Schlagwort-Archive: Mormonismus

Gefühle nach dem Austritt: Habe ich „Mormonen PTSD“?

Von Guido Müller



+++Hinweis: Bitte nur lesen wenn Du supportive sein kannst oder Erfahrung beisteuern – und nicht wenn Du verletzt bist wenn womöglich das Wort „Kult“ im Zusammenhang mit einer bestimmten Religion fällt. Habe heute keine Lust auf Streit oder Diskussion sondern brauche Support, weils mir wirklich mies geht. Bin auch ernsthaft am Überlegen ob ich mir doch professionelle Unterstützung suchen muss. 🙁 +++

Seit ein paar Tagen geht es mir sehr schlecht und ich habe leider nur Vermutungen, aber keine Gewissheit, warum ich mich so fühle. Mein Austritt ist gerade noch sehr frisch…habe ich das Mormonen PTSD, von dem einige berichtet haben?

Mich würde dringend interessieren, wie hart Euch der Ausstieg aus der Bahn geworfen hat. In München gibt es einen Ausstiegsexperten, der eine Beratung in drei Stufen vornimmt, und dort klingt das mit dem Ausstieg nicht nach Zuckerschlecken. Er spricht von einer recht hohen Anzahl wo die Probleme auch 1-8 Jahre nach einer herkömmlichen Beratung nicht gelöst werden (siehe Zitat unten). Deswegen geht er in einer dritten Stufe mit seinen Klienten dann auch noch die Zeit VOR dem „Kultdasein“ an. Finde das sehr spannend, denn ich glaube ebenfalls nicht, dass alle Probleme auf die Mitgliedschaft im Kult zurückzuführen sind.

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Spiritualität, Beziehungen und kirchliche Botschaften

Von Guido Müller

Bildquelle: pixabay.com

Menschen, die Probleme mit der Kirche haben oder sich von der Kirche distanzieren, wurden in verschiedenen Ansprachen der Generalautoritäten direkt oder indirekt als „Lazy Learner“, „verwirrt“, „unrechtschaffen“, „weniger vertrauenswürdig“ und „weniger geistig“ dargestellt, wenn es nett formuliert wird. Diese Denkweise schwappt leider auch auf sehr viele Mitglieder über, die vertrauen, dass die Botschaften ihrer Führer in jeder Hinsicht gut und gesund sind.

Weniger nett formuliert wird auch in Konferenzansprachen der letzten Jahre noch die Formulierung von Joseph Smith genommen, der das Wort „Gefäße des Bösen“ prägte. Manchmal werden die Betroffenen auch indirekt mit den Jüngern in Verbindung gebracht, die Jesus nicht mehr nachfolgten (Judas comes to mind…ganz aktuell in der Konferenz drin gewesen).

Wie beeinflussen Konferenzbotschaften Beziehungen in gemischt-gläubigen Familien?

Ich könnte wahrscheinlich nicht nur zehn, sondern mindestens hundert Ansprachen der letzten zehn Jahre finden, wo derartige verurteilende Messages gestreut werden. Die kommen übrigens immer wieder neu…man kann während Konferenzansprachen fast die Uhr danach stellen. Daher kaufe ich auch nicht die Botschaft, dass die Konferenz neuerdings so friedfertig wäre. Sie schafft es, nach außen für viele friedfertig zu wirken…dem stimme ich zu, allerdings ist die Konferenz für mich erst friedfertig, wenn man die Urteile und Angstbotschaften unterlässt – und nicht einfach in Zuckerwatte verpackt. Bis dahin haben wir es mit klassischen „Doppelbotschaften“ zu tun.

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„Brief an einen CES-Direktor“ (CES Letter) gelesen – Was nun?

Frage von Lisa (Name geändert) und Antworten aus der Community

Bildquelle: cesletter.org

Hallo zusammen! Ich bin Lisa, gehe auf die Vierzig zu, verheiratet und Mutter. Ich gehöre einem Pfahl in Süddeutschland an. Nachdem sich meine Eltern bekehrt haben, bin ich mit dem Evangelium groß geworden und heute aktives Kirchenmitglied.

Kirchenkritische Lektüre als Austrittsgrund

Im erweiterten Bekanntenkreis habe ich letzte Woche erfahren, dass einige Mitglieder nicht mehr zur Kirche gehen. Das fand ich sehr schade, weil ich sie immer als sehr aktive Mitglieder empfunden hatte. Als ich nach dem Grund fragte, sagte man mir, dass es viele Austritte gab wegen kirchenkritischer Lektüre. Als ich erfuhr, dass es unter anderem um den Brief an einen CES Direktor (PDF 3,7 MB) ging, hatte ich schon Interesse, was sich dahinter verbirgt.

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Erziehung: Wie vermittle ich meinen Kindern einen Wertekompass und Spiritualität ohne fragwürdige religiöse Dogmen?

von Guido Müller

Ich stimme in Sachen Erziehung Dr. Julie Hanks zu. Sie sagte dass es aus ihrer Sicht gut ist wenn Kinder von Eltern und in anderen Kontexten einen Moral- und Werte-Kompass vermittelt bekommen, den sie als Ausgangspunkt nehmen können, um ihn zu leben, zu reflektieren, aber dem sie dann auch irgendwann widersprechen können oder damit anecken dürfen.

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Wie sieht Religion in Zukunft aus?

Aus der Community

Wie können wir uns selbst, unsere Familien und unsere Gesellschaft nach der Dekonstruktion der Religionen und dem Versagen der kirchlichen Institutionen neu strukturieren? Wie können wir Spiritualität praktizieren, ohne die Wissenschaft hinter uns zu lassen? Das Mormonentum zum Beispiel ist eine sterbende Religion, deren Kirchengebäude nach und nach verkauft werden, deren Mitgliederzahlen sinken und deren Kinder fast ganz abwandern. Große Teile der entwickelten Welt werden schon bald keinen mormonischen Einfluss mehr haben. Was also kommt nun? Diesen und weiteren Fragen widmen sich Britt Hartley und Bill Reel in ihrem Podcast Almost Awakened.

Britt Hartley (Bildquelle: Facebook)

Dabei kommen Sie auch auf eine spannende Analyse der aktuellen Situation, in der sich eine wachsende Anzahl HLTs wiederfindet. In einem Facebook-Post fasst Hartley den Ist-Zustand zusammen. In der Regel gibt es drei Möglichkeiten, die angeboten werden.

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Wie ich heute über meine Kirchenerfahrung denke und fühle

Erfahrungsbericht von Sam (Name geändert)

Bildquelle: Guido Müller

Ich habe gerade meine Beitragshistorie angeschaut, habe mir meinen ersten Beitrag (nach meiner Vorstellung zu meiner Person) durchgelesen und hab‘ mal drüber nachgedacht was sich bei mir seitdem in meinem Glauben, meinen Ansichten usw. geändert hat.

Vorab! Alles was jetzt folgt ist/sind nur meine Meinung, Gefühle, Gedanken, Eindrücke usw. Wenn jemand andere Ansichten hat, ist das kein Problem.

Sollte sich jemand angegriffen fühlen, so ist dies keine Absicht, denn bedenke: Ich kenne dich höchstwahrscheinlich nicht und du mich auch nicht, also locker bleiben tief durchatmen und sich über was ärgern, was wichtiger ist als der folgende Text.

Hier einige Beispiele über Dinge, über die man sich ärgern kann, weil sie wichtiger sind als mein Post: (sei kreativ und füge hier selbst was ein, die Auswahlmöglichkeiten sind mannigfaltig!)

Im Wesentlichen kann ich es in einer Frage mit einer dazugehörigen Antwort zusammenfassen: Glaube ich, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage die wiederhergestellte und einzig wahre Kirche Gottes auf Erden ist? Antwort: Nein! Ich kann es einfach nicht mehr glauben.

Ich will damit wirklich niemanden angreifen, andernfalls würde ich hier Namen verlinken.

Eher möchte ich versuchen zu beschreiben, wie sich das für mich anfühlt. Das ist gar nicht so einfach, es ist eine Mischung aus enormer Wut, Trauer, Frustration, Enttäuschung, gepaart mit Fassungslosigkeit –  aber auch das muss ich erwähnen: Erleichterung und Hoffnung!

Ich zerlege das jetzt mal in die einzelnen aufgeführten Begriffe, denn anders bekomme ich es nicht vermittelt.

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Elder Neil L. Andersen: „Wer die HLT-Kirche verlässt, kehrt Jesus den Rücken zu“

Kommentar von Guido Müller

Ich bin während der Konferenz kaum dazu gekommen, mich mit den gepredigten Botschaften zu beschäftigen. Eine Stelle, über die wohl am heissesten und am meisten diskutiert wurde, sind die 1-2 Min von Neil L. Andersen zu denen ich hier vorgespult habe:

Verkürzt: Menschen, die die Kirche verlassen und besonders diejenigen die das nicht in sozialmedialer Mucksmäuschenstille tun, werden von Elder Andersen mit den Jüngern gleichgesetzt, die Jesus verlassen haben.

Wäre es wirklich so viel furchtbarer, wenn er stattdessen folgendes gesagt hätte:

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Gedanken über das Konzept der Segnung: „Alles gut, solange es nicht gefährlich oder absurd wird“

Von Juna Kollmeyer

Wenn ich mich an meine aktive HLT Zeit zurückerinnere, stand für mich bei jedem positiven Ereignis fest, dass dies ganz sicher ein Segen Gottes sei. In der Sonntagsschule wurde uns auch regelmäßig gelehrt, dass Segnungen eine Art Belohnung seien, die wir für unsere guten Taten von Gott quasi zurückbekommen.

Heute frage ich mich, ob das nicht eine merkwürdige Form von Interpretation und Deutung ist.

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„Glaube ist ungefährlich, wenn es Raum für Zweifel gibt“

Eine Analyse von Gwen Eggers

Immer wieder hören wir, dass sich in der Kirche nie etwas ändern wird und dass Reformen ein Wunschdenken seien. Diejenigen, die für einen Wandel einstehen wollen, würden ihre Energien vergeuden und warum sich Ehemalige überhaupt noch engagieren . Es gibt aber dennoch zwei Beispiele in der jüngeren Kirchengeschichte, wo zwei Glaubensgemeinschaften, die orthodox und mit Exklusivanspruch unterwegs waren, dieser Wandel gelungen ist und die sich „ökumenisch entsektet“ haben, oder auf dem Weg dorthin sind. Das sind einmal die Siebenten-Tags-Adventisten und andererseits die Neuapostolische Kirche, die mit 370.000 Mitgliedern in Deutschland und über 10 Millionen weltweit nicht sooo klein ist und in einigen Dingen der HLT Kirche ähnlich ist.

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Warum so viele intelligente Mitglieder einen Mann verteidigen, der wegen Hochstapelei vor Gericht stand und junge Frauen in geheime Ehen nötigte

Eine Analyse von Guido Müller

Eine der zentralsten Fragen, die sich mir in den letzten fünf Jahren im Austausch mit meinen vielfach tollen HLT-Freunden und Familienmitgliedern stellte:

Warum geben so viele ansonsten intelligente und liebenswerte Menschen so unheimlich viel Energie dafür, nicht auch nur den kleinsten Hauch an Zweifel zuzulassen über Joseph Smith, seine Werke und die von ihm maßgeblich geprägte Organisation? Warum geben sie so viel Zeit und Energie, diesen Mann zu verteidigen?

Bildquelle: commons.wikimedia.org

Die besonders treuen Kirchenmitglieder kämpfen für ihn wirklich um jeden Millimeter – auch ich tat das. Warum habe ich jahrelang nicht mal ansatzweise zugelassen, mich mit den schwerwiegenden Fragen auseinanderzusetzen und dem keinerlei Raum gegeben, obwohl ich doch anderweitig behaupte ein offener Mensch zu sein? Warum habe ich mich bei „FAIR LDS“ engagiert, um diesen Mann mit teils äusserst fragwürdigen Argumenten zu verteidigen?

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