Woran man eine gesunde spirituelle Umgebung erkennt

Von Guido Müller

In einer GESUNDEN SPIRITUELLEN UMGEBUNG…

… werden Zweifel zugelassen und mitunter als wertvoll angesehen: nicht zum Selbstzweck, sondern als Chance, Glauben gesünder und nachhaltiger zu gestalten und falsche Vorstellungen zu identifizieren

…muss man sich weder seines Glaubens NOCH seiner Zweifel wegen schämen oder rechtfertigen

…wird Liebe grundsätzlich eine höhere Bedeutung zugemessen als Gehorsam – allerdings wird achtsamer Gehorsam auch als Chance verstanden, die eigene Liebesfähigkeit zu erhalten und zu vergrößern

… können die positiven Seiten einer religiösen Tradition gewürdigt werden, ohne ein Bewusstsein für die ungesunden Seiten der Tradition verhindern/unterdrücken zu müssen

…wird Kritik von aussen erstmal offen und vorurteilsfrei betrachtet, bevor man sich vorschnell in der eigenen Opferposition bestätigt sieht

…wird anerkannt, dass auch die eigene religiöse Tradition potenziell Leid verursacht und Opfer hervorbringt. Beschädigten Individuen wird Verständnis und Liebe entgegengebracht.

…muss für die eigene Religion kein künstlicher Unfehlbarkeitsanspruch aufrecht erhalten werden – die Entschuldigung für Fehler wird auch auf höchster hierarchischer Ebene als Stärke gesehen, als Bestätigung für Lernfähigkeit

…gestehen sich Menschen gegenseitig Individualität in ihrem Glaubensleben zu. Unterschiede und Abweichungen bzgl. des Glauben werden nicht in erster Linie als Gefahr wahrgenommen, sondern potenziell als Chance und Gewinn betrachtet. Dem geistigen Wachstum und Wohl des Individuums wird größere Wichtigkeit beigemessen als dem zahlenmäßigen Wachstum von Kircheneinheiten.

…wird den Beziehungen zwischen Menschen Wichtigkeit VOR ALLEM ANDEREN eingeräumt… insbesondere im Vergleich zur Beziehung eines Menschen zu einer religiösen Institution

…werden Heilige Schriften und Bücher aller Traditionen und Philosophien potenziell als Bereicherung gesehen – der Fehlbarkeit von Schriften wird Raum gegeben, ohne diese damit als Ganzes abzuwerten

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Bärbel
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Besser als Du könnte ich die Frage nach der gesunden Spiritualität nicht beantworten…großartig lieber Guido!!
Meine spontanen Gedanken dazu:
Frei zu denken und sich von alt hergebrachten Meinungen zu lösen und vielleicht auch mal in eine andere Richtung zu denken und zu gehen, ohne dabei zu verurteilen, sondern für alles offen zu sein und vielleicht auch mal das, was man für „schlecht“ hielt zu hinterfragen um zu erkennen, dass das was man für absolut und wahr ansah und empfand, mich vielleicht daran hindert wirkliche Spiritualität zu empfinden.
Wahre Freiheit, wahres Glück, wahre Prinzipien liegen bruchstückweise in allem und wenn wir es als ein Ganzes in Toleranz zusammensetzen würden, sozusagen zu „EINER RELIGION“, dann erst würden wir EINS sein voller LIEBE, VERSTÄNDNIS, MITGEFÜHL UND HARMONIE. Vielleicht geschieht es eines Tages…mein HERZ ist vorbereitet, indem ich schon jetzt versuche dem Widerstand, dem anders Denkenden, dem „angeblichen“ Feind, der mich mit Worten angreift und beleidigt (vielleicht etwas was nur in meinem Kopf stattfindet), mit aufrichtigem Verständnis und ungeheuchelter Liebe❤ zu begegnen. Ich wünsche euch stets diese Gefühle in euch, denn das ist für mich wahre Spiritualität.😊

Peter
Peter

LuB 121:34-46, insbesondere die Verse 41 und 42! Überzeugende Rede nutzt Argumente, bei ungeheuchelter Liebe geht es um Personen, nicht um Zahlen, was auch noch einmal deutlich im Vers 42 wiedergegeben wird.