Schlagwort-Archive: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Wie sieht Religion in Zukunft aus?

Aus der Community

Wie können wir uns selbst, unsere Familien und unsere Gesellschaft nach der Dekonstruktion der Religionen und dem Versagen der kirchlichen Institutionen neu strukturieren? Wie können wir Spiritualität praktizieren, ohne die Wissenschaft hinter uns zu lassen? Das Mormonentum zum Beispiel ist eine sterbende Religion, deren Kirchengebäude nach und nach verkauft werden, deren Mitgliederzahlen sinken und deren Kinder fast ganz abwandern. Große Teile der entwickelten Welt werden schon bald keinen mormonischen Einfluss mehr haben. Was also kommt nun? Diesen und weiteren Fragen widmen sich Britt Hartley und Bill Reel in ihrem Podcast Almost Awakened.

Britt Hartley (Bildquelle: Facebook)

Dabei kommen Sie auch auf eine spannende Analyse der aktuellen Situation, in der sich eine wachsende Anzahl HLTs wiederfindet. In einem Facebook-Post fasst Hartley den Ist-Zustand zusammen. In der Regel gibt es drei Möglichkeiten, die angeboten werden.

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Wie ich heute über meine Kirchenerfahrung denke und fühle

Erfahrungsbericht von Sam (Name geändert)

Bildquelle: Guido Müller

Ich habe gerade meine Beitragshistorie angeschaut, habe mir meinen ersten Beitrag (nach meiner Vorstellung zu meiner Person) durchgelesen und hab‘ mal drüber nachgedacht was sich bei mir seitdem in meinem Glauben, meinen Ansichten usw. geändert hat.

Vorab! Alles was jetzt folgt ist/sind nur meine Meinung, Gefühle, Gedanken, Eindrücke usw. Wenn jemand andere Ansichten hat, ist das kein Problem.

Sollte sich jemand angegriffen fühlen, so ist dies keine Absicht, denn bedenke: Ich kenne dich höchstwahrscheinlich nicht und du mich auch nicht, also locker bleiben tief durchatmen und sich über was ärgern, was wichtiger ist als der folgende Text.

Hier einige Beispiele über Dinge, über die man sich ärgern kann, weil sie wichtiger sind als mein Post: (sei kreativ und füge hier selbst was ein, die Auswahlmöglichkeiten sind mannigfaltig!)

Im Wesentlichen kann ich es in einer Frage mit einer dazugehörigen Antwort zusammenfassen: Glaube ich, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage die wiederhergestellte und einzig wahre Kirche Gottes auf Erden ist? Antwort: Nein! Ich kann es einfach nicht mehr glauben.

Ich will damit wirklich niemanden angreifen, andernfalls würde ich hier Namen verlinken.

Eher möchte ich versuchen zu beschreiben, wie sich das für mich anfühlt. Das ist gar nicht so einfach, es ist eine Mischung aus enormer Wut, Trauer, Frustration, Enttäuschung, gepaart mit Fassungslosigkeit –  aber auch das muss ich erwähnen: Erleichterung und Hoffnung!

Ich zerlege das jetzt mal in die einzelnen aufgeführten Begriffe, denn anders bekomme ich es nicht vermittelt.

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Elder Neil L. Andersen: „Wer die HLT-Kirche verlässt, kehrt Jesus den Rücken zu“

Kommentar von Guido Müller

Ich bin während der Konferenz kaum dazu gekommen, mich mit den gepredigten Botschaften zu beschäftigen. Eine Stelle, über die wohl am heissesten und am meisten diskutiert wurde, sind die 1-2 Min von Neil L. Andersen zu denen ich hier vorgespult habe:

Verkürzt: Menschen, die die Kirche verlassen und besonders diejenigen die das nicht in sozialmedialer Mucksmäuschenstille tun, werden von Elder Andersen mit den Jüngern gleichgesetzt, die Jesus verlassen haben.

Wäre es wirklich so viel furchtbarer, wenn er stattdessen folgendes gesagt hätte:

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Gedanken über das Konzept der Segnung: „Alles gut, solange es nicht gefährlich oder absurd wird“

Von Juna Kollmeyer

Wenn ich mich an meine aktive HLT Zeit zurückerinnere, stand für mich bei jedem positiven Ereignis fest, dass dies ganz sicher ein Segen Gottes sei. In der Sonntagsschule wurde uns auch regelmäßig gelehrt, dass Segnungen eine Art Belohnung seien, die wir für unsere guten Taten von Gott quasi zurückbekommen.

Heute frage ich mich, ob das nicht eine merkwürdige Form von Interpretation und Deutung ist.

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„Glaube ist ungefährlich, wenn es Raum für Zweifel gibt“

Eine Analyse von Gwen Eggers

Immer wieder hören wir, dass sich in der Kirche nie etwas ändern wird und dass Reformen ein Wunschdenken seien. Diejenigen, die für einen Wandel einstehen wollen, würden ihre Energien vergeuden und warum sich Ehemalige überhaupt noch engagieren . Es gibt aber dennoch zwei Beispiele in der jüngeren Kirchengeschichte, wo zwei Glaubensgemeinschaften, die orthodox und mit Exklusivanspruch unterwegs waren, dieser Wandel gelungen ist und die sich „ökumenisch entsektet“ haben, oder auf dem Weg dorthin sind. Das sind einmal die Siebenten-Tags-Adventisten und andererseits die Neuapostolische Kirche, die mit 370.000 Mitgliedern in Deutschland und über 10 Millionen weltweit nicht sooo klein ist und in einigen Dingen der HLT Kirche ähnlich ist.

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Warum so viele intelligente Mitglieder nicht ihren Liebsten vertrauen, sondern Joseph Smith

Eine Analyse von Guido Müller

Eine der zentralsten Fragen, die sich mir in den letzten fünf Jahren im Austausch mit meinen vielfach tollen HLT-Freunden und Familienmitgliedern stellte:

Warum geben so viele ansonsten intelligente und liebenswerte Menschen so unheimlich viel Energie dafür, nicht auch nur den kleinsten Hauch an Zweifel zuzulassen über Joseph Smith, seine Werke und die von ihm maßgeblich geprägte Organisation? Warum geben sie so viel Zeit und Energie, jeden noch so kleinen Zentimeter zu verteidigen? Warum werden sogar Familienbeziehungen dem untergeordnet und wir glauben unseren eigenen Liebsten weniger als diesem Mann?

Bildquelle: commons.wikimedia.org

Die besonders treuen Kirchenmitglieder kämpfen für ihn wirklich um jeden Millimeter – auch ich tat das. Warum habe ich jahrelang nicht mal ansatzweise zugelassen, mich mit den schwerwiegenden Fragen auseinanderzusetzen und dem keinerlei Raum gegeben, obwohl ich doch anderweitig behaupte ein offener Mensch zu sein? Warum habe ich mich bei „FAIR LDS“ engagiert, um diesen Mann mit teils äusserst fragwürdigen Argumenten zu verteidigen?

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„Vielleicht ist meine Vorstellung in vielen Dingen dann einfach nicht kirchenkompatibel und ich erwarte zuviel“

Ein Erfahrungsbericht von Gwen

Bildquelle: tinybuddha.com

Jahrelang habe ich geglaubt, dass mit mir etwas nicht in Ordnung ist. Jahrelang habe ich mich gefragt, ob ich es bin, die etwas falsch macht. Seit drei Jahren „darf“ ich mir das Prädikat „Witwe“ and die Brust heften, nichts was man gerne will, aber das Leben hat es so entschieden. Ich habe nie ein Geheimnis darum gemacht, warum das so ist. Ich war von 2017 bis 2020 relativ inaktiv in der Kirche. Denn 2017 erlitt mein Partner ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Eine Hirnblutung, die ihm fast das Leben gekostet hätte und die ihn, nach Klinik und Reha, pflegebedürftig zurück ließ. Auch wenn er körperlich wieder relativ hergestellt wurde, so blieb doch eine kognitive Einschränkung, die es schwierig machte ihn auch nur wenige Stunden allein zu lassen. Eine „aktive Teilnahme“ am Kirchenleben war so nicht möglich. Seine Betreuung hat mich, aller Professionalität zum Trotz, an meine psychischen Grenzen gebracht. 2019 kam dann der Suizid und ich bin kollabiert.

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„Ich weiß, dass du aufrichtig versuchst, mir zu helfen, da du wahrscheinlich das Gefühl hast, dass ich verloren bin“

Email Austausch von Lara mit ihrem früheren Bischof (Name geändert)

Das hier hat mein „Bischof“ heute Abend geschickt. Ich habe ihn wiederholt gebeten, mich nicht mehr mit Dingen zu kontaktieren, die mit Kirche zu tun haben. Und obwohl ich denke, dass er ein guter Mensch ist, hat mich das heute Abend auf eine Art und Weise aus der Bahn geworfen, die ich nicht erwartet hatte.

Er schrieb mir

Brief des Bischofs an mich:
+++ZITAT BEGINN+++
Lara, ich habe mein Bestes getan, um deinen Wunsch, nicht kontaktiert zu werden, zu erfüllen. Morgen werden wir in der zweiten Stunde des Gottesdienstes über die Bewältigung von Glaubenskrisen sprechen. Mein Wunsch, dass du zusiehst, war leider stärker als mein Versprechen an Dich – dieses eine Mal. Ich habe gebetet, dass du 40 Minuten deiner Zeit opferst, um dir diese Gedanken anzuhören. Der Zoom-Link ist unten.
Hochachtungsvoll,
Bischof —Name entfernt
https://zoom.us– info entfernt
+++ZITAT ENDE+++

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Ist Satan verantwortlich für alles Böse in der Welt?

Von Guido Müller

Zahlreiche Gläubige und Kirchenführer erklären, dass das „Böse“ in der Welt durch den Satan komme. Man hört:

  • Der Satan kämpft gegen das Gute.
  • Der Satan zettelt Kriege an.
  • Der Satan kämpft gegen die Kirche.
  • Der Satan hat die Menschen aufgewiegelt, die frühen Kirchenmitglieder und die Pioniere zu verfolgen.
  • Der Satan bringt Menschen dazu, die Kirchenführer zu kritisieren.
  • Der Satan verführt dazu, sich unanständige Dinge anzuschauen.
  • Der Satan verführt uns dazu, zu masturbieren.
  • Der Satan hat Eva dazu verführt, von der verbotenen Frucht zu essen.
  • Der Satan will, dass wir den Sabbat nicht heilig halten.
  • Der Satan will, dass wir Religion nicht mehr wichtig nehmen.
  • Der Satan gewinnt, wenn wir nicht genug oder gar nicht mehr in den Schriften lesen.
  • Wer die Kirchenorganisation verlässt, wird ein Gefäß des Bösen und somit ein Diener Satans. (leider eine Aussage Joseph Smiths, die noch in Generalkonferenzansprachen und somit auch in Klassen nachgeplappert wird…so geschehen in meiner Gemeinde hier)
  • Der Satan gewinnt, wenn wir das Wort „Mormone“ verwenden und nicht „Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ sagen.
  • Der Satan verführt uns dazu, dass wir schädliche Substanzen zu uns nehmen.
  • Der Satan hat Joseph Smith verfolgt und versuchte, ihm zu schaden.
  • Wenn man als Untersucher der Kirche kurz vor Taufe nochmal Bedenken bekommt und das ganze nicht durchziehen will, ist es wahrscheinlich auch der Satan.
  • Die Existenz des Satans zu leugnen, ist ein Riese- Problem, weil er mich ja versucht anzugreifen.
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Was würde ich meinem Kind sagen?

Von Guido Müller

Ein spannender Maßstab, um angebliche Umgangsweisen Gottes mit seinen Kindern auf Stimmigkeit zu überprüfen ist, könnte sein, wie man selbst eigene Kinder behandeln würde.

Wir gehen mal davon aus, dass so gut wie alle Eltern (wie auch ich) die eigenen Kinder über alle Maßen lieben und das Beste für sie wollen.

Würdest Du Deinem Kind sagen, dass es, weil Du es doch so sehr liebst, nur zu Dir zurückkommen kann, wenn es Deinen langen Katalog an Regeln einhält? Und dass Du es sonst für immer verstoßen oder an einem weniger schönen Ort als Deine gehorsameren Kinder festhalten würdest?

Oder würdest Du dem Kind sagen, dass es allgemeine Grundsätze des Glücklichseins gibt, die sich aber immer am zentralsten Prinzip der Nächstenliebe messen müssen? Und dass es in dem Maße wie es sich entscheidet, diese anzuwenden, glücklich sein kann, aber dass es jederzeit eine Möglichkeit gibt, sich dafür oder dagegen zu entscheiden?

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