Schlagwort-Archive: Mormonismus

Elder Neil L. Andersen: „Wer die HLT-Kirche verlässt, kehrt Jesus den Rücken zu“

Kommentar von Guido Müller

Ich bin während der Konferenz kaum dazu gekommen, mich mit den gepredigten Botschaften zu beschäftigen. Eine Stelle, über die wohl am heissesten und am meisten diskutiert wurde, sind die 1-2 Min von Neil L. Andersen zu denen ich hier vorgespult habe:

Verkürzt: Menschen, die die Kirche verlassen und besonders diejenigen die das nicht in sozialmedialer Mucksmäuschenstille tun, werden von Elder Andersen mit den Jüngern gleichgesetzt, die Jesus verlassen haben.

Wäre es wirklich so viel furchtbarer, wenn er stattdessen folgendes gesagt hätte:

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Gedanken über das Konzept der Segnung: „Alles gut, solange es nicht gefährlich oder absurd wird“

Von Juna Kollmeyer

Wenn ich mich an meine aktive HLT Zeit zurückerinnere, stand für mich bei jedem positiven Ereignis fest, dass dies ganz sicher ein Segen Gottes sei. In der Sonntagsschule wurde uns auch regelmäßig gelehrt, dass Segnungen eine Art Belohnung seien, die wir für unsere guten Taten von Gott quasi zurückbekommen.

Heute frage ich mich, ob das nicht eine merkwürdige Form von Interpretation und Deutung ist.

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„Glaube ist ungefährlich, wenn es Raum für Zweifel gibt“

Eine Analyse von Gwen Eggers

Immer wieder hören wir, dass sich in der Kirche nie etwas ändern wird und dass Reformen ein Wunschdenken seien. Diejenigen, die für einen Wandel einstehen wollen, würden ihre Energien vergeuden und warum sich Ehemalige überhaupt noch engagieren . Es gibt aber dennoch zwei Beispiele in der jüngeren Kirchengeschichte, wo zwei Glaubensgemeinschaften, die orthodox und mit Exklusivanspruch unterwegs waren, dieser Wandel gelungen ist und die sich „ökumenisch entsektet“ haben, oder auf dem Weg dorthin sind. Das sind einmal die Siebenten-Tags-Adventisten und andererseits die Neuapostolische Kirche, die mit 370.000 Mitgliedern in Deutschland und über 10 Millionen weltweit nicht sooo klein ist und in einigen Dingen der HLT Kirche ähnlich ist.

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Warum so viele intelligente Mitglieder nicht ihren Liebsten vertrauen, sondern Joseph Smith

Eine Analyse von Guido Müller

Eine der zentralsten Fragen, die sich mir in den letzten fünf Jahren im Austausch mit meinen vielfach tollen HLT-Freunden und Familienmitgliedern stellte:

Warum geben so viele ansonsten intelligente und liebenswerte Menschen so unheimlich viel Energie dafür, nicht auch nur den kleinsten Hauch an Zweifel zuzulassen über Joseph Smith, seine Werke und die von ihm maßgeblich geprägte Organisation? Warum geben sie so viel Zeit und Energie, jeden noch so kleinen Zentimeter zu verteidigen? Warum werden sogar Familienbeziehungen dem untergeordnet und wir glauben unseren eigenen Liebsten weniger als diesem Mann?

Bildquelle: commons.wikimedia.org

Die besonders treuen Kirchenmitglieder kämpfen für ihn wirklich um jeden Millimeter – auch ich tat das. Warum habe ich jahrelang nicht mal ansatzweise zugelassen, mich mit den schwerwiegenden Fragen auseinanderzusetzen und dem keinerlei Raum gegeben, obwohl ich doch anderweitig behaupte ein offener Mensch zu sein? Warum habe ich mich bei „FAIR LDS“ engagiert, um diesen Mann mit teils äusserst fragwürdigen Argumenten zu verteidigen?

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„Vielleicht ist meine Vorstellung in vielen Dingen dann einfach nicht kirchenkompatibel und ich erwarte zuviel“

Ein Erfahrungsbericht von Gwen

Bildquelle: tinybuddha.com

Jahrelang habe ich geglaubt, dass mit mir etwas nicht in Ordnung ist. Jahrelang habe ich mich gefragt, ob ich es bin, die etwas falsch macht. Seit drei Jahren „darf“ ich mir das Prädikat „Witwe“ and die Brust heften, nichts was man gerne will, aber das Leben hat es so entschieden. Ich habe nie ein Geheimnis darum gemacht, warum das so ist. Ich war von 2017 bis 2020 relativ inaktiv in der Kirche. Denn 2017 erlitt mein Partner ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Eine Hirnblutung, die ihm fast das Leben gekostet hätte und die ihn, nach Klinik und Reha, pflegebedürftig zurück ließ. Auch wenn er körperlich wieder relativ hergestellt wurde, so blieb doch eine kognitive Einschränkung, die es schwierig machte ihn auch nur wenige Stunden allein zu lassen. Eine „aktive Teilnahme“ am Kirchenleben war so nicht möglich. Seine Betreuung hat mich, aller Professionalität zum Trotz, an meine psychischen Grenzen gebracht. 2019 kam dann der Suizid und ich bin kollabiert.

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„Ich weiß, dass du aufrichtig versuchst, mir zu helfen, da du wahrscheinlich das Gefühl hast, dass ich verloren bin“

Email Austausch von Lara mit ihrem früheren Bischof (Name geändert)

Das hier hat mein „Bischof“ heute Abend geschickt. Ich habe ihn wiederholt gebeten, mich nicht mehr mit Dingen zu kontaktieren, die mit Kirche zu tun haben. Und obwohl ich denke, dass er ein guter Mensch ist, hat mich das heute Abend auf eine Art und Weise aus der Bahn geworfen, die ich nicht erwartet hatte.

Er schrieb mir

Brief des Bischofs an mich:
+++ZITAT BEGINN+++
Lara, ich habe mein Bestes getan, um deinen Wunsch, nicht kontaktiert zu werden, zu erfüllen. Morgen werden wir in der zweiten Stunde des Gottesdienstes über die Bewältigung von Glaubenskrisen sprechen. Mein Wunsch, dass du zusiehst, war leider stärker als mein Versprechen an Dich – dieses eine Mal. Ich habe gebetet, dass du 40 Minuten deiner Zeit opferst, um dir diese Gedanken anzuhören. Der Zoom-Link ist unten.
Hochachtungsvoll,
Bischof —Name entfernt
https://zoom.us– info entfernt
+++ZITAT ENDE+++

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Ist Satan verantwortlich für alles Böse in der Welt?

Von Guido Müller

Zahlreiche Gläubige und Kirchenführer erklären, dass das „Böse“ in der Welt durch den Satan komme. Man hört:

  • Der Satan kämpft gegen das Gute.
  • Der Satan zettelt Kriege an.
  • Der Satan kämpft gegen die Kirche.
  • Der Satan hat die Menschen aufgewiegelt, die frühen Kirchenmitglieder und die Pioniere zu verfolgen.
  • Der Satan bringt Menschen dazu, die Kirchenführer zu kritisieren.
  • Der Satan verführt dazu, sich unanständige Dinge anzuschauen.
  • Der Satan verführt uns dazu, zu masturbieren.
  • Der Satan hat Eva dazu verführt, von der verbotenen Frucht zu essen.
  • Der Satan will, dass wir den Sabbat nicht heilig halten.
  • Der Satan will, dass wir Religion nicht mehr wichtig nehmen.
  • Der Satan gewinnt, wenn wir nicht genug oder gar nicht mehr in den Schriften lesen.
  • Wer die Kirchenorganisation verlässt, wird ein Gefäß des Bösen und somit ein Diener Satans. (leider eine Aussage Joseph Smiths, die noch in Generalkonferenzansprachen und somit auch in Klassen nachgeplappert wird…so geschehen in meiner Gemeinde hier)
  • Der Satan gewinnt, wenn wir das Wort „Mormone“ verwenden und nicht „Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ sagen.
  • Der Satan verführt uns dazu, dass wir schädliche Substanzen zu uns nehmen.
  • Der Satan hat Joseph Smith verfolgt und versuchte, ihm zu schaden.
  • Wenn man als Untersucher der Kirche kurz vor Taufe nochmal Bedenken bekommt und das ganze nicht durchziehen will, ist es wahrscheinlich auch der Satan.
  • Die Existenz des Satans zu leugnen, ist ein Riese- Problem, weil er mich ja versucht anzugreifen.
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Was würde ich meinem Kind sagen?

Von Guido Müller

Ein spannender Maßstab, um angebliche Umgangsweisen Gottes mit seinen Kindern auf Stimmigkeit zu überprüfen ist, könnte sein, wie man selbst eigene Kinder behandeln würde.

Wir gehen mal davon aus, dass so gut wie alle Eltern (wie auch ich) die eigenen Kinder über alle Maßen lieben und das Beste für sie wollen.

Würdest Du Deinem Kind sagen, dass es, weil Du es doch so sehr liebst, nur zu Dir zurückkommen kann, wenn es Deinen langen Katalog an Regeln einhält? Und dass Du es sonst für immer verstoßen oder an einem weniger schönen Ort als Deine gehorsameren Kinder festhalten würdest?

Oder würdest Du dem Kind sagen, dass es allgemeine Grundsätze des Glücklichseins gibt, die sich aber immer am zentralsten Prinzip der Nächstenliebe messen müssen? Und dass es in dem Maße wie es sich entscheidet, diese anzuwenden, glücklich sein kann, aber dass es jederzeit eine Möglichkeit gibt, sich dafür oder dagegen zu entscheiden?

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Ist freier Wille eine Illusion?

Ein Community-Beitrag von Tobias Kempkens

Diese Frage erscheint auf dem ersten Blick kontraintuitiv zu sein. Schließlich treffe ich jeden Tag Entscheidungen. Und wenn ich vor der Eisdiele stehe, dann habe ich doch die freie Wahl, ob ich mich für Schoko oder Vanille entscheiden möchte. Lange Zeit galt auch in der Wissenschaft der freie Wille als so offensichtlich, dass ihn niemand ernsthaft in Frage gestellt hätte.
Doch dies hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Für viele Physiker und Neurowissenschaftler erscheint bewiesen, dass es sowas wie einen freien Willen überhaupt nicht gibt oder geben kann. Und tatsächlich erscheinen die empirischen Ergebnisse und Modelle überzeugend, wenn man eine rein materialistische (und somit atheistische) Weltanschauung zugrunde legt. (Meist ist dies noch kombiniert mit der Vorstellung, dass dieses Universum komplett deterministisch in seinen Grundzügen funktioniert.)

Wir sehen zwar die Optionen, die es gäbe. Aber so wie unsere „Konfiguration“ ist, werden wir uns immer nur für die Option entscheiden, die wir auch wirklich gewählt haben.

Aber nun eine sehr verkürzte Darstellung der materialistisch-deterministischen Argumentation: Die Entscheidungsfindung eines Menschen findet im Gehirn statt und kann auch dort gemessen werden. Die Entscheidungsprozesse erfolgen über einen neuronalen Informationsaustausch in bestimmten Segmenten des Gehirns. Mittlerweile ist die Wissenschaft sogar so weit, dass man (mit sehr viel technischen Aufwand) die Gedanken von Menschen auslesen kann oder dessen Bilder im Kopf rekonstruieren kann. Wenn in der Physik und in diesem Universum eine harte Ursache-Wirkung-Kausalität existiert, dann wird die gleiche Ausgangsituation immer wieder das identische Ergebnis hervorrufen. Wie auch eine mathematische Gleichung immer nur das identische Ergebnis hervorbringen kann. Dies nennt man Determinismus. Über diesen Determinismus ließe sich – bei vollständigen Informationen – die Zukunft perfekt ableiten. Und unser Gehirn ist nun einmal aus Atomen und Elementarteilchen zusammengesetzt. Und folgen diese ebenfalls physikalischen Gesetzen, so sind deren zukünftige Bewegungen determiniert und somit auch welche Entscheidungen wird bei einer gegebenen Situation treffen werden. Wir sehen zwar die Optionen, die es gäbe. Aber so wie unsere „Konfiguration“ ist, werden wir uns immer nur für die Option entscheiden, die wir auch wirklich gewählt haben. (Dies hat auch eine wichtige theologische Komponente, auf welche ich noch eingehen werde).

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„Mein Gefühl sagte mir, dass etwas nicht stimmt“

Erfahrungsbericht zum Erstendowment von Sam (Name geändert)

Als ich endlich anfing zu hinterfragen, ob mein Glaube an die Wiederherstellung der Kirche Gottes durch Joseph Smith usw. richtig ist, ob ich die Wahrheit gelehrt bekommen und gelehrt habe, fing ich auch an, meinen Weg in der HLT-Kirche zu beleuchten, prägende Ereignisse auseinander zu nehmen und endlich auch an mich ran zu lassen. Ich dachte oder redete es mir oft ein, dass wenn die überwältigende Mehrheit meines Umfeldes bezeugt, dass gewisse Dinge sich gut anfühlen oder anzufühlen haben, muss es ja an mir liegen, dass ich es nicht so empfinden kann. Vielleicht ist dem so, vielleicht auch nicht. Wenn es so ist, dann schäme ich mich nicht und lasse mir dies auch nicht einreden. Denn ich bin ein Individuum. Dem einen hilft Penicillin, dem anderen kann es unter Umständen ernsthaft schaden. Um meinen Weg in der Kirche zu überprüfen habe ich angefangen, Schlüsselmomente für mich niederzuschreiben und zu reflektieren.

Einer dieser Momente war mein Endowment bzw. das ganze Wochenende am und im Tempel eigentlich, aber das habe ich in mehrere Kapitel unterteilt. Ich teile mit euch das Kapitel, das über mein Endowment berichtet.

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