Veränderte Sicht auf Vergebung: Drei persönliche Learnings die mir täglich helfen

Live-Gespräch mit Guido Müller (Moderation: Miriam Husz)

Ich hatte im Laufe meiner Kirchenzeit den Eindruck, dass wir häufig über unsere Pflicht reden, uns selbst und anderen Menschen zu vergeben. Auch, dass auf uns die größere Schuld verbleibt, wenn wir nicht vergeben. Aber ich fand es wurde zu wenig darüber gesprochen WIE man vergibt. WELCHE SICHTWEISEN auf uns selbst und den Nächsten sind hilfreich, um Vergebung zu ermöglichen?

Weitere Live-Gespräche

guest
2 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Simon
Simon
3 Monate her

Ein paar Gedanken, nachdem ich nun den Mitschnitt angeschaut habe. Was ihr im Nachgang dann noch als Gruppe besprochen habt, entzieht sich leider meiner Kenntnis: SCHULD: Ist in der Tat ein großes Thema im Christentum, vor allem in den traditionellen christlichen Auslegungen, aber auch unter Mitgliedern der Kirche Jesu Christi. Schuld wird als Grundsatz sehr oft so ausgelegt, dass wir etwas verschuldet haben, wir für etwas Falsches oder Schlimmes verantwortlich oder ursächlich sind. Es ist deine Schuld! heißt es oft, und das geht dann mit Bürde einher, mit Schwere oder Last, die wir ausgelöst haben und die Kraft kostet. Daraus wird dann schnell eine Ich- oder Du-Botschaft, die jemandem etwas Schlechtes, einen Makel zuschreibt, der alles auf uns projiziert. Es ist aber etwas fundamental anderes, wenn wir uns klar werden, dass wir alle „in seiner Schuld stehen“, weil Christus für uns da ist und für uns einspringt, um mit uns gemeinsam gegen das Böse zu siegen. Die Last nimmt er dann auf sich und uns letztlich ab. Das Positive, dass er immer für uns da ist, er uns liebt und wir mit ihm gemeinsam Vollkommenheit erreichen können, wurde pervertiert zu: Du musst immer Bestrafung hinnehmen, büßende Abbitte leisten und leiden, weil du fehlerbehaftet bist. Und es gab Zeiten, da brachte genau dies Menschen dazu, sich in eine ungesunde Abhängigkeit manövrieren zu lassen: Sich mit Geld als Ablass freizukaufen, sich institutionellen Obrigkeiten zu unterwerfen, weil sie als Christi Stellvertreter zu akzeptieren waren und Druck ausübten. Das Merkmal solcher pervertierten Auslegungen besteht… Weiterlesen »

Jacqueline S.
Jacqueline S.
3 Monate her

Vielen Dank für die tollen Gedanken gestern. Einige davon werden mich wohl noch länger beschäftigen.. Ich hoffe, ich krieg das Bild, das mir in den Kopf kam, nochmal in Worte gefasst. Während des Gesprächs habe ich über die Bedeutung des Wortes Vergebung nachgedacht – und darüber, was wir denn eigentlich GEBEN, wenn wir vergeben. Hauptsächlich Groll würde ich sagen. Und was kriegen wir dafür zurück? Frieden. Darüber haben gestern einige von euch gesprochen. Und wir kriegen auch Kontrolle zurück. Inwiefern Kontrolle? Wenn wir anderen nicht vergeben, dann oft aus Selbstschutz. Wir haben mit Steinen aus Groll eine Mauer um uns herum gebaut, die uns vor weiteren Verletzungen durch die andere Person schützen soll. Selbstschutz auch, weil wir durch den Fokus auf den Schmerz, den DIE ANDEREN uns zugefügt haben, ein bisschen verdrängen können, dass WIR eigentlich mehr Kontrolle haben, als wir manchmal zugeben wollen. Wenn ich für andere Groll empfinde, dann ist da meist ein Beigeschmack von Schuld: Weil DU mir wehgetan hast, bin ich so wie ich bin. Und wenn ich diese Mauer Stein für Stein abbaue, macht mich das verletzlich, unter anderem auch gegenüber mir selbst. Weil ich mir eingestehe, dass es an MIR liegt, wie ich mit meinen Gefühlen umgehe. Wie können wir den Groll, den wir hegen, denn in etwas Positives umwandeln? Indem wir die Mauer niederreißen und aus den Steinen eine Brücke bauen. Indem wir uns daran erinnern, dass Wut eine Emotion ist, die uns signalisiert, dass uns ein Hindernis bei der Zielerreichung im Weg… Weiterlesen »