dass der Pfahlpräsident sich mit vor den Zug spannen ließ und das krankhafte Kontrollverhalten des Ex-Mannes noch unterstützte. Diese Kontrolle führte zeitweise so weit, dass auch der Gesundheitszustand meiner Freundin sich extrem verschlechterte und sie nicht nur emotional, sondern auch körperlich beeinträchtigt wurde.


+++MAIL BEGINN+++
Hallo, wir kennen uns nicht und doch muß ich Dich jetzt anschreiben. Ich habe einiges über Dich auf Portalen (Xing etc.) gelesen und denke das Gott Dir wichtig ist, deswegen möchte ich Dir die Worte des Höchsten ans Herz legen:

1. Korinther 7:10-11
Den Verheirateten gebiete nicht ich sondern der Herr: Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen. Wenn sie sich aber trennt, so bleibe sie unverheiratet .

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„In jedem dritten Lied das Gefühl, getriggert zu werden“

Ein Beitrag aus der Community

Ich poste das hier anonym, weil sich das für mich in der jetzigen Situation richtig anfühlt, und ich denke, ich möchte oder muss das nicht weiter erklären: Ich war vor Kurzem wieder mal in der Versammlung und hab dort wie üblich die Gesangbuchlieder mitgesungen…will Euch kurz schildern, was sich dabei in mir verändert hat und was mir auffiel. Früher habe ich in vielen Chören der Kirche mitgesungen und Musik war einer der wichtigsten Bestandteile meines Kirchenlebens. Ich habe die Gesangbuchlieder quasi aufgesogen wie ein Schwamm, daraus viele gute Dinge gelernt und wirklich geglaubt, wenn die Kirchenführer sagten, die Gesangbuchlieder seien wie die „Heilige Schrift“. Damals hatte das Wort „Heilige Schrift“ allerdings auch noch eine positivere Bedeutung für mich. (Heute denke ich, dass die Schriften inhaltlich viel mehr hinterfragt werden müssten, aber uns das Label „heilig“ daran hindert, dies zu tun…es kommt mir manchmal mehr wie ein Denkverbot vor. Sollte die Auseinandersetzung mit Schrift nicht vielmehr eine Einladung sein, auch heute genauso offen über Gott nachzudenken, wie die Menschen das damals taten?)

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